Der Güterglücker Ortschaftsrat tagt am Dienstag das nächste Mal. Im Mittelpunkt steht die Wahl des Ortsbürgermeisters aus der Mitte der Ratsmitglieder. Die öffentliche Sitzung beginnt um 19 Uhr im Gemeindehaus.

Güterglück. Irritiert mag manch Güterglücker das aktuelle Amtsblatt der Stadt Zerbst gelesen haben. In der Ausgabe vom 19. März ist die nächste Sitzung des Güterglücker Ortschaftsrates für den kommenden Dienstag angekündigt. Das ist soweit nicht verwunderlich. Über die Tagesordnung ist der pflichtbewusste Wähler sicherlich gestolpert. Unter Punkt 4 steht dort die Wahl des Ortsbürgermeisters. Haben wir den Bürgermeister nicht erst gewählt ? Die Frage wird sich der eine oder andere Bürger stellen, der am 27. September 2009 überlegte, ob er bei Amtsinhaber Lutz Voßfeldt oder bei seinem Herausforderer Rainer Schmidt ein Kreuz machte.

Von einer " Sondersituation " spricht Andreas Fischer. Er war damals Leiter der Verwaltungsgemeinschaft ( VG ) Elbe-Ehle-Nuthe, der Güterglück bis zur Eingemeindung in die Stadt Zerbst angehörte. Und genau jene Gebietsänderung, die sich mit dem Auslaufen der Amtsperiode von Lutz Voßfeldt überschnitt, ist der Knackpunkt. Am 17. März 2010 endete seine Amtszeit. Laut der Gemeindeordnung Sachsen-Anhalts hat frühestens sechs und spätestens drei Monate vor Ablauf der regulären Amtszeit eine Neuwahl stattzufinden. An der Regelung orientierte man sich. Zumal zur Zeit der notwendigen Stellenausschreibung noch unklar war, ob der Gebietsänderungsvertrag genehmigt wird.

Am 14. Juli beschloss der Gemeinderat die Stellenausschreibung für die Direktwahl des ehrenamtlichen Bürgermeisters. Als Termin verständigten sich die Ratsmitglieder auf den 27. September, an dem auch die Bundestagswahl stattfinden sollte. Neben Amtsinhaber Lutz Voßfeldt reichte Rainer Schmidt seine Bewerbung ein. Beide Kandidaten wurden am 10. September zur Wahl zugelassen – einen Tag später wurde der genehmigte Gebietsänderungsvertrag zwischen der Stadt Zerbst und Güterglück im Amtsblatt des Landkreises Anhalt-Bitterfeld veröffentlicht.

Inzwischen überprüfte die Kommunalaufsicht den Sachverhalt. " Erst wenige Tage vor der Wahl haben sie uns mitgeteilt, dass die Stelle nicht mehr auszuschreiben gewesen wäre ", berichtet der ehemalige VG-Leiter. Plötzlich stand die Frage im Raum, die Wahl abzusagen oder trotzdem durchzuführen. Allerdings wäre die Zeit zu knapp gewesen, um rechtzeitig alle Wahlberechtigten zu informieren, schildert Andreas Fischer die Situation. " Es war zu kurzfristig ", erinnert sich Gemeindewahlleiterin Marlies Behrens. In Rücksprache mit der Kommunalaufsicht fiel schließlich die Entscheidung, die Bürgermeisterwahl wie geplant abzuhalten. Aber unter der Auflage, dass der gewählte Kandidat nicht zum Bürgermeister ernannt wird.

Das Interesse an der Wahl des Gemeindechefs war beachtlich. Von den 599 wahlberechtigten Güterglückern gaben 436 ihre Stimme ab. Das entsprach einer Wahlbeteiligung von 72, 79 Prozent. Mit deutlicher Mehrheit bestätigten die Bürger Lutz Voßfeldt im Amt. Mit 87, 53 Prozent der Stimmen ließ er seinen Herausforderer Rainer Schmidt klar hinter sich. Glückwünsche folgten, die offizielle Ernennung nicht.

Seit Jahresbeginn nun gehört Güterglück wie die anderen 20 Mitgliedsgemeinden der VG als Ortschaft zu Zerbst. Aus dem Gemeinderat wurde ein Ortschaftsrat und aus dem Bürgermeister ein Ortsbürgermeister. Jener scheidet nach Beendigung seiner regulären Amtszeit zwar aus seiner Funktion aus, bleibt aber als zusätzliches Mitglied im Ortschaftsrat, aus dessen Mitte künftig der Ortsbürgermeister gewählt wird. Eine Direktwahl durch die Bürger findet damit nicht mehr statt.

Am Dienstag will sich Lutz Voßfeldt wieder für das Amt des Ortschefs zur Verfügung stellen. Das hat er gestern erklärt.