Mit farbigen Raketen und knallenden Böllern wird heute Schlag Mitternacht das neue Jahr begrüßt. Gleichzeitig bietet sich an Silvester Gelegenheit zur Rückschau auf die vergangenen Monate. Im Gespräch mit Redakteurin Daniela Apel zog der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann Bilanz für ein ereignisreiches Jahr 2014.

Welche kurze Bilanz zieht der Bürgermeister 2014 für seine Stadt?

Andreas Dittmann: Eine positive Bilanz. Ich muss sagen, wir sind wieder gut vorangekommen und das in der gesamten Einheitsgemeinde. Das kann man beispielsweise an der sanierten Kita in Güterglück, der geschlossenen Ringmauer in Walternienburg oder dem Erdgasanschluss von Deetz und Lindau sehen. In Zerbst selbst hatten wir - zum Leidwesen vieler - sehr konzentrierte Straßenbaumaßnahmen, aber dahinter steckt ja auch Investitionstätigkeit. In der Lepser Straße wurde Baufreiheit geschaffen. Da denke ich, werden wir zum Ende nächsten Jahres Baurecht haben. Außerdem konnten wir einen ganzen Teil der Hochwasserschäden beseitigen. 2014 war sozusagen das Jahr des Aufräumens, wobei manches noch andauert wie die Herrichtung des Sportplatzes in Walternienburg.

Wo hat sich Zerbst in diesem Jahr am meisten verändert?

Das ist schwer zu beantworten. 2014 war jetzt nicht das Jahr, in dem ein Projekt alle Themen bestimmt und besonders herausgestochen hat. Wir haben wie erwähnt viele Maßnahmen abschließen können. Gleichzeitig war 2014 ein Anbahnungsjahr, wenn ich das Baurecht betrachte. So wurden unter anderem in der Lebensmittelindustrie große Bauvorhaben angeschoben, die jetzt nach und nach zum Tragen kommen.

Ein Projekt, das umfangreich diskutiert und dieses Jahr umgesetzt wurde, war die Tribüne im Schlossgarten ...

Ich gehe jetzt immer ganz bewusst unten lang an der Reitwiese und muss sagen, ich bin unterm Strich mit der Lösung, die geschaffen wurde, zufrieden. Die Rasentribüne fügt sich wesentlich harmonischer in die Schlossparklandschaft ein. Und die Feuerwerksveranstaltungen zum Heimatfest haben gezeigt, dass das große Chaos durch eine Veränderung der Stellbereiche ausblieb. Ich hoffe, dass diejenigen, die ihrer auf der Tribüne verbrachten Jugend hinterhertrauern, irgendwann auch ihren Frieden mit der jetzigen Lösung finden können.

Was waren 2014 die besonderen Höhepunkte?

Am meisten habe ich mich gefreut, dass die verschobene Gewerbefachausstellung, die Gfa, sowohl beim Handwerk wie auch bei den Besuchern ankam. Das war ja durchaus ein Wagnis. Die Initiative kam zwar vom Handwerk, aber nur weil sich die Obermeister für eine Terminverlegung vom Herbst ins Frühjahr aussprechen, heißt das nicht zwingend, dass die Messebeteiligung eine breite Basis findet. Das hat jedoch funktioniert. Zu den Höhepunkten zählen ebenfalls die Ortsjubiläen. Jede Gemeinde hat anders gefeiert. Das bewies einmal mehr, dass sich jeder trotz Eingemeindung seinen eigenen Charme, seine eigene Struktur bewahrt hat. Das soll auch so bleiben. Politisch betrachtet war ich über die Kommunalwahl sehr froh. Vor allem über das Ergebnis. Das letzte halbe Jahr hat gezeigt, dass der neue Stadtrat an die Tugenden des vorherigen anknüpft, sich nicht in Lager zu strukturieren, sondern wirklich sachthemenorientiert zu diskutieren und zu entscheiden. Das ist wichtig, um in der Stadt weiter zu kommen.

Anstoß für die Verlegung der Gfa war die neu eingeführte Gesprächsreihe "Bürgermeister trifft ...". Wird es eine Fortsetzung geben?

Eine Fortsetzung ist geplant. Nach der Runde mit den Obermeistern möchte ich mich im nächsten Jahr mit der neuen Generation von Handwerksmeistern treffen, mit jenen, die die Geschäfte ihrer Eltern übernommen haben. Aber auch eine Runde mit der Landwirtschaft ist längst überfällig. Und die Gespräche, die wir mit der Industrie aufgenommen haben, brauchen ihre Fortsetzung. Am Beispiel der Gfa sieht man, dass es sich lohnt, mal genau zuzuhören.

Welche nicht so schönen Ereignisse werden in Erinnerung bleiben?

Zuerst eine Reihe von Todesfällen von Menschen, die einiges für die Stadt bewirkt haben, das ging teils sehr an die Nieren. Aber auch ganz andere Problemstellungen. Der Starkregen im August hat uns vor Augen geführt, dass wir noch viel an unseren Regenwasserkanälen und Abwassersystemen tun müssen. Ich denke, das haben viele sehr einschneidend erlebt durch zurückdrückendes oder überschwappendes Wasser. Und ich muss sagen, die hohe Zahl an Einsätzen unserer Feuerwehr finde ich besorgniserregend. Wenn ich nur an den Brand der Scheune in Nutha denke oder die vielen Containerbrände in Zerbst. Das werden nicht immer nur technische Defekte sein. Zum einen entsteht etlicher Sachschaden und damit auch Probleme, für die, die es direkt betrifft. Wer auch immer da zündelt, lässt offenbar völlig außer Acht, dass er regelmäßig Familien aus ihrem Feierabend reißt, wenn die Kameraden und Kameradinnen los müssen. Da hoffe ich, dass sich das 2015 entspannt.

Was hat Sie 2014 überrascht?

Dass das neue Feuerwehrfahrzeug für Garitz doch noch in diesem Jahr übergeben werden konnte, war eine schöne Überraschung. Wir hatten es 2013 in Auftrag gegeben, Anfang 2014 sollte es ursprünglich ausgeliefert werden, was sich dann immer wieder verschob. Letzter Termin war eigentlich erst 2015.

Womit kann und sollte die Stadt künftig noch stärker punkten?

Wir sind eine Stadt mit einer guten Lebensqualität, wir haben ein reiches kulturelles Erbe, die Landschaft von Fläming bis zur Elbe ist schön und die hier aktive Wirtschaft bietet eine immer bessere Grundlage hier zu leben. Zudem besitzen wir für eine Stadt dieser Größe eine tolle Infrastruktur. All diese Vorzüge müssen wir noch deutlicher hervorheben. Etwas mehr Selbstbewusstsein kann uns da nicht schaden. Deswegen sollten wir uns nicht zurückziehen und sagen, es ist alles gut. Wir haben noch einige Baustellen. Aber wir müssen uns nicht verstecken.

Welches war ihr persönlich eindrucksvollstes Erlebnis?

Der Händedruck meines Neffen an der Schwelle vom Koma zum Erwachen nach seinem schweren Verkehrsunfall. Das werde ich nicht vergessen.

Was wünschen Sie sich 2015 am meisten für die Stadt?

Dass sich Handwerk, Industrie und Landwirtschaft weiter so gut entwickeln. Das ist nicht nur das Steuerrückrat der Kommune, sondern das ist die wirtschaftliche Basis für uns alle und ein guter Grund hierzubleiben und sich eine Existenz aufzubauen.

Welches ist die größte bevorstehende Herausforderung?

Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen, von einer angeblichen Überfremdung. Die letzte veröffentlichte Statistik spricht von 0,5 Prozent im Landkreis, das ist lächerlich. Wir sind auch im Bereich der Industrie weiter auf Zuwächse angewiesen, die werden wir nicht hier generieren können. Deshalb wird niemandem ein Arbeitsplatz weggenommen. Das ist Unfug. Noch problematischer sehe ich allerdings die aktuelle Entwicklung zwischen Westeuropa und den USA auf der einen und Russland auf der anderen Seite. Ein neuer kalter Krieg nützt mit Sicherheit nicht uns, eine Destabilisierung Russlands schadet allen. Die wirtschaftlichen Sanktionen werden auf uns zurückschlagen und Arbeitsplätze vernichten - auch in Zerbst, wenn die Absatzzahlen zurückgehen, weil ein wichtiges Exportland fehlt.

2015 jähren sich die Kulturfesttage zum 50. Mal - wird sich der Bürgermeister aus diesem Anlass künstlerisch daran beteiligen?

Ich werde weder singen noch malen, das überlasse ich denen, die es können. Aber es ist nicht das einzige Jubiläum, es jährt sich auch die Zerstörung unserer Stadt am 16. April 1945 zum 70. Mal, auch deshalb der besorgte Blick.

Was geben Sie den Bürgern der Einheitsgemeinde für 2015 mit auf den Weg?

In unserer Einheitsgemeinde engagieren sich unglaublich viele Bürger über das normale Maß hinaus im kulturellen, sozialen, sportlichen Bereich, in den Rettungsorganisationen, aber auch in der Kommunalpolitik. Das macht die besondere Lebensqualität hier aus. Dafür danke ich allen ganz herzlich und hoffe, dass wir dies auch weiterhin gemeinsam so schaffen.

 

Bilder