Das Ökobarometer 2013 zeigt: Rund 92 Prozent der Befragten bevorzugen regionale Lebensmittel. Aber ist es überhaupt möglich, sich regional zu ernähren? Hannelore Sachse sorgt für frischen Fisch. Forelle, Karpfen und Schleie landen so direkt vom Teich in Deetz auf dem Tisch.

Deetz l Die Teichwirtschaft in Deetz ist vor allem durch das jährliche Abfischen (am vergangenen Wochenende) und das Hoffest im Mai bekannt. "Vielleicht denken die Leute, dass man den Rest des Jahres auf frischen Fisch aus der Region warten muss", mutmaßt Hannelore Sachse. Sie betreibt die Teichwirtschaft, die sie von ihrem Vater übernommen hat. Dabei bietet die Teichwirtin das gesamte Jahr über frischen Fisch an. Karpfen, Hecht und den Edelfisch Schleie gibt es bei ihr zu kaufen.

Mit der Teichwirtschaft ist sie deshalb Teil der Direktvermarkter Sachsen-Anhalt. Ein Verzeichnis, das Kunden schnell und einfach anzeigt, wo es welche Lebensmittel zu kaufen gibt. "Das habe ich damals gemacht, um bekannter zu werden", gibt Hannelore Sachse offen zu. Mit einem umfassenden Angebot strebt sie dieses Ziel an. So kann am Teich in Deetz nicht nur das ganze Jahr lang selbst geangelt werden. Es gibt zudem die Möglichkeit, Kaffee zu trinken und sich die Zeit mit Spielen zu vertreiben. "Das wird inzwischen auch von verschiedenen Gruppen wie der Volkssolidarität genutzt", so Sachse.

Die Leute aus der Region wüssten die Schönheit der Gegend und die Vielfalt der Produkte häufig leider nicht zu schätzen. Dabei biete der Fisch der Teichwirtschaft entscheidende Vorteile: "Hier gibt es Qualität und man weiß, wo das Essen herkommt", sagt sie selbstbewusst. Über eines sollte man sich beim Kauf eines Fisches aus Deetz dennoch im Klaren sein: Es handelt sich hierbei um Zuchtfisch. Jedes Jahr im März, wenn der Teich nicht mehr zugefroren ist, werden neue Fische eingesetzt. Diese werden zugefüttert. Mit dem Abfischen im Oktober kommen die Tiere in die Nuthe, die Hannelore Sachse hinter ihrem Haus gestaut hat. "Drei Abteile für die drei Fischarten gibt es da, das ist dann einfacher, sofort den richtigen Fisch zu erwischen", sagt sie. Ein paar Tonnen Fisch hat sie jedes Jahr im Teich. Von Massentierhaltung ist aber nicht die Rede. Das sei der Fall gewesen, als ihr Vater den Teich noch bewirtschaftet hat. "Er hat den Fisch immer direkt an den Großhandel verkauft", erzählt Sachse. Dadurch seien die Futtermengen enorm gewesen. Am Hof hätten die Lieferanten zweimal am Tag tonnenweise Futter angeliefert. "Das würde heute aber nicht mehr so gehen", so Hannelore Sachse.

Um das empfindliche Ökosystem im Teich zu erhalten, ist die Teichwirtin auf einen kalten Winter angewiesen. Denn, wenn das Gewässer zufriert, werden die Parasiten abgetötet. Durch die strategisch günstige Lage der Teichwirtschaft fließt immer frisches Wasser hinein. "Man kriegt hier einfach einwandfreie Ware", betont Hannelore Sachse. Ihre Kunden würden ihr immer wieder sagen, dass die Fische einfach richtig gut schmecken würden.

Das haben nicht nur die Menschen bemerkt. Ein geschäftsschädigender Vogel besucht den Teich in Deetz ebenfalls gerne: Der Kormoran. "Dem darf ich im kommenden Jahr mit meinem Jagdschein aber entgegenwirken", sagt Hannelore Sachse.

Immer wieder betont sie, dass sie als Ein-Frau-Betrieb viel Arbeit mit dem Teich habe. Missen will sie das Geschäft trotzdem nicht: "Es macht mir eigentlich Spaß." Dabei betreibt sie neben dem Direktverkauf ab Hof auch noch diverse Verkaufswagen auf den Wochenmärkten der Region. "Dabei bleibt wenig über, aber das ist egal."

Verbesserungsbedarf sieht sie zum Beispiel beim jährlichen Sachsen-Anhalt-Tag. "Da würde nicht nur ich gerne mal einen Stand haben, aber das scheint den Planern egal zu sein." Das Geld, dass sie dort verdienen könnte, würde indirekt der Zerbster Region wieder zugute kommen. Denn "wenn die Leute hier kaufen würden, hätten wir mehr Umsatz und müssten dadurch Steuern bezahlen, die wieder den Kommunen zur Verfügung ständen", sagt Hannelore Sachse. Dabei ist ihr Fisch zwar etwas teurer als im Supermarkt, aber noch lange nicht so teuer wie es diverse Fachzeitschriften empfehlen würden. So zahlt man für ein Kilogramm Forelle 9,90 Euro, ein Kilo Karpfen kostet 6 Euro. Die Öffnungszeiten von Hannelore Sachse sind fast unbegrenzt. Nur spät am Abend will sie ungerne gestört werden. Wer also frischen Fisch kaufen möchte, sollte einfach vorher anrufen.

Für alles andere außer Fisch kennt Hannelore Sachse aber ebenfalls Alternativen, wo sie was kaufen kann. "Ich ernähre mich aber nur teils teils regional", sagt sie. Grund dafür sind diverse Unverträglichkeiten. "Ich glaube aber, man kann sich hier mit regionalen Produkten supergut und gesund ernähren!"