In einer Woche verwandelt sich die Festscheune auf der Walternienburger Burganlage wieder in ein Reich der Vögel. Der Verein "Kanarien und Exoten Zerbst 1923" führt seine Vereinsschau durch. Etwa 200 Tiere werden zu sehen sein. Auch Moritz Neuhaus, mit zwölf Jahren jüngstes Vereinsmitglied, will seine Vögel ausstellen.

Walternienburg l Bei Familie Neuhaus auf dem Hof ist ein munteres Gezwitscher zu hören. In einer großen Voliere flattern farbenprächtige Vögel. Die gehören dem zwölfjährigen Moritz Neuhaus. Zwei Paare Rosellasittiche und einen Jungvogel hat der junge Vogelfreund. Sein besonderer Stolz sind aber die beiden unter Artenschutz stehenden Gebirgsloris.

Seit Anfang des Jahres ist Moritz offiziell Mitglied im Kanarien- und Exoten-Verein. Das hat sich nach der Schau im vergangenen Jahr so ergeben. Da war Moritz schon mit zwei Vögeln dabei. Bei der Ausstellung vor drei Jahren war es, dass er sich seinen ersten Vogel kaufte. Der wurde zunächst im Haus gehalten. "Doch Opa Albert hat gesagt, es sei schade, um das schöne Tier", erzählt der Sechstklässler. Opa Albert Weferling war früher selber Vogelzüchter und muss es ja wissen. Mit seinem Enkel baute er die Anlage auf dem Hof.

Ein Vogel sollte nicht allein sein, ein zweiter folgte. Ein Fundtier kam dazu. Auch das brauchte einen Partner und so wuchs der gefiederte Bestand des Jungen und die Volierenanlage. Zum ersten Mal gab es in diesem Jahr Nachwuchs bei den Rosellas.

Die Vögel brauchen zwar keine intensive Beschäftigung und Zuwendung, wie etwa Hunde, aber regelmäßige Pflege ist wichtig. "Jeden Tag bekommen sie ihr Futter und einmal in der Woche ist groß Reinemachen", erklärt Moritz. Da müssen die Fliesen geschrubbt werden, denn die Loris machen ganz schönen Dreck, zumal ihr Kot recht flüssig ist. Aber das gehört eben dazu.

Vor allem die Henne des Lori-Paares ist sehr zutraulich. Die kommt schon mal auf die Hand, wenn Moritz etwas Leckeres im Napf hat. Die anderen Vögel sind da etwas zurückhaltender.

An den Vögeln auf dem Hof hat die ganze Familie, wie auch die Großeltern, ihre Freude. Die Erwachsenen unterstützen das Hobby des Jungen. Wenn der Papa Mohrrüben mitbringt, sind die Vögel ganz aufgeregt. Moritz kleiner Bruder Felix hat selber schon ein paar Vögel. Und auch Fienchen, die Hofkatze, hat ihren Spaß an den Buntgefiederten. Sie springt manchmal an die Voliere oder sitzt davor, und es sieht so aus, als ob die Lori-Henne und das Kätzlein sich gegenseitig durch das Drahtgeflecht necken.

Hat Moritz Fragen, was die Haltung, Pflege oder Zucht der Vögel angeht, ruft er auch mal den Vorsitzenden seines Kanaren- und Exotenvereins an. Klaus Brösicke kommt dann auch schnell mal vorbei zum Gucken. Im Verein mitzumachen, das wollte er selber, versichert Moritz. Von der Mitgliedschaft kann man nur profitieren. Alle paar Monate treffen sich die Mitglieder auch. Dass er da der Jüngste ist, stört Moritz nicht.

Natürlich wäre der Verein wie jeder andere froh, wenn er mehr Nachwuchs hätte, wenn sich mehr Kinder und Jugendliche für die bunten Vögel begeistern könnten, so wie Moritz, der es einfach auch schön findet, wenn seine Vögel "mal ein bisschen Krach machen". Und mal sehen, wie sich der Vogelbestand bei Moritz, der als weitere Hobbys auch noch Fußball im Verein spielt, Saxophon bei der Musikschule Da capo lernt und im Angelverein ist, weiterentwickelt. Ein Graupapagei würde dem Jungen gefallen ...

Am nächsten Sonnabend und Sonntag werden um die 200 Kanarien und Exoten - 50 verschiedene Arten - in der Festscheune der Walternienburger Wasserburg zu sehen sein. Die Vorbereitungen zur diesjährigen Vereinsschau, die alljährlicher Höhepunkt für die Mitglieder ist, laufen auf Hochtouren, so der Vereinschef Klaus Brösicke.

Es ist die 15. Exotenschau, die in Walternienburg stattfindet. Die Festscheune als Veranstaltungsort hat sich erstmalig im vergangenen Jahr bestens bewährt. Der Veranstalter hofft auf zahlreiche interessierte Besucher am nächsten Wochenende.