Die Radwegekirche in Steckby begrüßt in diesem Jahr über 800 Radfahrer. Viele Gäste kommen aus der Schweiz, Österreich, den Niederlanden und Schweden. Eine Besonderheit ist der offene Kirchturm, den jeder Besucher selbstständig aufsteigen kann.

Steckby l Wer arbeitet, der muss auch rasten. Wenn die Arbeit Radfahren heißt, braucht man auch eine Pause zwischendurch. Eine solche ist am Wegesrand, in Kneipen oder auch in der Radfahrerkirche in Steckby möglich. In dem kleinen Ort im Zerbster Umland ist seit 2008 die erste Radwegekirche Anhalts beheimatet.

Kirche liegt direkt am Elberadweg

Die um 1200 erbaute Feldsteinkirche liegt direkt am Elberadweg R2. Dieser führt von Prag direkt nach Hamburg. "Das hat schon dazu geführt", erinnert sich Pastor Reinhard Hillig, "dass wir hier ein Ehepaar aus Baden-Württemberg zu Gast hatten. Sie waren beide über 70 Jahre alt und fuhren von Dresden aus direkt nach Hamburg". Dabei hätten sie kurz in Steckby gestoppt. "Und sie waren rüstig", fügt er hinzu und lacht.

Die beiden Rentner sind nur zwei von vielen hundert Gästen im Jahr. "Ich rechne mit knapp 800 in diesem Jahr", betont Hillig stolz. Im Jahr der Flut hätten sie auch in Steckby gemerkt, dass die Menschen nicht das Radfahren im Kopf hatten. Die Radfahrer kommen aus allen Teilen Deutschlands. "Aber auch viele Gäste sind aus der Schweiz, Österreich, den Niederlanden oder Schweden", weiß Hillig und zeigt auf eine Karte, auf der gelbe Punkte die Heimatorte der Gäste markieren.

In Steckby angekommen, können sich die radfahrenden Touristen entweder rund um das Gotteshaus ausruhen oder es sich an den Tischen und Stühlen in der Kirche gemütlich machen.

Auch spirituelle Akkus werden geladen

Neben der "normalen" Pause stünde aber auch die spirituelle im Vordergrund, betont Hillig. "Die Menschen können einfach in die Kirche gehen und sie nutzen", lädt er ein und erinnert sich an ein Eintrag in das Gästebuch. "Dort kann man von einer verzweifelten Person lesen, die schlimmste Gedanken hatte. Einige Seiten später steht dann der nächste Eintrag. Hier bedankt sich dieser Mensch für die freundliche Aufnahme in Steckby und die spirituelle Kraftsammlung."

Damit man auch nicht vor verschlossenen Türen steht, hat die Kirche von Ostern bis zum Reformationstag von 8 bis 20 Uhr geöffnet. "Die Saison eröffnen wir immer mit einem besonderen Gottesdienst oder einer schönen Veranstaltung", blickt der Geistliche auch auf dieses Jahr zurück, als sie eine Ausstellung über die "Jugendopposition in der DDR" in der Kirche beherbergten.

Als weitere Ausnahme bietet die Kirche Sankt Nicolai eine Turmbesteigung für Jedermann. "Jeder Tourist kann ihn selbstständig erklimmen", hebt Hillig diese Seltenheit hervor, sind doch sonst oftmals die Kirchtürme an den meisten Tagen tabu. Der Turm wurde im Jahr 2007 aufwendig saniert und bietet nun eine schöne Aussicht.

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