Trüben/Steutz/Gödnitz/Zerbst l 8,50 Euro pro Stunde soll es ab dem 1. Januar 2015 für (fast) jeden Angestellten geben. Zwar sind die Land- und Forstwirtschaft nicht sofort davon betroffen - denn die Regelung besagt hier eine Drei-Jahres-Staffelung - doch die 8,50 Euro werden ab 2017 auch hier Pflicht.

"Wenn man sich das Stadtgebiet ansieht, erkennt man, dass Land- und Forstwirtschaft einen hohen Stellenwert haben und dass aus der Geschichte heraus so legendär, wie der Zerbster Gemüseanbau immer war, es das Thema Landwirtschaft auch heute noch ist, von den Nebenerwerbsbetrieben bis hin zu den großen Agrarbetrieben", weiß Zerbsts Bürgermeister Andreas Dittmann.

Die Stadt Zerbst/Anhalt selbst ist Verpächter in der Landwirtschaft und bewirtschaftet in der Forstwirtschaft seit über 500 Jahren eigene Flächen. Insgesamt zählt Zerbst und das Zerbster Umland 293,6 Quadratkilometer landwirtschaftlich genutzte Fläche, die von 99 Unternehmen bearbeitet wird.

Damit ist die Landwirtschaft ein nicht unerheblicher Arbeitgeber in der Region. Doch wie stehen die Landwirte vor Ort zu dem Thema Mindestlohn?

"Wir zahlen bereits Mindestlohn. Schon seit bestimmt zwei Jahren. Demzufolge wird sich für uns nicht wirklich etwas ändern. Aber ich weiß, dass sich manch andere Betriebe umstellen werden müssen", sagt Christoph Leps von der Agrargenossenschaft Steutz. Dem schließt sich die Agrargesellschaft Leps an, denn auch hier gibt es bereits den Mindestlohn.

Mario Gaube von der Agrargenossenschaft Trüben ist mit seinem Betrieb noch nicht bei allen Stellen beim Mindestlohn angekommen. "Aber ich sehe da keine Probleme. Natürlich werden wir da mitziehen, müssen wir ja. Und die Leute sollen natürlich vernünftig bezahlt werden", sagt er. Endgültig ist im Betrieb noch nichts entschieden, "aber das wird schon". Einzig die Spargelernte macht dem Landwirt Sorgen. "Wenn man hier nur zusetzt, dann wird sich der Spargelanbau nicht mehr lohnen", stellt er fest.

Dass die Einführung des Mindestlohnes in der Landwirtschaft nicht unproblematisch ist, sieht auch Bundestagsabgeordneter und ehemaliger Landwirt Kees de Vries so.

Es beginne bei den Saisonarbeitern, setze sich aber natürlich auch bei den Angestellten fort, die regulär das ganze Jahr in einem landwirtschaftlichen Betrieb arbeiten. Er selbst kann die Schwierigkeiten einschätzen, hat er vor seinem Bundestagsmandat noch selbst in der Milcherzeugerbranche gearbeitet.

Generell würden die Angestellten in der Landwirtschaft mit einem Durchschnittslohn von rund 1500 Euro nach Hause gehen. "Damit kann man nicht die Welt bewegen, ich weiß, aber es ist okay. Und auf 40 Stunden gerechnet ist das auch okay. Nur arbeitet fast niemand in der Landwirtschaft 40 Stunden. Und rechnet man mit den tatsächlich geleisteten Stunden, dann wird es schwierig, über die Einhaltung des Mindestlohnes zu sprechen", sagt er.

Sicherlich sei es keine Absicht von den Landwirten, doch sind ihnen auch manchmal die Hände gebunden. "Wenn der Milchpreis vorgegeben wird, dann ist es schwer, mehr zu zahlen", weiß Kess de Vries und sieht die Fehler auch in der Politik. "Die politische Spitze ist nicht auf dem Laufenden, was moderne Landwirtschaft angeht. Da wird sehr emotional debattiert, doch die Fakten werden oft außer Acht gelassen", bedauert er.

Somit sei es jetzt das Dilemma der Landwirtschaft. "Wegen beispielsweise vorgegebener Preise wie beim Melken, können die Betriebe gar nicht mehr zahlen. Also wird das Resultat wohl sein, dass die Betriebe effektiver und kostendeckend produzieren müssen, was bedeutet, dass wahrscheinlich mehr automatisiert werden muss und damit Arbeitsplätze verloren gehen. Das ist traurig, doch die Unternehmer müssen ja auch zusehen, dass sie überleben."

Der Mindestlohn ist also auch unter Landwirten ein Thema. "Wir müssen unsere Unternehmer dafür fit machen", sagt Heinz Vierenklee, Geschäftsführer des Bauernverbandes. Vor allem bei Problematiken wie Saisonarbeitern oder Überstunden. "Wie die Regelungen in unserem Berufsstand umgesetzt werden sollen, dazu ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Es ist noch immer ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist."

Für die Mitglieder des Bauernverbandes Anhalt findet eine Informations- und Beratungsveranstaltung am 16. Dezember in Bernburg-Strenzfeld, im Versammlungsraum der Landesanstalt für Landwirtschaft, statt.

   

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