Den Raum Loburg hat die Walnuss bereits vor einem Jahr erobert. Jetzt hat sie mit dem Barby-Café auch ein Zuhause in der Ortsmitte gefunden. Das Café wurde am Sonntag unter großer Aufmerksamkeit eröffnet. Derweil gibt es inzwischen zwei Plantagen vor den Toren Loburgs.

Loburg l Rund 1600 junge Walnussbäume sind an der B 246 vor Loburg auf acht Hektar Land gepflanzt worden. Sie gesellen sich zu den 450 Nussbaumtrieben der ersten Plantage, die bereits vor einem Jahr entstanden ist. Die dicken Pfosten sind die Stützen für die jungen Zöglinge. Die Rittergut Barby GbR plant, in Loburg die mit 50 Hektar größte Walnussplantage Deutschlands aufzubauen (Volksstimme berichtete).

Hinter dem Projekt steht Robert Dahl, Nachfahre der Familie von Barby, der in Nord- und Ostdeutschland die "Karls"-Erlebnisbauernhöfe betreibt. Dahl hatte vor einigen Jahren den alten Familiensitz in Loburg zurückgekauft. Dem Erlerbnishof-Unternehmen ist auch das "Barby-Cafe" zuzurechnen, das am Sonntag eröffnet worden ist.

Zahlreiche Besucher ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, gleich am ersten Tag das Café zu besuchen. Die Loburger Bürger hatten diese Eröffnung schon lange erwartet, doch immer wieder gab es Verzögerungen beim Wiederaufbau des Verwalterhauses. Auch die Personalplanung für das Café wurde - nachdem ein junges Betreiberpaar bereits gefunden war - doch noch einmal über den Haufen geworfen.

Jetzt ist die in Dannigkow lebende Ruth Everinghoff verantwortlich für den Café-Betrieb. Sie setzt auf ein überschaubares, feines Angebot und auf Regionalität. Von Anfang an wurden Menschen der Region ins Konzept einbezogen. Das fängt bei der Gestaltung der Speisekarte durch die Gommeraner Kunstpädagogin Annett Koczak an und setzt sich in der Kooperation mit der Loburger Brennerei fort.

Auch die Kultur hat längst Einzug im Café gehalten. An den Wänden hängen Bilder des lange in Gommern wirkenden Pfarrers und Malers Andreas Holtz, für den 7. Dezember ist eine Lesung mit der ehemaligen Loburgerin Britta Strauß angedacht. Handgefertigte Kerzen von Katrin Fahle aus Gödnitz (bei Zerbst) komplettieren ein Angebot von Produkten, die es auch in den "Karls"-Erdbeerdörfern von Robert Dahl gibt.

Die Segnung des neuen, alten Verwalterhauses übernahm der Pfarrer im Ruhestand, Götz Boshamer. Der Geistliche hatte mit weiteren engagierten Bürgern in den Jahren des Leerstandes dazu beigetragen, dass das Barbyhaus nicht dem Verfall überlassen wurde. Auch heute noch schätzt Robert Dahl den Pfarrer als ersten Ansprechpartner in Loburg.

Wie weiter mit dem Gutshaus?

Nach dem erfolgten Abschluss des Verwalterhaus-Neubaus wartet man in Loburg auf die Sanierung des eigentlichen Gutshauses. Nach Vorstellungen des Eigentümers soll damit im kommenden Jahr begonnen werden. Als betreuendes Architekturbüro wirkt auch hier das Team von Dr. Ribbert und Saalmann aus Magdeburg mit.

Wie das Gutshaus künftig genutzt werden kann, ist noch nicht vollends beschlossen. Einer öffentlichen Nutzung dürften hohe Auflagen entgegen stehen. Eventuell könnten hier Büroräume entstehen, überlegte am Sonntag Robert Dahl. Als Ort für Familientreffen derer von Barby taugt das Loburger Gutshaus indes auch prima: Zur Eröffnung kamen zahlreiche Verwandte. Bereits vor zwei Jahren fand auf der Baustelle des Verwalterhauses ein erstes Familientreffen statt. Auch damals reisten Mitglieder derer von Barby aus vielen Teilen der Welt an. Der öffentlichen Einweihung des Cafés war eine Feierstunde im Familienkreis vorangegangen.

Dreister Diebstahl am Eröffnungstag

Barby-Nachfahre Robert Dahl weiß um die Qualitäten des Wirtschaftsstandortes Loburg, er glaubt aber auch daran, dass in der Region Potential liegt. Bereits in anderen scheinbar wirtschaftsarmen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns investierte Dahl und schuf dort seine kommerziell erfolgreichen Erlebnisdörfer. Produkte dieser Erlebnishöfe gibt es nun auch in Loburg.

Das Café wird als Element der "Karls"-Erlebnishöfe betrieben und ist nicht Bestandteil der Rittergut Barby GbR in Loburg, die sich auf den Anbau von Walnüssen rund um Loburg konzentriert. Selbstredend jedoch, dass es im Barby-Café schon jetzt Walnusslikör und -törtchen gibt.

Die Freude über die Café-Eröffnung wurde ein wenig getrübt, nachdem der Barbyhaus-Verwalter Fabian Lipfert am Montagmorgen feststellen musste, dass Unbekannte aus der Werkstatt des Barbyhauses mehrere Werkmaschinen entwendeten. Weil keine Einbruchspuren zu finden sind, geht man davon aus, dass sich die Täter den Trubel während der Eröffnungsfeier zunutze machten. Gestohlen wurden nach ersten Erkenntnissen ein Seitenschneider, ein Trennschleifer, eine Motorsense, Kettensäge und eine Bohrmaschine.

 

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