Der Reformationstag ist in jedem Jahr Anlass für die Museumsmitarbeiter, die Tür zu ihren Räumen auch am Feiertag zu öffnen und Besuchern zu gestatten, mit der Gutenberg-Presse einen eigenen Reformationsdruck anzufertigen.

Zerbst l Doris Wunderlich lächelt. "Ich bin zum zweiten Mal hier und drucke mit", sagt sie. Sie finde es einfach schön, in dem Museum zu sein und an dieser kleinen kulturellen Veranstaltung teilzunehmen. Zuvor habe war sie beim Reformationsgottesdienst in der Sankt-Trinitatis-Kirche. Anschließend in das Museum zu gehen, runde den Vormittag ab, findet Doris Wunderlich.

Ebensolange wie es die Baumpflanzung nach dem Gottesdienst am Tag der Reformation gibt gebe es auch die Einladung zum Drucken, berichtet Museumleiterin Agnes-Almuth Griesbach. Sie leitet die Besucher an, wie der originalgetreue Nachbau einer Gutenberg-Druckmaschine zu betätigen sei. Diese sei nicht nur am 31. Oktober im Betrieb erzählt sie, während die Besucher die Linoleum-Platte mit Wasserfarbe einfärben, die Druckplatte senken, den Tisch unter den Druckstempel kurbeln, um mit diesen schließlich kraftvoll alles so zusammenzupressen, dass die Farbe auf dem eingelegten Papier heften bleibt.

"Schulklassen und Reisegruppen zeigen wir die Presse oft", berichtet die Museumsleiterin. Hergestellt wurde das Werkzeug vom Jeßnitzer Tischler Axel Bethlehem. Er benötigte mehr als ein Jahr dafür, dass Instrument, das nur gesteckt und gezapft und nicht verschraubt ist, nachzubauen.

Rund 10 000 Euro hat die Anschaffung 1998 gekostet. "Zwischen 500 bis 800 Blatt konnte ein guter Drucker damals am einem Tag fertigen", erklärt Agnes-Almuth Griesbach. Ein Knochenjob sei das gewesen und dazu noch ein schlecht bezahlter. "Denn die Drucker hatten Auflagen, die Schriften der Universität zu besonders günstigen Konditionen zu drucken. Schließlich sei die Universität, die 1582 in Zerbst gegründet wurde, überhaupt der Grund gewesen, warum es eine Druckerpresse in Zerbst - übrigens die erste in ganz Anhalt - gegeben habe. Nach dem Drucken seien die Blätter zum Trocknen über aufgespannte Leinen gehängt wurden.

"Der Anblick erinnerte an Fahnen. Daher kommt der Ausdruck `Druck-Fahnen`", erläutert sie weiter. Danach konnten die Blätter zu Bücher gebunden und gepresst werden. Auch die Werkzeuge sind im Museum in den Gewölben des ehemaligen Franziskaner-Klosters ausgestellt gewesen.

Ein wenig enttäuscht ist die Museumsleiterin über den Zuspruch der Besucher. "Zwölf waren bislang da", sagt sie gestern Mittag. Das sei weniger als sonst. Sie hoffe, dass zum Nachmittag vielleicht noch einige das Angebot nutzen. Schließlich gebe es in jedem Jahr ein neues Motiv, dass gedruckt werde. "Es ist immer ein stadtgeschichtliches", berichtet sie. Dieses Mal war auf der Druckplatte die Ansicht der Nicolai-Kirche eingeritzt gewesen, dazu der Schriftzug `Reformationstag 2014`.