Zerbst l Ulrike Schirmer steht auf dem Schulhof und beaufsichtigt die Schüler. Die Kinder laufen herum, spielen und lachen. Dann wird die Glocke geläutet und die Pause ist zu Ende. Alle stürmen ins Gebäude und in ihre Klassenräume. Ulrike hat selbst noch eine kleine Pause, bis sie wieder zu den Kindern geht.

Die 18-Jährige hat in diesem Jahr ihr Abitur gemacht und absolviert einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in der Bartholomäischule in Zerbst. "Die Schule gibt es noch nicht sehr lange, in ihrer jetzigen Form. Ich möchte mit meinem BFD die Entwicklung unterstützen", erzählt Ulrike. Normalerweise läuft das Bewerbungsverfahren über die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst (ijgd). Ulrike hat sich direkt bei der Bartholomäischule vorgestellt, welche nach der Zusage alles weitere für die Freiwillige geregelt hat. Dies hat sie erst im Nachhinein erfahren. "Ich habe mich auch nur hier beworben. Nach dem persönlichen Gespräch mit der Schulleitung war klar, dass ich hier anfangen kann. Ich habe schon Ende August begonnen. Ich habe so zu sagen eine Probewoche gemacht. Aber offizieller Start war der erste September", so Ulrike.

Das Vorstellungsgespräch war sehr informativ für die 18-Jährige. Sie hat eine Führung durch die Schule bekommen und konnte viele Fragen stellen. Doch trotz des Rundganges habe sie sich am Anfang ab und zu verlaufen: "Die Etagen sehen ziemlich gleich aus. Aber jetzt passiert mir das nicht mehr."

Ulrike ist für die dritte Klasse verantwortlich. Bei den "Igeln" ist sie mit im Unterricht und betreut kleine Gruppen. "Jede Klasse hat in der Schule einen eigenen Namen" erklärt sie. Weitere Aufgaben für die Freiwillige sind Sachverhalte erklären und mit den Kindern üben. "Außerdem bringe ich einem polnischen Jungen Deutsch bei." Pausenaufsicht gehört auch in ihren Bereich, genau wie der Hort. Dieser gehört mit zur Schule. "Bei gutem Wetter sind die Kinder gerne draußen. Wenn es nicht geht, sind wir drinnen und dann spiele ich mit den Kindern.

Von 8 bis 16 Uhr ist Ulrike in der Schule inklusive Hort. Trotzdem bleibt ihr genug Freizeit. Das Wochenende hat sie frei. Für ihre Arbeit bekommt sie ein kleines Taschengeld, 350 Euro im Monat von der Bundesrepublik Deutschland, daher auch der Name. "Mit dem Geld habe ich kein Problem. Ich wohne noch zu Hause und brauche es also nur zum Tanken. Ich habe meine eigenes Auto, mit dem ich so 10 bis 15 Minuten aus Flötz herfahre. Ich habe also noch etwas übrig am Ende des Monats", erklärt die Freiwillige.

Nach dem Jahr im Bundesfreiwilligensdienst will sie BWL studieren. Da sie ein duales Studium machen möchte, dauert das Bewerbungsverfahren ein Jahr. "In der Schulzeit habe ich das noch nicht gewusst und hatte so ein Jahr zu überbrücken. Ich dachte ein BFD wäre ein passendes Engagement", so Ulrike. Sie hat sich für das Studium bei vielen Unternehmen beworben, um so ihre Chancen auf einen Platz zu erhöhen: "Ich werde in der Verwaltung oder im Personalbereich arbeiten. Einen richtigen Berufswunsch habe ich nicht, da bei einem dualen Studium der Student meist übernommen wird. Ich werde dann sehen, was kommt." Doch nun ist sie erst einmal bei den Kindern der Bartholomäischule. Mit den Lehrern hat sie keine Probleme und fühlt sich wohl.

"Letzte Woche habe ich meine Jugendleitercard bekommen, eine Art Voraussetzung, um mit Kindern und Jugendlichen arbeiten zu können." Im Rahmen des BFD muss Ulrike 25 Seminartage besuchen. Diese werden von der ijgd organisiert. "Dort habe ich eine Einführung bekommen und die anderen Freiwilligen kennen gelernt", sagt Ulrike. Auf diesem Seminar wurde ihnen erklärt, worin der Unterschied zwischen einem BFD und einem FSJ besteht. "So richtig verstanden haben wir es nicht. Das soll wohl über einen anderen Träger laufen. Ich bekomme mein Geld woanders her", erzählt die Freiwillige lachend. Der Bundesfreiwilligendienst wird zwar von der ijgd angeboten, doch das Geld und die Verwaltung läuft über den Bund. Außerdem gibt es noch ein paar andere Unterschiede. Zum Beispiel gibt es bei dem BFD keine obere Altersgrenze. Zum anderen kann dieser Dienst auch neben dem Beruf ausgeübt werden, also halbtags. Im Gegensatz zum FSJ gibt es keinen Auslandsdienst beim BFD.

"Die Kinder hier sind sehr lieb und respektieren mich. Ich denke ich werde noch eine schöne Zeit haben", sagt Ulrike.