Zerbst (ssi) l Von Zerbst nach Stockholm sind es ziemlich genau 1180 Kilometer. Das wissen die Schüler der Astrid-Lindgren-Grundschule in Zerbst wohl am besten. Im Zuge ihrer Themenwoche, bei der sich rund um den 107. Geburtstag der schwedischen Schriftstellerin vielerlei Aktionen in allen Fächern um die Namenspatronin drehten, hatten die Sportlehrer der Schule ein Laufevent organisiert. Dafür legten sie die Strecke zwischen Zerbst und Stockholm als Grundlage fest und forderten ihre Schüler auf, diese Entfernung im Laufen zurückzulegen. Ein Punktesystem diente dabei zur Kontrolle der gelaufenen Strecke - und motivierte die Schüler zusätzlich.

Sabine Rusche, pädagogische Mitarbeiterin der Schule, erklärte: "Grundsätzlich sollte jedes Kind mitmachen. Alle durften laufen, wann sie wollten." Eine Runde auf dem Gelände der Astrid-Lindgren-Schule ist 200 Meter lang. "Alle Kinder bekamen für eine gelaufene Runde einen Stempel auf ein dafür vorbereitetes Formular", erzählte sie weiter. "Wenn fünf Stempel voll waren, gab es dafür einen Klebepunkt", erläuterte sie weiter die Idee. Jeder Klebepunkt stand also für einen gelaufenen Kilometer. "Und den durften sie an eine große Tafel im Foyer der Schule anbringen."

Da 122 Kinder am Lauf teilnahmen, musste rein rechnerisch jedes Kind rund 50 Runden laufen. Dann hätte jeder Junge und jedes Mädchen fast zehn Kilometer zur Strecke nach Stockholm beigetragen. Nun konnte jedoch nicht jedes Kind die Strecke absolvieren. Charlotte Olexy war zum Beispiel während der Astrid-Lindgren-Woche krank. Kurzerhand übernahm ihre Schwester Josefin die Aufgabe und lief für ihre Schwester mit. 100 Runden kommentierte die Zehnjährige mit den Worten: "Das hat Spaß gemacht. Ich laufe gern." Auch andere motivierte das Punktesystem zu Höchstleistungen. Der neunjährige Jason Brandt zählte zu den besten Läufern der Schule. Er lief so viele Runden, dass er sie gar nicht mehr gezählt hat. "Ich bin im Leichtathletikverein. Laufen ist einfach schön für mich", sagte er zu seiner Leidenschaft. Einer, den das Lauffieber so richtig gepackt hat, ist Ole Molenda. Er hat die meisten Runden an der Schule überhaupt zurück gelegt. "230", sagte der Achtjährige stolz. Damit hat er 46 Kilometer auf dem Schulhof allein zurückgelegt - mehr als die 42,195 Kilometer eines Marathons. Auch wenn er diese natürlich nicht am Stück absolvierte, ist die Laufleistung beachtlich. "Einige Kinder waren nicht zu bremsen. Sie liefen in den Pausen. Einige waren richtig enttäuscht, als wir wegen Regens nicht nach draußen konnten", berichtete Sabine Rusche am Donnerstag, als der letzte Punkt nach etwas mehr als zwei Wochen angebracht war.