Das Dorfkirchenmuseum in Garitz hat nun Saisonende. Die ehrenamtliche Leiterin Sonja Hahn kann auf eine ereignisreiche Zeit zurückblicken und resümiert Erfolge und Probleme.

Garitz l Im Herbst ist Saisonwechsel. Im Theater beginnt eine neue Spielzeit, die Läden präsentieren neue Kollektionen und einige andere öffentliche Einrichtungen schließen über den Winter. So auch das Dorfkirchenmuseum in Garitz. Die Saisonpause beginnt Anfang November und dauert bis zum März. In dieser Zeit ist das Museum für Laufkundschaft geschlossen. Es wird nur noch für angemeldete Gruppen mit Führung geöffnet.

Das Museum entstand durch das Engagement einer in Garitz lebenden Frau. Sonja Hahn hatte vor vier Jahren die Idee, die Kirchen auf dem Land zu unterstützen. Kirchen sind nämlich häufig Touristenziele. Nicht immer wegen des Glaubens, sondern wegen der Schönheit und Pracht der Gebäude. Die großen Kathedralen und Dome werden jährlich zahlreich besucht. In die Erhaltung dieser eindrucksvollen Bauwerke wird teilweise viel Geld investiert. Doch nicht nur prunkvolle Kirchen in den großen Städten sind Gotteshäuser, die in Ehren gehalten werden sollten. Die kleinen Kirchen auf den Dörfern sollten nicht vergessen werden.

In der Zerbster Region gibt es in nahezu jedem Dorf eine Kirche. Doch leider sind diese nicht in gutem Zustand. Sie werden nicht ausreichend gepflegt, denn es fühlt sich niemand verantwortlich. Die Anzahl der Gemeindemitglieder in den einzelnen Dörfern ist teilweise sehr gering und deshalb geraten die Kirchen in den Hintergrund. Viele waren und sind stark sanierungsbedürftig. Doch in den letzten Jahren hat sich die Situation geändert. Das liegt am Förderkreis "Entschlossene Kirchen". 2005 entstand die Idee in der Region Zerbst, Dorfkirchen dauerhaft zu öffnen. Welche Person für die jeweilige Kirche verantwortlich ist, kann man im Museum nachfragen. Viele Kirchengemeinden schließen sie für mehrere Stunden auf, zwölf Kirchen lassen die Türen immer offen. Genau diese Kirchen inspirierten Sonja Hahn zu ihrer Museumsidee. 32 Modelle von Dorfkirchen und drei Stadtkirchenmodelle sind im Ausstellungsraum zu sehen. Nun ist die Saison vorbei. Das Museum ist den Winter über geschlossen, unter anderem weil es nicht beheizt ist, um Kosten zu sparen.

Die Laufkundschaft besteht größtenteils aus Radfahrern, die sich die Kirchen und so auch das Museum ansehen. Am "Tag des offenen Denkmals" gab es trotz des Regens viele Gäste. "In diesem Jahr hatte das Museum insgesamt rund 700 Besucher. Es gibt jetzt auch keine angemeldeten Gruppen mehr. Trotz Mitarbeitermangel wurde das Dorfkirchenmuseum gut besucht. Letztes Jahr hatte ich zwei Mitarbeiterinnen aus dem Programm `Bürgerarbeit`. Nur leider ist dieses eingestellt worden. Es war ein großes Problem, einen Ersatz zu finden. Von April bis Juni gab es niemanden, der täglich vor Ort war", erzählt Sonja Hahn. Die ehrenamtliche Leiterin hat zwar wieder Mitarbeiter bekommen, doch auch diese bleiben nur bis Mai 2015. Dann steht sie erneut vor dem Problem. Da sie das Museum jedem zugänglich machen will, gibt es keinen Eintrittspreis. So können keine festen Mitarbeiter eingestellt und bezahlt werden. Mit Projekten wie der Bürgerarbeit, werden Hilfskräfte gestellt, die von der Stadt bezahlt werden. Da dies eingestellt wurde, musste Sonja Hahn auf andere Programme zurückgreifen. Ihre zwei Mitarbeiterinnen sind nun über "Ein-Euro-Jobs" und "Aktiv zur Rente - Plus" finanziert. "Diese Unsicherheit ist nicht schön, gerade wenn man merkt, dass das Interesse wächst", sagt die Garitzerin.

"Es werden immer mehr angemeldete Gruppen. Das liegt wahrscheinlich an unserer Art zu werben. Wir haben Einladungskarten, die bei Veranstaltungen ausgelegt werden, an denen wir teilnehmen. Außerdem liegen immer welche im Museum der Stadt Zerbst. Doch die beste Werbung sind die Gruppen selbst. Wenn Besucher hier sind, nehmen sie diese Karten mit und reichen sie in ihrer Umgebung offenbar weiter. Denn nicht zu selten melden sich Gruppen an, die von vorherigen Besuchern vom Museum erfahren haben", so Sonja Hahn. " Zu einer Führung gehört natürlich nicht nur das Museum an sich, sondern auch zwei der `Themenkirchen` in der Kirchengemeinde. Die Weihnachtskirche in Polenzko wird gezeigt und in Trüben gibt es die Osterkirche zu sehen. In dieser Saison hatten wir zwei große Gruppen mit je 50 Personen aus Berlin und drei Chöre. Außerdem waren viele kirchliche Gruppen hier, aber auch zwei private Familienfeiern." Die dort gesammelten Spenden nutzt Sonja Hahn für Reparaturarbeiten im Museum. Das ausgestellte Harmonium sei zum Beispiel vom Holzwurm befallen und müsse dringend behandelt werden. Das restliche Geld spendet die Kunsthistorikerin an Projekte in den Dorfkirchen.

Von Donnerstag bis Sonnabend präsentiert Sonja Hahn ihre Arbeit auf einer internationalen Tagung in Halle. Die Kooperationpartnerin wurde zu konkreten Beispielen von Erhaltung von Dorfkirchen eingeladen. Die Tagung wird von der FRH (Future for Religious Heritage) veranstaltet, um über die Erhaltung von kirchlichen Gebäuden auf dem Land zu reden. Es haben sich bereits mehr als 100 Leute aus über 30 Ländern angemeldet. "Ich freue mich, dass meine Idee so gut ankommt", so Sonja Hahn.