Zerbst l Der Dicke Turm ist derzeit in ein Gerüst gekleidet. Grund sind dringend notwendige Sanierungsarbeiten. Bröckelnder Putz ist zu entfernen, bevor die Fassade zwischen der Dachkante und den kleineren Turmfenstern wiederhergestellt wird. Auch im unteren Bereich erfolgt punktuell die Instandsetzung vorhandener Ausbrüche. Nicht zuletzt werden die vorspringenden Bauteile wie Gesimse, Lisenen und Fensterbänke mit Bleiblechen versehen. Vor allem jedoch ist neben dem Einbau einer Dachrinne das Anbringen von Fallrohren an den Ecken der West- und Ostfassade analog des Originalzustandes vor der Zerstörung von Zerbst 1945 geplant.

Denn Ursache für die jetzigen Schäden sind konstruktive Mängel, die bei der Neueindeckung des Notdaches in den fünfziger Jahren nicht behoben worden sind. Dadurch war das historische Gemäuer schutzlos den Witterungseinflüssen ausgeliefert. Diese hinterließen ebenfalls deutliche Spuren an den drei Sandsteinfiguren, die sich in luftiger Höhe an der Ostfassade befinden und nun dank des Gerüstes direkt in Augenschein genommen werden konnten. Vor allem zwei der Figuren sind stark beschädigt. Christus gehört dazu. Die anderen beiden Skulpturen sind nicht zu identifizieren. Zumal unklar ist, weshalb sie überhaupt an dieser Stelle über Zerbst blicken. Oberkirchenrat i.R. Dietrich Franke kann nur Mutmaßungen anstellen, da es keinerlei schriftliche Quellen gibt. Er vermutet, dass die Figuren aus dem "Bildersturm" während der Reformationszeit stammen. Gemälde, Skulpturen und andere Bildwerke mit Darstellungen von Christus und der Heiligen sowie weiterer Schmuck wurden damals aus und von den Kirchen entfernt. Da die Figuren eine hohe Qualität aufweisen hat man sie womöglich beim Aufsetzen des Renaissancegiebels in die Turmfassade integriert. "Anders kann ich es mir nicht denken", bemerkt Franke. Die Lösung erachtet er zumindest als sehr sinnvoll. Immerhin sind die Sandsteinfiguren dort oben in mehreren Metern Höhe sicher verwahrt. Ihre Sanierung indes wünscht sich Albrecht Lindemann. Er ist Pfarrer der Kirchgemeinde St. Bartholomäi, welcher der wehrhafte Feldsteinbau seit der Mitte des 15. Jahrhunderts als Glockenturm dient. "Wenn sich zwei Leute finden würden, die für jeweils 100 Euro eine Patenschaft über eine der Figuren übernehmen, könnten wir diese erhalten", hofft er.

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