Zerbst l Hermann Stephan, Vorsitzender des Rassegeflügelzuchtvereins Zerbst und Umgebung 1881 e.V., ist sich sicher: "Wer etwas auf sich hält und einen gewissen Idealismus hat, der stallt sein Geflügel ein." Bei insgesamt 4400 Züchtern und rund 1,65 Millionen Tieren im Landkreis Anhalt-Bitterfeld kann das allerdings nicht hundertprozentig überprüft werden. "Die Mitarbeiter des Veterinäramtes sind unterwegs, aber das Personal ist begrenzt", sagt Udo Pawelczyk, Pressesprecher des Landkreises.

Claus Möllmann von der Wimex-Gruppe fordert: "Wir sollten alle gemeinsam aufpassen, dass wir uns schützen." Damit meint er die gewerblichen Geflügelzüchter genauso wie die Kleintierzüchter. Die Tiere von Wimex leben - wie zum Beispiel in Walternienburg - sowieso eingestallt.

Sollte der Virus ausbrechen, der im Volksmund auch gerne Vogelgrippe genannt wird, könnte es die Tiere aber ebenfalls betreffen. "Wenn das passieren würde, wäre das natürlich für alle betroffenen Betriebe und Kleintierzüchter schrecklich", sagt Möllmann. Die Gefahr sei durch die Wildvögel, die über das ganze Land ziehen, real. "Aber Verrücktmachen gilt nicht. Sauberkeit und Hygiene sind jetzt das Wichtigste", sagt Möllmann weiter.

"Das wäre für alle Betriebe und Züchter schrecklich." - Claus Möllmann, Wimex

Für die Züchter, die ihr Geflügel sonst ganzjährig draußen haben, ist die Stallpflicht ein größeres Problem. "Manche haben da gar nicht die Möglichkeit zu", sagt Hermann Stephan. Als der Befall durch das H5N1-Virus im Jahr 2006 auftrat, strichen viele Kleintierzüchter die Segel. "Ein Großteil hat damals gesagt, ich stalle nicht ein, schlachte und damit ist dann Rassegflügel für mich gestorben", erzählt Hermann Stephan von der damaligen Situation. Es habe viele Austritte aus den Rassegeflügelzuchtvereinen gegeben. "Das wird diesmal sicher wieder so sein, aber nicht in unserem Verein", so der Vereinsvorsitzende. Ein Großteil der Zerbster Züchter halte Tauben, die von der Stallpflicht nicht betroffen sind.

Hermann Stephan selbst hält 20 Tiere. "Ich habe ungefähr eine Stunde gebraucht, um alle in den Stall zu bringen", sagt er. Er hatte sich zuvor im Internet über das Aufstallgebot informiert. Der Geflügelzüchter hat Verständnis für die Stallpflicht, fürchtet aber auch die Konsequenzen für die Tiere. "Sie haben weniger frische Luft und weniger Raum zur Verfügung, das sorgt für Unruhe", erklärt er.

Deshalb würde sich der Vereinsvorsitzende freuen, wenn das Aufstallgebot schnell wieder aufgehoben werden würde. "So lange hier in Sachsen-Anhalt nichts ist, hoffe ich, dass es nicht lange dauert", sagt Hermann Stephan. Das hofft auch Claus Möllmann. Er versucht außerdem, die Angelegenheit positiv zu betrachten. "Das ist eine Phase, die wir jetzt einfach überstehen müssen", sagt er gegenüber der Volksstimme.

"Die Maßnahmenpläne liegen in der Schublade." - Udo Pawelczyk, Landkreis Anhalt-Bitterfeld

Sollte es allerdings zu einem Befall des Geflügels kommen, ist der Landkreis Anhalt-Bitterfeld vorbereitet. "Die Maßnahmenpläne liegen in der Schublade", so Pressesprecher Udo Pawelczyk. Das bedeutet, dass das Geflügel in den infizierten Beständen getötet und unschädlich beseitigt wird. "Infektionen des Menschen mit dem in Mecklenburg-Vorpommern festgestellten H5N8-Virus sind weltweit bislang nicht nachgewiesen", so Pawelczyk weiter. Eine Empfänglichkeit des Menschen könne allerdings nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Weitere Informationen gibt es unter www.mlu-sachsen-anhalt.de oder www.volksstimme.de/vogelgrippe