"Für mich ist das eine große Geschichte über Freundschaft, und es macht mir viel Spaß, das zu inszenieren", sagt David Ortmann. Er führt Regie beim Weihnachtsmärchen "Der gestiefelte Kater" am Theater Dessau, das am Freitag Premiere hatte.

Dessau l Märchen, überhaupt Regie auf der großen Bühne - für den jungen Regisseur David Ortmann ist das eine Premiere. Und gleich mehrfach eine Herausforderung. "Die große Bühne hat eine ganz andere Logik, als wenn ich im Alten Theater im Studio inszeniere. Man muss viel mehr schauen, wer steht wo, wie kriege ich das alles groß, wie kriege ich das hin, wenn die Kinder ganz links oder ganz rechts sitzen, die ganzen technischen Sachen", sagt er. Dann sei da die Verantwortung für die Schauspieler. Bis auf die beiden Haupthelden, den Müllersohn Jonas und den Kater, spielen alle drei, vier Rollen. Und es sind auch Lösungen zu finden für die märchenhaften Dinge. "Das ist nicht, dass man schnipst und dann ist alles da."

David Ortmann stellt sich all dem gern. "Beim Märchen darf man der Fantasie größten Lauf lassen, das macht wahnsinnigen Spaß." Der wird befördert davon, dass das Weihnachtsmärchen die wichtigste Produktion der Dessauer Theaterspielzeit ist, von den Zuschauerzahlen her. Das macht vom Etat manches möglich, "den tollen Wald, die Mühle... Und zu wissen, es wird so viele Vorstellungen geben für so vielen Menschen, die es angucken, das ist natürlich ein Traum".

Für den Regisseur hat die Märcheninszenierung aber auch noch einen besonderen biografischen Aspekt. Sein Vater Hans-Jürgen Müller-Hohensee hat in seinem langjährigen Engagement am Haus nicht nur viele Märchen gespielt, sondern sie auch selbst inszeniert, darunter auch den Gestiefelten Kater. "Es ist toll, da anknüpfen, mit ihm sprechen zu können, in dieser Tradition zu stehen."

Gemeinsam mit Sabeth Braun hat David Ortmann das Buch für die Dessauer Inszenierung geschrieben. Dicht an der Grimm´schen Fassung bleiben sie. "Aber wir haben auch viel dazu erfunden", immerhin dauert die Vorstellung einschließlich der Pause fast zweit Stunden. Da begegnen die kleinen Zuschauer - sie sollten mindestens sechs Jahre alt sein - und die größeren auch einem Krötenforscher, einem Hofmarschall, einem Schuhverkäufer und vielen anderen Figuren. "Im Märchen heißt es, der Kater bekommt die Schuhe, aber ich muss den Weg zeigen, wo sie herkommen", erklärt der Regisseur.

Wichtig war den Autoren auch, der Moral der Geschichte nachzuspüren. Bei Grimms laute die so ein bisschen, dass erfolgreich sei, wer die Leute nach Strich und Faden belüge. In Dessau dagegen ist nicht allein der Kater der Held, sondern auch Müllersohn Jonas, und beide haben Stärken und Schwächen. "Für mich ist es eine große Geschichte über Freundschaft", erklärt David Ortmann.

Patrick Wudtke spielt die Hauptrolle im Dessauer Weihnachtsmärchen. "Das gehört mindestens einmal im Jahr an jedes Theater", ist er überzeugt. Eine Inszenierung am Kleisttheater in Frankfurt/Oder war für ihn, damals fünfjährig, ein Märchen-Schlüsselerlebnis.

Der 25-jährige Schauspieler denkt, dass das Märchen auf der Bühne "viel bewegen, viel machen kann mit Kindern, dass es einfach viel Zauberei ist".

Sein Kater ist "im Grunde seines Kerns ein Guter", beschreibt Patrick Wudtke die Interpretation seiner Rolle. Quasi ein Mensch, der einen Kater in sich trägt, "natürlich ein Schlitzohr, aber auch, selbst, wenn er es nicht ist, ein Edelmann.

Er hat diese Gebärden, dieses Höfische, Vornehme, schon Ritterliche fast". Viele "körperliche Sachen" wird es geben, akrobatische Nummern etwa. Auch gefochten wird auf der Dessauer Bühne. Und gesungen. Jan Kersjes hat nicht nur die Zwischenmusiken geschrieben, sondern auch Lieder, die die Darsteller singen. "Das ist sehr schön", freut sich David Ortmann, von dem die Texte stammen, "das sind noch mal so kleine Augenschmunzler Richtung Musical. Im besten Fall gehen die Kinder auch mit zwei, drei Melodien auf den Lippen raus".

Die Ortmann´sche Generation ist nicht nur mit den Defa-Märchenfilmen, sondern auch mit denen Walt Disneys sozialisiert. Wie traditionell kann, wie modern muss da eine Märcheninszenierung im Theater heute sein? Recht entscheiden will sich der Regisseur da nicht. "Ich versuche, den Grimm´schen Ton zu treffen, aber auch die Kinder immer wieder in ihrem Heute abzuholen", verweist er auf kleine eingebaute Modernismen. "Wenn das zusammengeht, stellt sich die Frage vielleicht gar nicht mehr."

Wie es zusammengeht, ist am Dessauer Theater bis zum 6. Januar fast täglich, manchmal auch bei zwei Vorstellungen pro Tag, zu erleben. Die nächsten Termine, für die es noch Karten gibt, sind der 2. Dezember um 14 Uhr, der 3. Dezember um 12 Uhr sowie der 12. Dezember um 10 Uhr.

Karten für "Der gestiefelte Kater" sowie weitere Informationen sind unter 0340/251 13 33 oder im Internet unter www.anhaltisches-theater.de erhältlich.