Von Sebastian Siebert,

Lisa Garn und

Detmar Oppenkowski

Bitterfeld/Zerbst (mz) l Die neue Vorstandsvorsitzende des Jobcenters (KomBA-ABI), Diane Gardyan, wird ihre Aufgabe vorerst nicht ausüben. Sie sei unerwartet erkrankt, ist einer Pressemitteilung vom Mittwochabend zu entnehmen. Die Bereichsleiter Sven Rutsch und Carsten Kiunke werden ihre Aufgabe übernehmen. Das sei nach der Geschäftsordnung so vorgesehen und wurde gestern während eines Bereichsleitertreffens so entschieden, erläuterte Helgard Neumann, Sprecherin der KomBA-ABI. Die bisherigen beiden Vorstandsvorsitzenden Bärbel Wohmann und Ingolf Eichelberg wurden zum 2. Januar ihrer Ämter enthoben. Sie werden als Koordinatoren für soziale Aufgaben im Landkreis eingesetzt. Hinter dem Aus für die Anhalt-Bitterfelder Jobcenter-Chefs steckt wohl weit mehr, als zunächst bekannt wurde. So soll der Landkreis Anhalt-Bitterfeld zu Vorwürfen ermitteln, die sich um die Amtsführung der Ex-Vorstandsvorsitzenden Bärbel Wohmann drehen sollen. Ein anonymes Schreiben dazu ist eingegangen, bestätigte Landrat Uwe Schulze (CDU). Auch Mitglieder des Verwaltungsrates haben anonyme Briefe erhalten. Es sei allerdings völlig offen, ob die Vorwürfe stichhaltig seien. Landrat Schulze äußert sich zu konkreten Verdachtsmomenten nicht, bestätigt aber, einen Ermittler aus der Verwaltungsebene bestellt zu haben. "Wir prüfen diese Hinweise. Aber derzeit ist weder dienst- noch strafrechtlich von einem Vergehen auszugehen." Gegenüber der Volksstimme hatte Schulze erklärt, dass der Verwaltungsrat den beiden Vorstandschefs die Leitung der Einrichtung nicht mehr zutraue.

Zwischen der verbeamteten Wohmann und dem nicht-verbeamteten Eichelberg soll es viele Meinungsverschiedenheiten gegeben haben. Eichelberg soll auch wegen einer - allerdings bekannten - Aufgaben-Verquickung im Fokus gestanden haben. Er war nicht nur Vorstandsvorsitzender des kommunalen Jobcenters, sondern bis Mitte 2014 auch Geschäftsführer der Zerbster Strukturförderungsgesellschaft B A, einer hundertprozentigen Tochter des Jobcenters. Kritiker sehen diese Tätigkeiten als unvereinbar. Das Jobcenter vermittelt auch an den Zerbster Bildungsträger, der drängte immer stärker in den Markt. So sollen sich andere Träger beschwert haben. Dies bestätigt Eichelberg. "Aber dass man in die eigene Tochter vermittelt, ist klar, wenn man das Unternehmen nicht an die Wand fahren will. Das Vorgehen war immer mit dem Beirat abgestimmt." Andere Träger seien nicht benachteiligt worden.

Zurückgetreten sei er, "weil man zwei Posten auf Dauer nicht mit dieser Intensität ausführen kann."