Seine erste Einzelausstellung in Zerbst präsentiert Enrico Brückner (30) aus Bitterfeld im "Kunstfenster" auf der Breite.

Zerbst l Mit dem ernsthaften Malen hat Enrico Brückner erst relativ spät begonnen. Als Kind hat er zwar gern gemalt und gezeichnet. "In der Schule war das Fach Zeichnen/Kunsterziehung eines so etwa wie Biologie oder Chemie, nichts besonderes", erinnert er sich. Er lernte nach der Schule Industriemechaniker und arbeitet auch noch in diesem Beruf.

Eine Art künstlerische Initialzündung erlebte er im Jahr 2004 in Leipzig, als er einem Porträtmaler zuschaute. Enrico Brückner war insbesondere fasziniert, wie dieser Straßenkünstler die "Psyche des Menschen" auf das Papier brachte. "Da habe ich mir Bleistifte besorgt und 2005 gezielt begonnen, selbst zu zeichnen", erzählt er.

"Etwa zwei Jahre später kam das Malen dazu. Ich habe mich mit verschiedenen Techniken und Farben probiert, auch mal mit Öl. Inzwischen arbeite ich mit Acrylfarben. Das kommt meiner Intension, pastös zu malen, besser entgegen", umreißt Enrico Brückner seine künstlerische Entwicklung.

Zunächst hat er sich autodidaktisch fortgebildet. Später wurde er Mitglied in verschiedenen Vereinen und Zirkeln, wie im Wolfener Malverein "Neue Schenke" unter Leitung des Malers Klaus-Dieter Ullrich, im "Kunstverein Kreativ" in Bitterfeld unter Leitung der in Halle lebenden russischen Malerin Suchra Gummelt oder in der Leipziger Künstlergemeinschaft "Treppenakt". Seit Anfang 2014 gehört er dem "Kunstfenster Sachsen-Anhalt e.V. Zerbst" an.

Prägende Anregungen und wesentliche Impulse erfuhr er auch im einjährigen Akt-Kurs beim Burg Giebichensteiner Maler und Grafiker Prof. Rainer Schade.

Seit 2010 hatte Enrico Brückner einige Einzelausstellungen, unter anderem in Leipzig, im Bücherdorf Mühlbeck, in Bitterfeld-Wolfen, in Dessau-Roßlau und ebenso Ausstellungsbeteiligungen in Berlin, bei "Kunst-Stadt(t)-Mauer" Zerbst oder in Halle/Saale.

In der jetzigen Zerbster Ausstellung bietet Enrico Brückner einen Blick in die Genres Grafik und Malerei. Gezeigt werden durchweg Arbeiten aus den letzten drei Jahren. Zur Grafik, der er sich vorwiegend durch Porträts und Aktzeichnungen widmet, gehören die beiden gezeigten, sehr filigranen Bleistiftzeichnungen "Blondiertes Rot" und "Mondschatten", die beide 2012 entstanden sind.

Seine pastöse Acrylmalerei, bei der er viel Farbe - mit etwas Vorliebe für blau - verwendet, bezeichnet Enrico Brückner als "expressiv". Der Betrachter erlebt einen reizvollen Spannungsbogen von noch erkenn- und deutbarer Gegenständlichkeit hin bis zum ausgesprochenen Abstrakten. Dafür stehen einerseits die beiden großformatigen Bilder "Trümmer in Farbe" I und II. "Für das eine hat mich das Zerbster Schloss angeregt, das ich vor etwa zwei Jahren das erste Mal sah", erklärt er. Zu sehen ist andererseits das abstrakte Bild "Gang durch die Farbe".

Er male übrigens am liebsten größere Bilder, Miniaturen seien nicht sein Ding. Und: Es sei auch so, dass viele seiner Bilder oft über einen längeren Zeitraum "im Kopf reifen".

Mit dem ausgestellten Bild "Farbrausch" zeigt Enrico Brückner ein Beispiel für eine besondere Art seines abstrakten Arbeitens. Er nennt diese Technik "Farbzucht - Verpaarung der Farben", deren Ergebnisse durch das Zusammenlaufen von Farben entstehen. Dieser reizvolle Effekt ist ein gewollter und gesteuerter Prozess, dessen Endprodukt dennoch ein Zufallsbild darstellt. Die Ausstellung, der Enrico Brückner keinen extra Namen gibt, kann jedoch mit seinem Homepage-Logo "eiGen-ArT-ig" gekennzeichnet werden. Das ist auf jeden Fall inhaltsschwer und trefflich für sein künstlerisches Tun.

Die Exposition ist bis zum Ende November im Zerbster "Kunstfenster" zu besichtigen.