Zerbst l In mehrfacher Hinsicht besonders war das Konzert am Sonnabendabend. Zum 30. Mal gastierte der Universitätschor Halle "Johann Friedrich Reichardt" in der Vorweihnachtszeit in Zerbst, zum zehnten Mal in Folge in der St. Trinitatiskirche.

Und es gab eine musikalische Premiere. "Zum überhaupt ersten Mal führen wir Händels Oratorium ,Messias` auf", erklärt Universitätsmusikdirektor Jens Lorenz, der auch die Gesamtleitung hatte.

Die etwa 400 Gäste in der Trinitatiskirche haben ein Konzert erlebt, wie es möglicherweise bei der Erstaufführung 1742 im irischen Dublin geklungen haben könnte. Weil - der Text in der englischen Originalsprache gesungen wurde und das - bestens aufgelegte und auch in den Soli etwa der Violine und der Trompete bemerkenswerte - Telemannische Collegium Michaelstein auf historischen Instrumenten musizierte. Und, weil der über 80 überwiegend junge kraftvolle Stimmen zählende, in allen Lagen gut ausgebildete und exzellent zusammenwirkende Chor dank großer Klangfülle die von Georg Friedrich Händel (1685-1759) mit fundamentaler Kraft komponierte Musik so eindrucksvoll interpretierte. Nicht nur beim herrlichen und vor allem bekannten "Halleluja" am Ende des zweiten Teils, aber hier eben besonders faszinierend schön.

Der in zweieinviertel Stunden gesanglich-konzertant beschriebene Weg des Erlösers Jesus von dessen Ankündigung über seine Geburt, sein Sterben, die Auferstehung hin bis zu seiner Wiederkunft zeichneten die Gesangssolisten Melanie Hirsch (Sopran), Cornelia Rosenthal (Alt), Robert Sellier (Tenor) und Cornelius Uhle (Bass) mit starken Stimmen und durchweg brillant vorgetragenen Rezitativen, Arien, als Solo, in Duetten. Alle vier zusammen gestalteten gemeinsam mit dem Chor den phänomenalen Abschluss des Oratoriums, das "Amen" - mit Gänsehautstimmung.

Ein Konzertabend als eine Wohltat fürs Gehör und fürs Gemüt in der festlichen Atmosphäre des Kirchenraums.

Nach dem langen Beifall des Publikums war Zeit für Erinnerung und des Dankes. Vor allem galt der Ellen Arndt. Die Musikpädagogin hat die Konzertreihe vor 30 Jahren initiiert und die Auftritte seitdem stets wesentlich organisiert.

Das erste Konzert fand damals in der Aula des heutigen Francisceums mit a cappella gesungenen Weihnachtsliedern statt. In den ersten Jahren reiste der Chor mit dem Zug an und übernachtete jeweils nach einer Weihnachtsfeier noch in Zerbst, erinnerte Jens Lorenz. Er und Dr. Jens Arndt, zunächst als Assistent und seit 15 Jahren als zweiter Dirigent, haben diese Auftritte vorbereitet und geleitet. Präsentiert werden sie stets von der Internationalen Fasch-Gesellschaft.

Beim jetzigen Jubiläumskonzert gab es die "Amen"-Interpretation ganz am Schluss noch einmal als Auf-Wiedersehens-Zugabe des Gesamtensembles, das von Jens Lorenz sehr konzentriert und immer optimistisch aufmunternd geführt wurde.