Streit und Missgunst ist Alltag an der Schule. Mal sind die Konflikte größer, mal können die Schüler sie selbst lösen. In beiden Fällen können die Streitschlichter behilflich sein. Entsprechende Projekte gibt es in Zerbst sowohl an der Grundschule An der Stadtmauer als auch an der Ciervisti.Sekundarschule.

Zerbst l Eifersucht, Diebstahl, Gerüchte - das gibt es nicht nur unter Erwachsenen. Kinder streiten sich. Meist handelt es sich nur um Bagatellen, die im Schulalltag eine Menge ausmachen können. Um hier frühzeitig eingreifen zu können, gibt es die so genannten Streitschlichter. Sie vermitteln, wenn es eng wird und moderieren Konflikte.

Für unterschiedliche Altersgruppen gibt es auch verschiedene Herangehensweise für die Streitschlichter. In der Grundschule An der Stadtmauer kümmert sich Schulsozialarbeiterin Kathleen Michalek um momentan sechs Kinder, die die Streitigkeiten ihrer Mitschüler schlichten sollen. Im vergangenen Schuljahr hat sie ihre erste Gruppe betreut. "Damals bin ich einfach in die dritte Klasse gegangen und habe gefragt, wer Lust darauf hat", sagt Kathleen Michalek.

"Die Kinder sind stolz darauf, Streitschlichter zu sein."

Kathleen Michalek, Schulsozialarbeiterin Grundschule An der Stadtmauer

Die Kinder, die sich gemeldet haben, mussten zunächst eine Ausbildung absolvieren. Darin lernen sie unter anderem, welche Regeln es für Gespräche gibt und wie ein solches zu leiten ist. Am Ende erhalten sie ein Diplom. "Da sind die Kinder dann natürlich mächtig stolz drauf", so die Schulsozialarbeiterin. Die Streitschlichter sind völlig freiwillig dabei, die Kinder würden das einfach gerne wollen, versichert Kathleen Michalek. "Dabei sind sie sehr diskret und würden sich niemals aufspielen oder die eigens für die Streitschlichter angeschafften T-Shirts auf dem Schulhof anziehen."

In den Hofpausen stehen die Streitschlichter immer im Wechsel zur Verfügung. Das Angebot wird durchaus genutzt. Drei bis vier Fälle in der Woche kann die Schulsozialarbeiterin verzeichnen. Das System funktioniert. "Die Kinder kommen oft ganz alleine auf die Lösung", sagt Kathleen Michalek. Wenn nicht, steht sie immer beratend zur Seite. Auffällig sei, dass mehr Mädchen als Jungen zur Streitschlichtung kommen. Die zu lösenden Fälle sind ganz unterschiedlich. So geht es manchmal darum, warum ein Schüler dem anderen einen Stift geklaut hat, aber auch Eifersüchteleien werden bei den Streitschlichtern geklärt. Die Kinder müssen dabei auch über ihre eigenen Gefühle sprechen, was vielen sichtlich schwer fällt. "Da fließen dann auch schonmal Tränen", so die Schulsozialarbeiterin. Häufig steckt hinter dem akuten Konflikt nämlich mehr. Die Kinder lernen dazu die so genannte "Eisbergtechnik", mit der sie durch Hilfsfragen zum Problem durchdringen können.

"Davon nehmen die Kinder auch ganz viel mit nach Hause, sie sammeln Erfahrungen und soziale Kompetenzen, die sie auch außerhalb der Schule anwenden können", erklärt Kathleen Michalek.

Auch, wenn es sich bei der Grundschule An der Stadtmauer nicht um eine so genannte Brennpunktschule handelt: Die Streitschlichter sorgen für ein angenehmeres Schulklima. Diese Beobachtung teilt auch Annegret Ahrendt, Vertrauenslehrerein an der Ciervisti-Sekundarschule. Hier haben die Streitschlichter sogar einen eigenen Raum. An einem runden Tisch klären sie dort die vorgebrachten Fälle täglich in der Mittagspause. 14 Mediatoren gibt es derzeit an der Sekundarschule und das in nahezu allen Altersstufen. Sie arbeiten nach einem festgelegten Dienstplan. Die Schüler bewerben sich ab der fünften Klasse auf die verantwortungsvolle Aufgabe. Ein Jahr lang werden sie dann geschult, bevor es in den Einsatz geht. Dazu gehören Rollenspiele, die Konfliktsituationen darstellen aber auch die richtige Gesprächsführung.

Das ist vor allem wichtig, wenn man die behandelten Fälle betrachtet. Denn häufig geht es um Beleidungen. Als helfende Hand stehen sowohl Annegret Ahrendt als auch die pädagogische Mitarbeiterin Marita Rose zur Seite. Allerdings nur als Beobachter, denn die Streitschlichter sollen die Konflikte alleine klären.

"Häufig ist es so, dass, der Streit schon erledigt ist, wenn die Schüler hier sitzen "

Annegret Ahrendt, Vertrauenslehrerin Ciervisti-Sekundarschule

Wichtig ist dabei, dass die Streithähne erkennen, warum der Konflikt so passiert ist. Danach wird gemeinsam eine Lösung erarbeitet. "Häufig ist es aber so, dass wenn die Schüler hier sitzen, der Streit eigentlich schon erledigt ist", erklärt Marita Rose. Damit die Lösungen nachhaltig sind, wird nach 14 Tagen noch einmal das Gespräch mit den betroffenen Schülern gesucht, in dem geschaut wird, wie die Streithähne dann miteinander umgehen.

Vor allem die Schüler der unteren Jahrgangsstufen kommen, um ihre Konflikte mit den Mediatoren zu lösen. "Bei den Älteren ist das häufig schon so verfahren oder muss bereits an anderer Stelle behandelt werden." Als Vertrauenslehrerin darf Annegret Ahrendt allerdings keine Auskunft darüber geben, was damit gemeint ist.

Die Mediatoren an der Sekundarschule bekommen ein Zertifikat, das sie in ihre späteren Bewerbungen legen können. "Die Lehrmeister sehen dann, dass die Jugendlichen argumentieren und mit Menschen umgehen können. Außerdem sind sie in Krisensituationen bewährt und haben ein gesundes Rechtsbewusstsein", so Annegret Ahrendt.