Zerbst/Loburg l Die Busse sind technisch so ausgestattet, dass der Busfahrplan eigentlich genau eingehalten wird, erklärt der Betriebsleiter von Anhalt Bus Klaus Lange. Es leuchtet rot beim Fahrer auf, wenn die Abfahrtszeit ran ist. "Und so lange muss der Fahrer an der Haltestelle warten." Langes Unternehmen gehört zur Vetter GmbH und ist für den öffentlichen Nahverkehr im Zerbster Raum verantwortlich. Er und seine 35 Mitarbeiter mussten in den letzten Monaten viel Kritik einstecken. Der Vorsitzende des Schulelternrates am Zerbster Gymnasium Francisceum Klaus André ist mit den Dienstleistern unzufrieden.

Vorwurf I: Die Abfahrtszeiten werden nicht eingehalten

Wiederholt habe Klaus André festgestellt, dass der Bus, der die Schulkinder aus Zerbst abholt fast sieben Minuten vor der geplanten Abfahrtszeit die Haltestelle angefahren hat. "Das darf natürlich nicht passieren", sagt Wolfdietrich Vetter, Geschäftsführer der Vetter Verkehrsbetriebe.

Wie es dazu gekommen ist, bleibt unklar. Ein Vorteil für die Busfahrer entstehe dadurch in jedem Fall nicht. "Niemand hat deswegen früher Feierabend, auf die Schülerbeförderung folgt der normale Linienverkehr", sagt Betriebsleiter Lange. Und betont: "Die Fahrer müssen an jeder Haltestelle bis zur geplanten Abfahrtszeit stehen bleiben - auch wenn dort kein Fahrgast wartet." Ob die Busse dabei den Verkehr behindern oder nicht, dürfe keine Rolle spielen. Dass die Fahrer in diesen Dingen regelmäßig geschult werden, ist für Vetter selbstverständlich.

Um Klarheit in diese Vorfälle zu bringen, hat Lange die Strecke mit einem TSI-Technik ausgestatteten Bus befahren lassen. Anhand der Daten kann er die Abfahrtszeiten genau überprüfen. "Dabei war alles korrekt", sagt Lange. Eigentlich würden die Fahrzeuge bei der Vetter GmbH nach und nach mit dieser Technik ausgerüstet, um den Verbrauch im Überblick zu behalten, räumt Vetter ein. Das soll auch in den kommenden Jahren im Zerbster Fuhrpark geschehen. Möglich ist, dass der Landkreis sich an der Investition beteiligt. Hans-Olaf Quasdorf, zuständig für Verkehr in der Kreisverwaltung, dazu: "Wir werden den Antrag prüfen und abwarten müssen, was der Haushalt möglich macht."

Vorwurf II: Anrufbusangebot funktioniert nur unzureichend

Zum Rufbusangebot erklärt der Elternratsvorsitzende in einem offiziellen Schreiben an den Anhalt-Bitterfelder Landrat: "Pro Strecke von Nedlitz nach Zerbst waren mindestens eine Stunde Beförderungszeit erforderlich, also insgesamt zwei Stunden täglich." Mit dem Pkw benötige man laut André insgesamt nur zirka 40 Minuten.

Geht es nach Geschäftsführer Wolfdietrich Vetter sollte bei diesem Kritikpunkt nie vergessen werden, "dass der Rufbus kein Taxi ist". 1000 Bestellungen gehen täglich bei der Vetter GmbH ein, 14 Disponenten koordinieren die Busfahrten, versuchen die Wünsche der Fahrgäste aufeinander abzustimmen und geben danach Routen raus.

"Das Ganze muss auch wirtschaftlich bleiben", sagt Vetter. Und blickt mit Respekt auf die neue Herausforderung Mindestlohn für die Taxi- und Mietwagenfahrer, auf deren Unterstützung das Busunternehmen in Sachen Rufbus zurückgreift. Für den Geschäftsführer steht fest: Gerade in den schwach besiedelten Gebieten im ländlichen Raum mache der Anrufbus weiterhin ein hohes Angebot in punkto öffentlicher Nahverkehr möglich.

Vorwurf III: Die Busfahrer hören laut Musik und rauchen im Bus

Kaus André zufolge hat die Elternschaft am Francisceum eine Hinweisliste erarbeitet. Darunter: Die Fahrer verzichten auf lautstarke Radiomusik im Bus. Und die Vetter GmbH achtet darauf, dass in den Bussen nicht geraucht wird. Dazu erklärt Betriebsleiter Lange: "In den meisten Bussen gibt es gar kein Radio, schon allein wegen der Gema-Gebühren ist das Musik hören im Linienverkehr untersagt." Auch was das Rauchen betrifft, seien die Fahrer eindeutig belehrt. Im Bus ist das nicht gestattet. "Sollte doch mal ein Fahrer erwischt werden, gibt es eine Abmahnung", stellt der Geschäftsführer klar. Doch was fest steht: "Wir arbeiten hier mit Menschen zusammen und Menschen machen Fehler." Die Personalsituation sowie die Nachwuchssorgen geben es laut Vetter nicht her, Fahrer leichtfertig zu entlassen.

Vorwurf IV: Die Heimfahrtzeiten werden nicht angeglichen

André kritisiert, dass die Heimfahrtzeiten der Busse nicht regelmäßig an den Schulschluss angeglichen werden können. Hans-Olaf Quasdorf aus der Kreisverwaltung erklärt warum: Immer zum Schuljahreswechsel würden alle Schulen befragt, welche Wünsche in Sachen Schülertransport zu Anfangs- und Endzeiten bestehen. Dann beginnt die Absprache mit dem Unternehmen, die Zeiten werden beim ÖPNV eingereicht und alle Träger öffentlicher Belange befragt. Das dauert - bis vier Wochen vor Schuljahresbeginn der Fahrplan steht.

"Den Plan spontan zu ändern ist schwierig, weil da oft auch andere Schulen mit drin hängen", erklärt Vetter. Und ist trotzdem bereit auf den Wunsch der Eltern- und Lehrervertretung am Francisceum einzugehen: Frühere Abfahrtzeiten am Freitag, weil die Schule da früher endet. "Wir prüfen das und suchen nach einer neuen Lösung - das Ergebnis ist allerdings noch offen."

Vorwurf V: Es gibt keine Nummer für den Notfall

Dass die Service-Nummer des Busunternehmens nur zwischen 8 und 16 Uhr besetzt ist, reicht dem Schulelternratsvorsitzenden nicht aus. Geschäftsführer Vetter räumt auch ein: "Bis man den Verantwortlichen am Hörer hat, kann das schon mal über ein paar Umwege gehen." Deswegen gibt es eine Handy-Nummer, die Betriebsleiter Lange den zuständigen Lehrern am Francisceum mitteilen und die für den Fall, dass der Fahrplan mal nicht eingehalten, stetig besetzt sein wird.

Vorwurf VI: Schülerfahrkarten werden zu spät ausgegeben

Für Klaus André steht fest: Werden die Schülerfahrkarten nicht pünktlich zu Schulbeginn ausgeteilt, dürfen die Fahrer auch nicht kontrollieren. "Darüber sind die Busfahrer informiert", bestätigt Lange. Trotzdem bleibe es das Ziel, die Fahrkarten zeitnah an die Schüler zu verteilen - auch um zu vermeiden, dass Schüler, die nicht berechtigt dazu sind, umsonst die Busse nutzen.

Aufgrund eines neuen Systems zur Datenerfassung sei es in diesem Jahr bei der Übermittlung zwischen Landkreis und Vetter GmbH in Sachen Schülerdaten zu Verzögerungen gekommen. "Jetzt wird nicht mehr die Zielhaltestelle eingetragen, sondern die Heimatadresse und das musste erstmal zugeordnet werden", erläutert Vetter. Mit dem neuen System sei jedoch nun die Voraussetzung für eine schnellere Bearbeitungszeit geschaffen.

Vorwurf VII: Die Preiserhöhungen sind unverhältnismäßig

Kritikpunkt Tariferhöhung: Im Fall Loburg sollen die rund 40 Schüler, die täglich nach Zerbst in die Schule fahren rund sechs Euro pro Monat mehr zahlen. Die Sonderregelung mache laut Vetter aber weiterhin einen verhältnismäßig günstigen Preis möglich. Auf die Forderung, das Procedere zu vereinfachen, kann der Geschäftsführer aus tarifrechtlichen Gründen nicht eingehen. Im Fall der JugendCard hat diese wöchentlich mal 14,70 Euro gekostet, jetzt sind es 23,70 Euro. Das steht für André in keinem Verhältnis. Wolfdietrich Vetter hat dafür folgende Erklärung: "Die Idee dieser Karte war, eine neue Personengruppe zu gewinnen. Jugendliche über 16 sollten an Stelle mit dem Moped Bus fahren." Und das Konzept sei aufgegangen. Im Vergleich zu anderen Anbietern seien die Kosten "immer noch günstig". Und dazu habe sich das Nutzungsgebiet vergrößert. André spricht dabei jedoch von dem "Charakter eines Zwangs-Abonnements".