Während des Gottesdienstes in der Bartholomäi-Kirche in Zerbst spielte gestern der Anhaltische Bläserkreis. Anschließend wurde das Friedenslicht aus Bethlehem verteilt.

Zerbst l Dutzende Gottesdienst- und Konzertbesucher haben sich gestern in der Bartholomäi-Kirche in Zerbst eine Kerze angesteckt. Die Besonderheit daran ist, dass das Licht einen weiten Weg zurückgelegt hat. Die Flamme wurde schon vor mehreren Tagen in Bethlehem entzündet.

Seit Jahren sei das in Zerbst Tradition, erklärte Pfarrer Albrecht Lindemann. Wie lange das Licht in Zerbst verteilt werde, könne er selbst nicht sagen. "Schließlich bin ich erst seit 2013 im Amt", erklärte er. Er wisse aber, dass es zuvor schon viele Jahre Praxis gewesen sei. Erstmals entzündet wurde das Licht 1986 auf eine Initiative des österreichischen Rundfunks hin. Die Idee dahinter ist, dass sich das Licht als Symbol des Friedens über ganz Europa verteilt. "Das Licht ist das weihnachtliche Symbol schlechthin. Mit dem Entzünden und Weitergeben des Friedenslichtes erinnern wir uns an die weihnachtliche Botschaft und an unseren Auftrag, den Frieden unter den Menschen zu verwirklichen", heißt es dazu auf der Webseite der Aktion. 1993 haben zwei deutsche Altpfadfinder von der Reise des Lichts gehört und holten die Flamme von Wien nach Deutschland. Mit der Bahn wird es auch heute noch an mehrere Orte gebracht und vor dort weiter verteilt. Nach Wien wird die Flamme übrigens geflogen. Sie brennt beim Flug sicher verwahrt in einem Spezialbehälter. Die Zerbster Flamme wurde von Schulleiterin Friedericke Grötzsch aus Dessau mitgebracht. Am Freitag fand in der Bartholomäi-Grundschule der Jahresendgottesdienst statt, dort war die Flamme schon anwesend.

Pfarrer Albrecht Lindemanns Aufgabe war es nun, die Flamme bis zum Gottesdienst am gestrigen Sonntag am Leben zu halten. "Wir haben immer mehrere Flammen nebeneinander brennen", gab er seine Strategie preis.

Viele Gottesdienstbesucher, die ihre Flamme mit nach Hause nehmen, lassen sie während der Weihnachtsfeiertage brennen. So zum Beispiel Silke Schmidt. "Ich stelle die Kerze in die Badewanne, wenn ich das Haus verlasse", erzählt sie. So könne nichts passieren.

Die unterschiedlichsten Überlegungen stellen die Besucher auch an, damit sie die Flamme durch das ungemütliche Dezemberwetter nach Hause bekommen, berichtete Pfarrer Lindemann. "Der Wind macht ihnen meist sehr zu schaffen", sagte er und fügte an: "Im vergangenen Jahr kam eine Frau viermal wieder, um sich das Licht zu holen."

Neben dem Gottesdienst spielte gestern auch der Anhaltische Bläserkreis weihnachtliche Lieder. Einige Bearbeitungen luden zum Mitsingen ein, was die zahlreichen Besucher in der Kirche am gestrigen vierten Advent auch taten. Technisch auf hohem Niveau und mit schönen Arrangements, die natürlich eigens für Bläser geschrieben worden sind, begeisterten die zehn Musiker aus verschiedenen Blasensembels, die Steffen Bischoff um sich formiert hat, das Publikum. Die Gruppe gab dem langandauernden Beifall am Ende auch nach und spielte noch eine kleine Zugabe. Dann verteilte Pfarrer Albrecht Lindemann an jeden der wollte das Friedenslicht aus Bethlehem.

Für alle, denen schon beim Heraustreten aus der Kirche in den Nieselregen die Flamme erloschen ist: Noch bis zum Heiligen Abend kann die Flamme bei der evangelischen Gemeinde abgeholt werden.

 

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