Dessau/Zerbst (abe) l Die Schuldfrage musste vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Dessau-Roßlau nicht mehr geklärt werden. Dass der Angeklagte am 11. Februar mehrere Zangen im Wert von 112,95 Euro aus einem Zerbster Baumarkt entwendete, war unstrittig. Am Ende war eine ganz andere Frage zu beantworten: Wie viel Geld wollte der 47 Jahre alte Mann aus Zerbst erübrigen?

Ein knappes Gespräch mit seinem Verteidiger Detlef Grube - der Vorsitzende Richter Thomas Knief hatte dazu geraten - sollte dem gebürtigen Armenier die Entscheidung erleichtern. Er erklärte sich einverstanden, das Urteil des Amtsgerichts Zerbst vom 16. Juli zu akzeptieren. Damit bleibt es für ihn bei der zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von vier Monaten. Außerdem soll er eine Geldbuße in Höhe von 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

Ursprünglich strebte der Ladendieb vor der Berufungsinstanz eine reine Geldstrafe an. Die Kammer rechnete ihm aber vor, dass er dann aufgrund seines Einkommens aus selbstständiger Tätigkeit insgesamt 3600 Euro zahlen müsste. Das war für den unterhaltspflichtigen Zerbster - seiner geschiedenen Frau hat er für das gemeinsame Kind (14) 330 Euro Unterhalt im Monat zu überweisen - doch eine signifikante Differenz und Grund genug, auf die Berufung zu verzichten.

Knief riet dem Zerbster dringend, nicht nur während der dreijährigen Bewährungszeit jegliche Konflikte mit dem Gesetz zu vermeiden, sondern sich in Zukunft generell vorbildlich zu verhalten. Welcher Einrichtung die 500 Euro zukommen sollen, stellte die Kammer ins Ermessen des Amtsgerichts Zerbst. Dort war im Sommer versäumt worden, einen Verein zu benennen, der als Empfänger der finanziellen Unterstützung in Frage kommt.

Der Angeklagte konnte zudem von Glück reden, dass er sich nicht innerhalb einer laufenden Bewährung als Langfinger betätigte. Die Liste seiner Vorstrafen beinhaltete bereits einige Ladendiebstähle, bei denen er Whisky, Rasierklingen und Trennscheiben mitgehen ließ. Außerdem hatte er sich vor knapp zehn Jahren an bandenmäßigen Autoschiebereien beteiligt und eine daraufhin verhängte knapp dreijährige Haftstrafe der Angeklagte zumindest teilweise abzusitzen. "Mein Mandant hat mir aber versichert, dass er nicht wieder straffällig wird", erklärte Verteidiger Grube.