2015 rechnet man in Zerbst mit einer Flut von Ausweis- und Passanträgen. Mit der Schaffung eines zusätzlichen Arbeitsplatzes im Einwohnermeldeamt hat die Stadtverwaltung auf die Herausforderung reagiert.

Zerbst l Ines Rosenhahn verstärkt fortan das Damentrio im Einwohnermeldeamt. "Wir rechnen in diesem Jahr mit einer Verdopplung der auslaufenden Personalausweise", erklärt Kerstin Gudella. Sie leitet das Zerbster Ordnungsamt, innerhalb dessen die personelle Umstrukturierung erfolgte. Ursache ist, dass 1995 die alten DDR-Ausweise und -Reisepässe ihre Gültigkeit verloren. Und alle zehn Jahre müssen diese Dokumente verlängert werden. 2005 existierte allerdings noch die damals frisch gebildete Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Ehle-Nuthe, die über ein eigenes Einwohnermeldeamt verfügte. Nach der Eingliederung ihrer Mitgliedsgemeinden nach Zerbst 2010 wuchs die Stadt zwar um gut 10 000 Bürger an. "Eine Personalaufstockung im Einwohnermeldeamt gab es jedoch nicht", weiß Kerstin Gudella.

Neben der erwarteten Antragsflut gibt es weitere Gründe für die Schaffung des vierten Arbeitsplatzes. Zum Beispiel das Freizügigkeitsgesetz, das die Zuwanderung der EU-Bürger regelt. Wer sich in Deutschland zum Arbeiten aufhält, muss seinen Wohnsitz hier anmelden. Und auch da nehmen die Zahlen in Zerbst zu. Zum 31. Dezember 2013 verzeichnete die Statistik 453 Fälle und bis zum gestrigen Tag waren es 692. Bei den Antragstellern handelt es sich vor allem um bulgarische, rumänische und polnische Zuwanderer, wobei die Verständigung nicht immer leicht ist, wie Christina Sempert bemerkt. Sie steht den Bürgern ebenfalls im Einwohnermeldeamt zu den Öffnungszeiten zur Verfügung und weiß um den Frust der Leute, die mitunter länger warten müssen, bis ihre Nummer aufgerufen wird. Derzeit ist es teils so voll, dass die Sitzplätze nicht ausreichen. Am Dienstag kümmerte sie sich zusammen mit ihren Kolleginnen um insgesamt 200 Leute - inzwischen eine durchschnittliche Zahl an den einzelnen Sprechtagen. Außer mittwochs ist zumindest vormittags täglich geöffnet, mittlerweile sogar an Brückentagen - ein Angebot, das gerade von Berufstätigen gern angenommen wird.

"Trotz der Erweiterung ist mit Wartezeiten zu rechnen", bittet Kerstin Gudella um Verständnis. Verschiedene Aspekte spielen hier herein. Beantragt erstmals ein Bürger einen Ausweis, sind nicht nur alle persönlichen Daten aufzunehmen, die Augenfarbe muss bestimmt und die Körpergröße gemessen werden. Der neue elektronische Ausweis ermöglicht zudem die Abspeicherung eines Fingerabdrucks und die Freischaltung einer Online-Funktion - Dinge, die jedem erläutert werden müssen. Dem Gespräch mit dem Bürger folgt - hinter den Kulissen - "die Überprüfung der Daten, von Unterschrift und Foto. Dann wird alles eingescannt und für den elektronischen Versand zur Bundesdruckerei fertiggestellt", schildert Christina Sempert die Schritte, die sofort nach der Antragstellung zu erledigen sind.

Die Bearbeitung von Pässen und Ausweisen bildet jedoch nur einen Teil der Aufgaben der Mitarbeiterinnen im Einwohnermeldeamt. Sie erteilen Auskünfte zum Melderegister und kümmern sich um Beglaubigungen. Bei ihnen können darüber hinaus Führungszeugnisse beantragt werden. Auch so genannte "Untersuchungsberechtigungsscheine" sind bei ihnen erhältlich. Diese benötigen künftige Lehrlinge für die ärztliche Untersuchung vor Ausbildungsbeginn. Ebenfalls recht häufig kommen Um- und Abmeldungen vor und zum Jahreswechsel werden mit dem Verschicken der Müllgrundgebühren gehäuft Nachweise zur Personenanzahl im Haushalt verlangt.

So füllt sich der Warteraum jeden Sprechtag aufs Neue. Damit übrigens fortan jeder sofort erkennt, in welche Tür er gehen soll, ist geplant, die Zahlen 1 bis 4 deutlicher zu kennzeichnen. Und auch der Gong, der den Aufruf einer neuen Nummer momentan recht lautstark begleitet, soll leiser gestellt werden.