Dr. Jutta Jakobs leitet seit August die noch junge Abteilung für Palliativmedizin in der Zerbster Klinik. Leiden zu lindern, sagt sie, sei eine sehr befriedigende Tätigkeit. Den Tagen mehr Leben geben sei ihre Aufgabe.

Zerbst l Warum vielen Menschen ein Schauer über den Rücken läuft, wenn sie das Wort Palliativ-Medizin hören, sei ihr nicht verständlich, sagt sie. Eine Palliativ-Station sei schließlich kein Hospiz, betont Jutta Jakobs, Leiterin der Palliativ-Station in der Zerbster Helios-Klinik. "Die Palliativ-Medizin möchte - sicherlich schwerkranke - Patienten begleiten und ihnen Lebensqualität geben." Das Ziel sei, dass die Patienten wieder in das häusliche Milieu zurückkehren können. Symptome und Begleiterscheinungen von Behandlungen werden in ihrer Station behandelt, nicht die Krankheit an sich. "Auch Patienten, die noch kurativ behandelt werden, also mit dem Ziel der Heilung, können auf die Palliativ-Staion kommen", machte sie deutlich. Wenn eine junge Frau eine Chemotherapie gegen ihren Brustkrebs bekomme und unter den Nebenwirkungen wie Entzündungen im Mund, Übelkeit und Schmerzen leide, "können wir etwas für sie tun", sagte Jutta Jakobs.

Sechs Betten, damnächst alle in Einzelzimmern, hat sie derzeit zur Verfügung. Seit August ist sie an der Zerbster Klinik und leitet die Abteilung, die es dort erst seit etwas mehr als einem Jahr gibt. Noch pendelt sie jeden Tag aus Halberstadt. In ihrer früheren Wirkungsstätte war kein Platz mehr für die "Pali", wie die Abteilung im internen Sprachgebrauch genannt wird. Sie habe vor der Entscheidung gestanden, dort weiter als Anästhesistin zu arbeiten, was ihre Fachrichtung ist, oder noch einmal den Ort zu wechseln, um das zu machen, wofür sie eine Zusatzausbildung aus Überzeugung abgeschlossen hat. Für Letzteres hat sie sich nun entscheiden. Sie wisse, das sie auch für ihre Abteilung werben muss - auch unter Kollegen.

Denn oft, so erzählt sie, kommen Patienten in einem sehr fortgeschrittenen Stadium zu ihr. Obwohl Krebspatienten die größte Gruppe der Patienten ausmachen, sei die Abteilung darauf nicht limitiert. Fortgeschrittene Lungenkrankheiten wie COPD oder eine fortgeschrittene Herzinsuffizienz seien auch Leiden, welche die Patienten ans Bett fesseln, Schmerzen und Luftnot verursachen und Angst auslösen. "Bei diesen Krankheiten ist die Zuweisung leider sehr spät. Erst, wenn die Symptome nicht mehr vom Hausarzt händelbar sind, kommen sie zu uns, so dass wir sie meist nur noch ein letztes Mal verbessern können." Dabei habe der Patient auch vorher schon Schmerzen gehabt, gegen den die Pallitativ-Medizin eingesetzt hätte werden können. Nicht selten habe sie Patienten, deren Lebensmut am Ende sei, weil sie so viele Schmerzen ertragen müssen. "Wenn ich diesen Menschen dann helfe und sie einige Tage später sagen: Gut, dass ich noch da bin und noch ein paar Tage genießen kann, ist das sehr befriedigend. Es geht darum, den Tagen mehr Leben zu geben", sagt die Frau mit dem lebensfrohen Gemüt. Das zu behalten, gelinge ihr jedoch nicht immer. "Manche Fälle nehme ich auch mit nach Hause. Es gibt durchaus auch Talfahrten", erklärt sie. Dann helfe ihr Hobby: Pferde. "Sicherlich muss man auch mal einige Tage frei haben", wobei sie zurzeit durch die neuen Aufgaben sehr eingespannt sei, was ihr kaum Zeit zum verarbeiten lasse. Sie telefoniert dann mit einer früheren Kollegin. Später wäre vielleicht eine Supervision wünschenswert, erzählt sie. Für sich, aber auch für das Pflegeteam, "die nehmen solche Fälle ja genau so mit", betont die 48-Jährige.

Im Grunde könne jeder Mensch früher oder später von der Palliativ-Medizin profitieren, sagt sie. Das will sie heute auch den Kollegen in der Klinik und am 19. November den niedergelassenen Ärzten in Zerbst in einem Vortrag erklären.