Noch einmal werden die Mitglieder des Fördervereins des Zerbster Schlosses in diesem Jahr die Pforten des Denkmals öffnen. Am Mittwoch wollen sie nämlich das rekonstruierte Zedernkabinett der Öffentlichkeit präsentieren.

Zerbst l "Es war einst das schönste Zimmer im ganzen Schloss", wusste Dirk Herrmann, Vorsitzender des Fördervereins des Zerbster Schlosses, über das Zedernkabinett zu berichten. Mehr als 20 Jahre habe er sich mit dem Schloss und dessen 203 Räumen auseinandergesetzt.

"Es ist ein kleiner Raum, sehr intim", berichtete er weiter. Er liegt direkt neben dem Appartement der Fürstin Johanna Elisabeth, der Mutter von Katharina II. "Der Raum hat eine Süd-Ost-Lage mit Fenstern zu beiden Seiten. In diesem Raum hat sie morgens ihren Kaffee, Kakao oder Tee genossen - Luxusgetränke zu ihrer Zeit", erzählte er weiter. Außerdem habe der Raum der Fürstin als Schreibkabinett gedient. "Hier hat sie ihre Korrespondenzen erledigt", sagte Herrmann.

Nun soll das Zedernkabinett - der Name rührt von der Zedernholztäfelung an den Wänden - der Öffentlichkeit gezeigt werden. Eine lange Entwicklungsphase liegt hinter den Mitgliedern des Fördervereins. Möglich sei das überhaupt erst wieder dadurch geworden, dass für die erhaltendenden Maßnahmen die Zwischendecken eingezogen worden waren. "Dadurch ist der Raum überhaupt erst wieder entstanden", sagte der Vorsitzende und zeigte eine Fotografie vor Beginn der Baumaßnahmen. "Dort sind nur die Wand mit der Eingangstür zu sehen und Teile des Kamins", erklärte Herrmann. Als der Raum geschlossen war, wurde mit einer Trockenbauwand die alte Form des Kabinetts wieder hergestellt. "Es gibt wenige Farbfotografien, die zeigen, wie der Raum von innen aussah." Prachtvoll war dieser an den Wänden verziert. Große Spiegel und feine Holzschnitzereien, die mit Silber überzogen waren, kennzeichneten den friederizianischen Stil in diesem Raum. Der Steinmetz und Dekorateur Johann Michael Hoppenhaupt der Ältere hatte für die Ausgestaltung des Raumes engagiert werden können. Sonst schmückte dieser Räume in Schloss Sanssouci und dem Schloss Charlottenburg aus.

Die Fotografien dienten als Vorlage für die wandbedeckenden Bilder, die nun den Glanz der vergangenen Jahre gut erahnen lassen. "Auf den alten Fotos waren diese natürlich perspektivisch verzerrt. Am Computer konnte ich das in langwieriger Kleinstarbeit entzerren, und wir ließen es dann auf Folien drucken, die nun an den Wänden angebracht sind", erzählte Herrmann. Auch einige Stühle habe er nach der Vorlage nachfertigen lassen.

"Man bekommt ein ganz anderes Gefühl für den Raum, wenn man direkt darin steht", erzählte er. Das gehe weit über das Ansehen eines Fotos oder das Betrachten eines Modells hinaus, fügte er an. "Das rechtfertigt dann auch den Aufwand", meinte er und sagte, allein die Bildbearbeitung habe drei Monate gedauert. Wieviel Arbeitszeit wirklich in dem Raum steckt, könne er nicht sagen. Über die Kosten wolle er nichts sagen.

Eröffnet wird er am Mittwoch um 15.30 Uhr. "Für eine Stunde zeigen wir dann allen Interessenten das Zedernkabinett", lädt Dirk Herrmann ein.