An der Spitze der Zerbster Musikschule "Johann Friedrich Fasch" hat es einen Wechsel gegeben. Heiner Donath tritt fortan in die Fußstapfen des langjährigen Leiters Rainer Gräßler. Ganz von der Musik wird der frisch gebackene Rentner allerdings nicht lassen.

Zerbst l "Ich organisiere und unterrichte gern. Hier kann ich beides wunderbar kombinieren", sagt Heiner Donath über seine neue, "interessante Aufgabe". Mit dem Jahreswechsel hat der 46-Jährige die Leitung der Musikschule "Johann Friedrich Fasch" übernommen. "Ich habe mich gezielt darauf vorbereitet und einen Kurs absolviert", berichtet er von seiner Bewerbung auf die Stelle. Zwar kennt er Anhalt, vor allem Dessau. "Zerbst war aber Neuland für mich", gesteht der Thüringer, der nun jede Woche zwischen der Rolandstadt und Weimar hin und her pendelt.

"In Weimar habe ich Konzertgitarre studiert", erzählt er schmunzelnd, wie ihm das Instrument im wahrsten Wortsinne in die Wiege gelegt wurde. "Mein Opa hat es meinen Eltern für mich zur Taufe geschenkt." Das Aufbaustudium in Paris sei zwar kurz, aber für seine künstlerische Entwicklung äußerst wertvoll gewesen.

Bis jetzt war Heiner Donath freiberuflich tätig. "Seit 29 Jahren unterrichte ich im Lehrauftrag an verschiedenen Musikschulen", schildert er seine Laufbahn. Sein Steckenpferd sind Nachwuchswettbewerbe. Seit 2010 ist er Vorsitzender des Gitarrevereins Weimar, der alle zwei Jahre einen internationalen Wettbewerb für Nachwuchstalente ausschreibt - 2013 waren Teilnehmer aus 19 verschiedenen Ländern vertreten. Jetzt im April findet bereits die zwölfte Auflage des hochkarätigen Ausscheides statt. Darüber hinaus ist er als Geschäftsführer eines Weimarer Kinderchores aktiv. Nicht zuletzt engagiert er sich musikpolitisch im thüringischen Landesmusikrat "Jugend komponiert".

Seit 1. Januar steht Heiner Donath nun an der Spitze der Zerbster Musikschule. Er tritt damit in die Fußstapfen von Rainer Gräßler, der seit Mai 1999 als Leiter fungierte - 1997 hatte er diese Position bereits kommissarisch übernommen, nachdem sein Vorgänger erkrankt war. Sein offizieller Start ist in dem Jahr gewesen, in dem die Musikschule in das Gebäude in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße umzog. Die dortigen Gegebenheiten bildeten optimale Voraussetzungen, um die Einrichtung weiter zu entwickeln. "Hier gab es unter anderem Ensembleräume", blickt der 65-Jährige auf die Anfänge in diesem Haus zurück. Auch inhaltlich konnten neue Schwerpunkte gesetzt werden. "Ich habe damals Professor Siegfried Fink kennengelernt", erzählt er vom Klassenmusizieren mit Percussioninstrumenten. Das Konzept wurde von Zerbst aus mittels Workshops in ganz Sachsen-Anhalt verbreitet - und dank der Veröffentlichung von fünf Bänden in zwei Verlagen auch darüber hinaus. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Hefte schreibe, die publiziert werden. Und schon gar nicht über Percussion, wo ich doch Gitarre studiert habe", gesteht Rainer Gräßler lachend.

"An der Musikschule hat sich einiges getan, worauf man stolz sein kann", blickt er zufrieden zurück. Allerdings sei dies keine Einzelleistung, sondern dem gesamten Kollektiv zu verdanken, betont der 65-Jährige. "Ohne Leute, die mitziehen, geht es nicht. Als Leiter muss man die Bedingungen schaffen und Anregungen geben und dann Mitstreiter heranholen." Nicht unerwähnt lässt er in dem Zusammenhang die wertvolle Unterstützung des Fördervereins, mit dessen Hilfe viele Instrumente angeschafft werden konnten - zuletzt eine Konzertharfe.

Aufgrund seines Alters endet für Rainer Gräßler nun das Arbeitsleben. Der Musik völlig den Rücken kehren, kann er allerdings nicht. "Ich werde weiterhin Percussionstunden und Gitarrenunterricht geben", beschreibt er seinen Unruhestand. Vielleicht gründet er auch mal wieder eine Band, wer weiß. Auf alle Fälle steht er Heiner Donath bei Bedarf jederzeit mit Rat und Tat zu Seite.

Dieser freut sich, eine "toll ausgestattete Musikschule" zu übernehmen, die momentan über sieben angestellte Kräfte und 19 Honorarlehrer verfügt. Perspektivisch würde er gern wieder ein Musikschulorchester aufbauen. "Und ich fände es wichtig, dass es ein paar Cello-Schüler gibt", erklärt er mit Blick auf die über 20 verschiedenen Instrumente, die neben dem Gesang angeboten werden. Mit dem Klassenmusizieren hat er ebenfalls Erfahrung - allerdings mit Gitarrenklassen. "Mal schauen, ob man das hier einführen kann." Auch eine qualitative Aufwertung des Konzeptes schwebt ihm vor. Seine Idee ist, statt wie bisher nur eine Stunde, zwei durchzuführen - eine im Klassenverband und eine, bei denen die Klasse in kleine Gruppen aufgeteilt wird.