Ernüchterung gepaart mit anhaltendem Engagement prägte die Jahreshauptversammlung des Förderkreises St. Nicolai. Entmutigen lassen sich die Vereinsmitglieder trotz aktueller Schwierigkeiten jedoch nicht.

Zerbst l 1991 hatte sich der Förderkreis mit dem Ziel gegründet, den drohenden Verlust der Nicolai-Kirche abzuwenden. Mit der Realisierung der Projekte M24 und M25 wäre die Denkmalsicherung abgeschlossen, konstatierte Walter Tharan auf der Jahreshauptversammlung am Freitagabend. Momentan jedoch ist unklar, wann die beiden Maßnahmen fertiggestellt werden, wie der Vereinsvorsitzende verdeutlichte. Völlig offen ist derzeit, wann die Sanierung der fünf am schwersten geschädigten Arkadenpfeiler (M24) in Angriff genommen werden kann. Projektträger ist die Stadt Zerbst, Mittel über das Programm "Stadtumbau Ost" sind beantragt und St. Nicolai als zuschussfähig aufgenommen. "Die Liste ist aber noch nicht abschließend bestätigt, das gilt auch für die Reihenfolge der Förderung der Objekte", erläuterte Tharan.

Fehlende Gelder verhindern zudem, dass die notwendige Erneuerung der Mauerkronenbegrünung an der Nordmauer (Bestandteil von M25) erfolgen kann. Hier hofft der Förderkreis auf Lotto-Toto, das seine Entscheidung über eine Unterstützung des Vorhabens mehrfach verschoben hat. An diesem Donnerstag nun soll es endlich Klarheit geben. "Beantragt sind 40 000 Euro, dazu käme dann eine Anteilsfinanzierung von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Höhe von etwa 35 000 Euro", führte Tharan aus. Unterdessen ist die Südmauer bereits abgerüstet. Einzig im Bereich des dortigen Treppenaufgangs drang Wasser ins Mauerwerk ein, was Bleichbleche künftig verhindern. Ansonsten habe sich die Begrünung in diesem Abschnitt bewährt. Im Bereich der Arkadenpfeiler mussten indes Nachbesserungen vorgenommen werden. An der noch ausstehenden Nordmauer hingegen musste ein "Totalschaden" verzeichnet werden, da die damals ausführende Firma ein Kunststoffgewerbe einsetzte. "Da hätten wir jeden Tag schnüffeln müssen", meinte der Vereinsvorsitzende. So sei dies unbemerkt geblieben, während die Gewährleistungsfrist längst abgelaufen ist.

Nichtsdestotrotz ist Walter Tharan zuversichtlich, dass das Problem behoben werden kann. Mit der Beendigung der Phase der Denkmalsicherung würden allerdings "immer wieder Arbeiten zur Erhaltung oder dem weiteren Ausbau von St. Nicolai nötig sein", schaute er auf die zukünftigen Herausforderungen des Vereins. So sind beispielsweise die Fenstergesimse des Kirchenschiffs zu fugen. Vom Verein ist das allein nicht zu stemmen, weshalb nach Partnern gesucht wird. Noch keine einvernehmliche Lösung mit dem Denkmalschutz hat sich hinsichtlich des Westportals gefunden, das in jedem Winterhalbjahr verquillt und nicht nutzbar ist.

Tharan berichtete ebenfalls von einer bereits im Juli stattgefundenen Beratung zur Perspektive der Nicolaikirche, bei der die "große Kluft zwischen Visionen und Realitäten sichtbar" wurde. Klare Vorstellungen seien bei dem Treffen, an dem Pfarrer Thomas Meyer, Bürgermeister Andreas Dittmann, Landrat Uwe Schulze sowie Vertreter der unteren Denkmalschutzbehörde, des Landesamtes für Denkmalpflege Halle sowie der anhaltischen Landeskirche teilnahmen, nicht erarbeitet worden.

Die vom Gemeindekirchenrat abgelehnte Idee des Einbaus einer Schulsporthalle wäre "unsere Chance" zum Erhalt von St. Nicolai gewesen, meinte Vereinsmitglied Dietrich Franke. Er stellte fest, dass sich die Stadt Zerbst innerlich von der Kirche verabschiedet habe. "Wir gehen an unseren eigenen Verschleißerscheinungen kaputt", erklärte er mit Blick auf die geringe Mitgliederzahl. "Wir waren nie ein riesiger Verein, aber wir hatten starken Rückenwind von der Stadt", so Tharan. Zwischenzeitlich habe sich jener in eine sanfte Brise verwandelt. Im Gegensatz zum Schloss befinde sich die Kirche nicht im Eigentum der Stadt, gab Sebastian Siebert zu bedenken. Allerdings konnte er nicht verstehen, dass die anfänglich recht hohen Investitionen derart zurückgefahren wurden.