Heute wird der Geschäftsführer des Bauernverbandes "Anhalt", Heinz Vierklee, offiziell verabschiedet. Aus gesundheitlichen Gründen tritt er aus seiner langjährigen Funktion zurück. Vorab unterhielt sich Volksstimme-Redakteurin Daniela Apel mit ihm über Veränderungen und Herausforderungen, Entwicklungen und Wünsche.

Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an die Anfänge des Bauernverbandes zurückdenken?

Heinz Vierenklee: Als ich am 1. März 1985 nach dem Studium an der Hochschule Bernburg die Funktion des Kreissekretärs der VdgB, der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe, in Dessau-Roßlau übernommen habe, war noch kein Gedanke an einen Bauernverband, wie er im Westen von Deutschland gleich nach dem Krieg gegründet wurde. Ich habe damals sehr viel von diesem Verband gehört und bereits zum Ende der achtziger Jahre Kontakt zu den Vertretern des Bauernverbandes gehabt. Zur Agra in Leipzig nahmen regelmäßig Vertreter des Bauernverbandes teil. Als im Herbst 1989 die Wende eingeläutet wurde, wurden diese Kontakte konkreter.

Am 8. März 1990 folgte die Gründung des Bauernverbandes der bereits in der Auflösung befindlichen DDR...

Die Gründung des Bauernverbandes der DDR habe ich aktiv in Suhl miterleben können. Eine spannende Zeit. Auch die ersten Jahre, in denen sich die Landwirte neu finden mussten, Vermögensauseinandersetzung, Gründung neuer Strukturen in der Landwirtschaft, Seminare mit Wiedereinrichtern. Damals stellte jeder Tag auch für mich als Geschäftsführer des Bauernverbandes Dessau-Roßlau eine neue Herausforderung dar.

Und die Strukturen änderten sich weiter.

Richtig. 1994 folgte der Zusammenschluss mit dem Kreisbauernverband Zerbst zum Bauernverband "Mittlere Elbe" e.V. und 2005 die Gründung des Bauernverbandes "Anhalt" e.V., der sich aus den Kreisbauernverbänden Köthen, Bitterfeld und ein Jahr später dem Bauernverband "Mittlere Elbe" e.V. zusammensetze. Eine spannende, oft aufregende, aber für mich auch schöne Zeit.

Welche Veränderung ist die gravierendste in all den Jahren gewesen?

Die gravierende Veränderung in meiner beruflichen Zeit war die mit der Wende neue Aufgabe, die ich mir selbst gestellt habe. Es gab kein Rezept, keine Vorgabe für die Arbeit als Geschäftsführer des Bauernverbandes. Ich habe mir selbst die Aufgaben verordnet. Es war alles neu und man konnte am Ende des Tages nichts verkehrt machen, es war für alle eine neue Situation. Hier habe ich mir selbst vieles aneignen müssen, viele Gespräche mit den neuen Berufskollegen aus den "alten" Bundesländern geführt, die ich auch selbst gesucht habe. Die Kontaktsuche und Kontaktpflege zu den unterschiedlichsten für die Landwirtschaft wichtigen Behörden, zu den Verbänden und Vereinen, zur Landwirtschaftskammer in Hannover, aber auch zur Presse und den Medien, die helfen konnten, schwierige Probleme durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit zu lösen.

Können Sie einige wichtige Entwicklungen auflisten?

1992 der Aufbau eines Beratungssystems für die Landwirte zur Unterstützung der neuen Aufgaben als Betriebsleiter. Die Gründung einer "Buchstelle des Bauernverbandes" 1994. Mit Steuerfragen hatte ich mich vorher nie beschäftigen müssen. Die Gründung eines "Carrefour-Forum Mittlere Elbe" im Jahr 1996, einem Büro für die ländliche Entwicklung in enger Verbindung zu Brüssel. Hier waren wir das sechste Büro in Deutschland und das erste im Deutschen Bauernverband. Alles neue Herausforderungen, auf die man sich nicht vorbereiten konnte. Die einfach für mich wichtig waren.

Welches sind die schönsten Aufgaben gewesen?

Die schönste, aber auch schwierige Aufgabe war die Arbeit mit unseren Landwirten. Viele interessante Gespräche und oft auch Schicksale, insbesondere in den neunziger Jahren haben die Arbeit geprägt. Ich habe alle bisherigen Landwirtschaftsminister gut kennen- und schätzengelernt. In den frühen neunziger Jahren habe ich oft persönliche Gespräche mit Landwirten und den Ministern organisiert und konnte so viele Probleme lösen.

Welches Erlebnis werden Sie nie vergessen?

Ein bleibendes Erlebnis war das Zusammentreffen mit Kees de Vries. Vom Holländer hatte ich bis auf einen Anruf im Büro noch nichts gehört. Es ging um eine Bahnschranke in Deetz, die für die ICE-Strecke neu gebaut war. Da die Gemeinde nicht das Geld hatte, diese Schranke zu bezahlen, wollte die Bahn diesen Übergang geschlossen halten. An dieser Stelle kam der Bauernverband ins Spiel. Ein Besuch im alten Sozialgebäude in der Rinderanlage in Deetz bei Familie de Vries war meine erste Begegnung mit dem "Holländer", die sich zu einer guten Freundschaft entwickeln sollte. Eine hochschwangere Frau, Ella de Vries, öffnete mir die Tür und sagte, komm rein. Auf einen solchen Empfang war ich nicht vorbereitet. Kees kam dazu und wir besprachen die weitere Vorgehensweise. Nach einem Fernsehbeitrag, den ich organisieren konnte, sprach mich kurze Zeit später Kees de Vries an und sagte: "So viele Menschen im schwarzen Anzug habe ich nach dem Fernsehbeitrag lange nicht gesehen". Kees wurde gleich Mitglied im Bauernverband.

Was haben Sie aus ihrer Aufgabe als Geschäftsführer des Bauernverbandes für sich persönlich mitgenommen?

Als Geschäftsführer des Bauernverbandes habe ich mir immer das Motto " Es ist immer besser miteinander zu reden, als über einander" zum Leitbild gemacht. Das habe ich versucht, auch in meiner Arbeit umzusetzen. So konnten viele Probleme schnell und unkompliziert gelöst werden.

Was werden Sie vermissen, wenn Sie jetzt von der Funktion als Verbandsgeschäftsführer zurücktreten?

Ich denke, dass ich in den ersten Wochen nach meinem Ausscheiden den Termindruck und den Stress vermissen werde. Das ist nicht negativ gemeint. Ansonsten freue ich mich auf den nächsten Lebensabschnitt, den ich sicher auch interessant gestalten werde. Einige Ehrenämter werde ich weiter begleiten.

Welchen Ratschlag geben Sie ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Meinem Nachfolger gebe ich mit auf den Weg: Zuhören, was die Mitglieder bewegt und versuchen, Kompromisse zu finden, um Entscheidungen für alle Beteiligten organisieren zu können.

Welche Aufgaben sollten zukünftig als dringendste durch den Bauernverband angegangen werden?

Sicher werden die Fragen der Vernässung und die Wasserproblematik überhaupt in der nächsten Zeit eine wichtige Rolle für unsere Landwirte spielen.

Was wünschen Sie dem Bauernverband?

Ich wünsche dem Bauernverband auch weiterhin eine erfolgreiche Arbeit im Interesse der Landwirtschaft und dem ländlichen Raum. Viele neue Mitglieder im Verband - und möge in der nächsten Zukunft die Bauernschaft mit einer Stimme sprechen.

Und noch eine letzte Frage: Was erhoffen Sie sich für die Zukunft des Bauernverbandes?

Ich hoffe, dass in Zukunft der Berufsstand der Landwirtschaft sich weiter festigt, junge Menschen die Reihen der Landwirte stärken und gemeinsam die Probleme im Interesse aller gelöst werden können.

Die Verabschiedung von Heinz Vierenklee findet heute mit einer Veranstaltung ab 15 Uhr in der Gaststätte "Rosenhof" in Ragösen statt.