Einen Nachmittag zum Austausch mit ehemaligen Kolleginnen nehmen sich die Krankenschwestern in Zerbst einmal im Jahr vor. Am Sonnabend trafen sie sich im Zerbster Sporthotel Wallwitz.

Zerbst l "60 Jahre und zwei Monate kennen wir uns heute auf den Tag genau", sagte Marga Petzold zu Renate Wenzel kurz nach der Begrüßung im Sporthotel Wallwitz in Zerbst. Die Walternienburgerin und die Zerbsterin haben am gleichen Tag ihre Lehre zur Krankenschwester begonnen - und blieben während ihres Berufslebens immer zusammen. "Wir gingen gemeinsam zur Schwesternschule in Magdeburg und kehrten auch beide danach wieder nach Zerbst zurück", sagte Renate Wenzel. "Als wir in Rente gingen, dachte ich mir: Das kann doch nicht alles sein", fügte sie an. "Ich habe schon während unserer Werktätigkeit alles organisiert, deswegen lud ich alle zum Treffen ein", erzählte sie von der ersten Zusammenkunft vor acht Jahren. "Eingeladen sind nicht nur ehemalige Schwestern, auch noch aktive sind gern bei uns gesehen", betonte sie . Schließlich sind die älteren Damen noch immer am Beruf interessiert und wollen wissen, was es neues gibt. Dass dieser sich ändert, davon können die Damen viel berichten. "Heutzutage kommen die Patienten ja kaum noch aus ihren Zimmern, weil sie alle Fernseher haben", sagt die Organisatorin. "Früher war das anders. Da haben die Patienten sogar den Boden gewienert", erzählt sie und einige Kolleginnen stimmen nickend zu. Das seien vor allem die Zuckerpatienten gewesen, weiß die frühere Stationsschwester. "Die mussten den Zucker durch die Bewegung verbrennen."

Auch die Schwestern hatten noch bis in die 1980er Jahre hinein die Aufgabe, die Station zu putzen und auch das Geschirr mit abzuspülen. Daran kann sich auch Ulrike Krümmling erinnern. Sie ist eine derjenigen Schwestern, die noch im aktiven Dienst sind, wenn auch nicht mehr im Krankenhaus, sondern bei einem niedergelassenen Arzt.

"Renate Wenzel hat mich quasi mitausgebildet. Sie war ziemlich streng, aber fair", erinnerte sich die 49-Jährige.

Das sei ihre Ausbilderin auch gewesen, erzählte die heute 75-Jährige. Dabei könne man eben viel lernen, deswegen habe auch sie auf Disziplin gesetzt. Auch, wenn es ihr am Anfang schwer gefallen sei, sagte sie. "Um den Beruf zu machen, muss man die Menschen lieben", sagt sie.

Sie selbst habe als Kind viel Zeit im Krankenhaus verbringen müssen. "Und da gab es eine wunderbare Kinderschwester. Damals fasste ich den Entschluss, auch so eine tolle Krankenschwester zu werden. Ich wollte eine Schwester Lotti sein", erzählte sie lächelnd.

Diese und viele andere Anekdoten tauschten sich die fast 30 Schwestern aus und verabredeten sich schon für das nächste Jahr zur selben Zeit an gleicher Stelle, wie in den zurückliegenden acht Jahren.