Das Heimatfotorätsel in dieser Woche hat bei vielen Lesern Erinnerungen geweckt. Die alte Schule in Lindau war gesucht. Es haben so viele angerufen, dass die Leitung ständig besetzt war. Die schönsten Geschichten und Erinnerungen wurden notiert.

Lindau l "Hallo, mein Name ist Hans Haberland und ich wohne in der Schulstraße 10 in Lindau. Ich wohne in dem gesuchten Haus." Das war wohl der überraschendste Anruf bei der Auflösung des Heimatfotorätsels. Hans Haberland ist nicht nur Bewohner des Hauses, sondern hat dort auch einmal gearbeitet, was schnell den Namen des Gebäudes bringt: Er war 30 Jahre lang Direktor der Mittelschule Lindau.

"1958 kam ich an die Schule. Und das Foto erinnert mich an viele Einschulungen. Genau dort haben wir auch immer die Fotos gemacht", erinnert er sich. Doch für genau das Foto ist auch er nicht alt genug. "Davon kenne ich leider niemanden", gibt er zu. Doch mit Freude erinnert er sich an seine Zeit als Lehrer und Direktor. "Auch zu dieser Zeit habe ich hier schon gewohnt. Und wir hatten immer eine Tür, die direkt zu den Klassenzimmern führte, so dass meine Frau und ich noch nicht einmal raus mussten, um zur Arbeit zu gehen", erzählt er mit einem Lachen in der Stimme. Seit 55 Jahren lebt Hans Haberland nun in der alten Schule in Lindau und hat auch nicht vor, das zu ändern.

Vielleicht nicht so gut wie Hans Haberland, aber wahrscheinlich doch besser als die meisten Lindauer kennt Christa Bernau das alte Schulhaus. "Ich bin hier selbst zur Schule gegangen und habe die jetzige Ausstellung dort gestaltet", sagt sie am Telefon. Da war es natürlich gar keine Frage, ob sie das Gebäude erkennt. "Es war die erste Mittelschule im ländlichen Raum", weiß die Lindauerin zu erzählen. Aus einem weiten Umfeld kamen die Schüler. "Im Winter sogar auf Skier", weiß sie. Und eine weitere Geschichte kann sie erzählen: "Als meine Mutter dort zur Schule ging, hatte sie Unterricht bei einem Herrn Pabst. Das war ein sehr strenger Lehrer. Und sie hat erzählt, dass dieser mit dem Rohrstock so doll auf den Rücken geschlagen hat, dass die Schürzenknöpfe absprangen, weshalb es zu Hause noch einmal welche gegeben hat." Selbst hat Christa Bernau diesen Lehrer nicht mehr erlebt. "Unsere Lehrer waren alle nett."

Sehr gut kann sich aber noch Horst Lewin an den Lehrer Hermann Pabst erinnern. "Er war ein kleiner, aber sehr resoluter und strenger Mann", kann auch er sich erinnern. Auch Horst Lewin besuchte die Lindauer Schule und erkannte diese deshalb ohne weiteres. "Ich ging in die erste Klasse, die nach dem Zweiten Weltkrieg eingeschult wurde", erzählt er. Schon seine Mutter hatte Hermann Pabst wohl im Unterricht. Doch Horst Lewin kam mit dem strengen Lehrer gut aus. "Nachdem ich aus der Schule raus war, habe ich ihn sogar noch besucht." Auch an seine Schulzeit kann er sich noch erinnern. "Als ich eingeschult wurde, gab es noch alte Holzbänke. An einer saßen immer vier Schüler. Und die Mädchen saßen rechts im Klassenraum und die Jungen links. Und auf der ersten Bank saßen immer die Sitzenbleiber, das war die Eselsbank", erzählt er. An 40 bis 50 Schüler in einer Klasse kann er sich noch erinnern. "Das war normal. Und die Die Klassen wuchsen bis 1948 auch immer weiter, weil immer noch Flüchtlingskinder dann rein kamen." Auch wie die Räume im Haus verteilt waren, weiß er noch: "Hinter der unteren Fensterreihe war mein Klassenzimmer in der ersten Klasse, die Lehrerwohnung war rechts, da hat Rektor Schmidt damals gewohnt. Und im Dachgeschoss war das Lehrerzimmer, da haben wir immer das Klassenbuch holen müssen oder Landkarten für den Unterricht", weiß Lewin noch. Und er erinnert sich auch noch an Bubenstreiche, die zur Schulzeit natürlich dazu gehört haben: "Unser Rektor machte immer Runden durch die Schule und schaute auch in den Unterricht. Er trug immer einen Hut, so wie das damals üblich war. Und wenn er im Klassenraum war, dann hängte er den neben der Tür auf. Und wir haben den Hut dann einmal mit einer Reißzwecke festgemacht. Er fiel darauf hinein, nahm es aber mit Humor", erzählt er und lacht.

Das Klassenzimmer in der unteren Etage kennt auch Günter Sens. Da hat er seine 8. Klasse verbracht. Das Foto kam ihm fast bekannt vor. "Alle Klassenfotos wurden immer an dieser Stelle gemacht." Er selbst hat viele schöne Erinnerungen an die Schule und die netten Lehrer. Doch gerade wenn er solche Fotos sieht, ist er immer wieder erstaunt, wie viele Schüler an der Schule waren und dass die alle in nur vier Klassenräumen Platz gefunden haben.

Auch Sigrid Schubert ging auf die Lindauer Mittelschule. Ab der 4. Klasse musste sie von Strinum nach Lindau jeden Tag mit dem Rad fahren. "Das hat in den Beinen gezwickt." Vor allem bei schlechtem Wetter verfluchte sie sicherlich öfter diesen langen Weg, denn dann saß sie klitschnass den ganzen Tag im Unterricht. "Nur wenn es im Winter richtig kalt war, fuhr mal ein Bus", erzählt sie.

Auch Axel Voigt musste jeden Tag zur Lindauer Schule mit dem Rad fahren. Von Lietzo aus ging es in den Unterricht mit 29 anderen Schülern. "Und als ich in der vierten Klasse war, kamen noch die Kinder aus Buhlendorf dazu, als dort die Schule geschlossen wurde."

Ebenfalls in die alte Lindauer Schule ging Hans Jürgen Weise. Am lebhaftesten ist ihm in Erinnerung, dass bei der Einschulung immer die zweiten Klassen Spalier standen und wie er selbst dann auch dort stand.

Aber man muss nicht in Lindau zur Schule gegangen sein, um das Gebäude zu erkennen, wie drei weitere Anrufer beweisen: Detlef Teßmann löste das Rätsel nur anhand der Hinweise, die unter dem Bild vermerkt waren. Versprach aber beim nächsten Besuch in Lindau, genau auf die Schule zu achten. Auch Siegfried Schellin reichten die Hinweise im Text. "Die haben mich in meiner Vermutung bestärkt." Er sei zwar öfter auf der Burg, doch von da aus sehe man die alte Schule nicht. Auch hier ist wohl ein Zusatzbesuch demnächst fällig.

Oder man macht es so wie Christa Greulich. Sie heiratete einfach einen Mann, der dort zur Schule ging und schickte auch ihre Kinder zur Lindauer Schule. "Vor allem durch den Schulbesuch meiner Kinder kenne ich das Gebäude", sagt sie.

An dem Gebäude scheinen viele Erinnerungen zu hängen, nur ein paar davon brachte das Volksstimme Heimaträtsel jetzt zu Tage.

Unter den Anrufern gewann Horst Lewin unseren Rätselpreis. Abzuholen ist der Preis von Montag bis Freitag zwischen 10 und 16 Uhr aus der Zerbster Redaktion.

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