Mehr als ein Jahr gilt in Sachsen-Anhalt nun die neue Fassung des Kifögs. Ein Ganztagsanspruch ist Teil der Novelle, ebenso ein engerer Betreuungsschlüssel. Die Kindertagesstätten (Kitas) in Zerbst haben sich gut auf die neuen Anforderungen eingestellt, teilen sie mit.

Zerbst l Eine bessere Betreuung der Kinder in den Kindertagesstätten sollte die Novelle des Kinderförderungsgesetzes (Kifög) bringen. Essentieller Bestandteil darin war, dass der sogenannte Betreuungsschlüssel, also die maximale zulässige Anzahl an Kindern, die eine Erzieherin zu betreuen hat, verkleinert wird. Außerdem hat seit dem 1. August 2013 jedes Kind einen Anspruch auf einen Ganztagsplatz. Und den nutzen die Eltern gern, wie die Volksstimme in Erfahrung bringen konnte.

"Seit Inkrafttreten des Kifög", informierte Antje Rohm, Sprecherin der Stadt Zerbst, "und des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung gibt es in der Kita `Knirpsentreff`, die in Trägerschaft der Stadt Zerbst ist, Veränderungen." Im Krippenbereich sei vorher ein Halbtagsplatz in Anspruch genommen worden, jetzt keiner mehr. "Im Kindergartenbereich ist die Zahl von 19 auf 2 gesunken", fügte sie an.

Cornelia Kurowski, Geschäftsführerin des Kinder-, Jugend- und Familienwerkes der Volkssolidarität, hat ähnliche Erfahrungen zu berichten: "Unsere Häuser in Zerbst sind alle sehr gut ausgelastet. Die Anzahl der Kinder hat sich dabei nicht geändert, wohl aber die Anzahl der Halbtagsplätze." Das sei eine Folge des Kifög. Eine andere sei, "dass unsere Betreuerinnen andere Arbeitsverträge benötigten", erzählte sie weiter. "Wir haben außerdem noch neue Kolleginnen eingestellt." Das sei im vergangenen Jahr gar nicht so einfach gewesen. "Jetzt hat sich das aber eingespielt. Das sind sehr gute, hoch motivierte junge Leute. Die Volkssolidarität orientiert sich als freier Träger inzwischen an der Gehaltsstruktur des öffentlichen Dienstes." Im Juli 2013 waren insgesamt 195 Kinder zwischen null und sechs bei den "Zerbster Strolchen", davon halbtags (fünf Stunden) 31 Krippenkinder und 70 Kindergartenkinder. Der Rest blieb länger.

Beiträge werden an Kosten angepasst

Im Juli 2014 waren insgesamt 194 Kinder zwischen null und sechs bei den "Zerbster Strolchen", davon halbtags (fünf Stunden) sechs Krippenkinder und 17 Kindergartenkinder. Alle anderen blieben länger in der Einrichtung.

Michael Hanisch, Leiter Personal beim Albert-Schweitzer-Familienwerk: "Wir haben ab August 2013 eine deutliche Veränderung bemerkt." Die Zahlen für die Halbtagsbetreuung haben sich um zwei Drittel reduziert, berichtete er. "Die Kinderzahl in unseren Einrichtungen ist hingegen stabil geblieben. Die Kinder, die aus der Halbtagsbetreuung herausgefallen sind, haben sich gleichmäßig auf die anderen Betreuungszeiten verteilt, so dass das Verhältnis hier genauso ist wie vorher." Die Eltern, so kommentierte er, "nutzen das also nicht aus und nehmen nur die maximale Zeit."

Zerbsts Kita in freier Trägerschaft vermeldet den gleichen Trend. Auch dort bleiben die Jungen und Mädchen länger in der Kita. "Maximal haben wir Platz für 30 Kinder, momentan sind 26 Kinder da", erzählte die Leiterin Silke Alarich. "Letztes Jahr gab es zwölf `Halbtagskinder`, davon sind acht Kinder in eine Ganztagsbetreuung mit zehn Stunden gewechselt", sagte sie. In diesem Jahr habe die Freie Kita nur noch drei Halbtagskinder.

Durch den engeren Personalschlüssel und die längeren Einsatzzeiten steigen die Kosten für die Betreuung an. Zerbst reagiert darauf und passt die Beiträge zum 1. Januar 2015 an (wir berichteten). "Die Kleinsten in der Krippe brauchen mehr Betreuer als die Kindergartenkinder", hatte Kämmerin Evelyn Johannes erklärt. Und genau deswegen werden die Kosten für einen Krippenplatz steigen.

Zehn Stunden pro Tag kosten dann monatlich 195 Euro. Das sind 31 Euro mehr als zuvor.

Dafür sinken die Beiträge im Kindergarten. Zehn-Stunden-Tage kosten pro Monat nur noch 109, an Stelle von 134 Euro.