Das "Wiesenhof"-Unternehmen Geflügelhof Möckern möchte zwischen Landhaus Zeddenick und Vehlitz sechs neue Mastställe für fast 80 000 Legehennen errichten. Erstmals öffentlich vorgestellt wurde das Projekt in der Ortschaftsratssitzung von Ziepel am Mittwoch.

Ziepel l Man steht erst ganz am Anfang der Planung und zuerst müssen planungsrechtliche Gundlagen geschaffen werden. Weil das ins Auge gefasste Gelände zur Gemarkung Ziepel gehört, galt es, den Ortschaftsrat einzubeziehen. Die Ratsleute um Ortsbürgermeister Wolfgang Koch setzten das Thema jedoch von der Tagesordnung. Begründung: Erst soll der Investor zeitnah in einer öffentlichen Einwohnerversammlung erklären, was geplant ist und welche Auswirkungen es haben wird. "Es geht uns um größtmögliche Transparenz, wir wollen nicht leichtfertig eine Entscheidung fällen", sagte Koch am Mittwoch. Extra wegen dieses Tagesordnungpunktes waren einige Bürger zu der Ratssitzung erschienen.

Die Möckeraner Bauamtsmitarbeiterin Daniela Sandkuhl konnte der interessierten Öffentlichkeit dennoch einige Informationen mit auf den Weg geben. Gestern bestätigte der Prokurist der Geflügelhof Möckern, Dr. Stephan Gramzow, die Eckdaten.

Standortsicherung in der Region statt Expansion

Geplant ist, an dem ländlichen Wegebau zwischen Landhaus Zeddenick und Vehlitz, eine neue Elterntierfarm mit knapp 80 000 Legehennen zu errichten. Vorgesehen sind nach aktuellen Planungen sechs Ställe sowie eingeschossige Sozialgebäude. Es handelt sich dabei nicht um eine Expansion des Unternehmens, sondern um Ersatzneubauten für Farmen an anderen Standorten, die auf lange Sicht nicht erhalten bleiben können. Ziel sei lediglich die Erneuerung der Stallsubstanz in der Region, erklärte gestern Stephan Gramzow: "Das bedeutet aber nicht, dass jetzt unverzüglich andere Elterntierfarmen geschlossen werden. Wenn jedoch eine der alten Anlagen vom Netz geht, muss Ersatz da sein." Der Geflügelhof-Chef spricht von einer Maßnahme zur Standortsicherung in der Region. Erst beim zurückliegenden Broilerfest hatte Gramzow erklärt, eine Expansion des Unternehmens Wiesenhof in Möckern werde es nicht geben.

Derzeit existieren im Bereich der Einheitsgemeinde Möckern neben zahlreichen Mastanlagen vier solcher Elterntierstandorte. Es werde immer schwerer, neue, genehmigungsfähige Standorte für solche Anlagen zu finden. Südlich von Landhaus Zeddenick auf Ziepeler Gemarkung sollen nun zwei unabhängig voneinander arbeitende Anlagen mit je drei Ställen und je einem Sozialgebäude entstehen. Jeweils 39 900 Elterntiere (13 300 Vögel pro Stall) würden dann dort gehalten.

Änderung des Flächennutzungsplanes

Da es sich nach Aussagen von Bauamtsmitarbeiterin Daniela Sandkuhl um eine "raumbedeutsame Planung" handelt, sind eine Änderung des Flächennutzungsplanes und ein qualifizierter Bebauungsplan nötig. Ein Prüfverfahren im Sinne des Bundesimmissionsschutzgesetzes muss klären, welche Auswirkungen eine solche Anlage auf die Umgebung hat. Erfahrungsgemäß nimmt allein die erforderliche Bauleitplanung ein bis zwei Jahre Zeit in Anspruch. Auch Gramzow rechnet nicht vor drei bis vier Jahren mit einem Baustart zwischen Landhaus und Vehlitz. Er geht von vier bis sechs neuen Arbeitsplätzen in den Farmen aus.

Der gewählte Standort liegt neben einer ehemaligen Aschekuhle. Das Gelände gehört nach Aussagen von Dr. Gramzow der Stadt Möckern. Ihm zufolge wird schon über erforderliche Ersatzmaßnahmen nachgedacht. So könnten auf der alten Halde Anpflanzungen dafür sorgen, dass von der neuen Anlage - die sich zudem in einer Senkung befinden soll - nicht so viel zu sehen ist. Optisch sollen sich die Anlagen nicht von anderen modernen Ställen unterscheiden.

Das Vorhaben bei Ziepel steht im Zusammenhang mit bereits genehmigten Neubauten zweier neuer Ställe am Standort Rottenau bei Loburg. Hier soll die Aufzuchtfarm entstehen, in der die in Ziepel produzierten Eier und in der Brüterei Möckern ausgebrüteten Küken gemästet werden.

In Möckern: 65 Millionen Eintagsküken pro Jahr

Der Geflügelhof ist mit 71 Mitarbeitern der Lebendtierbereich des Wiesenhofstandortes Möckern. Dem Produktionsbereich angeschlossen sind die Aufzuchtfarmen mit etwa 80 Farmern in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Im Geflügelhof Möckern werden pro Jahr 65 Millionen Eintagsküken produziert, das entspricht 60 Tonnen Fleisch im Jahr. Geschlachtet werden in Möckern 160 000 Hühner pro Tag, das sind täglich 240 Tonnen.