Was erwarten Sie sich vom Treffen?

Daniel Roi: Ich erwarte mir Informationen aus erster Hand und eine kontroverse, zielgerichtete Diskussion, aus der wir am Ende gestärkt rausgehen werden. So war das bisher immer in der AfD.

Thematisch soll es auch um die Parteiführung gehen. Gestern meldeten Medien, dass Bundesvorsitzender Bernd Lucke vorerst nicht alleiniger Parteichef werden will, sondern aus der Dreier- eine Doppelspitze werden soll. Was ist ihre Ansicht?

Die Frage nach der Einer- oder Dreierspitze wird in meinem Kreisverband lebendig diskutiert. Nach meiner Einschätzung spricht sich die Mehrheit für eine "Mehrpersonen-Spitze" aus. Das müssen allerdings nicht unbedingt drei sein. Luckes Argumentation, wonach der Koordinierungsbedarf bei drei Leuten zu hoch sei, ist nachvollziehbar, dennoch sehen wir es eher so, dass unsere neue Partei nicht nur ein Gesicht haben sollte. Zudem ist Lucke Ökonom und Frauke Petry eher eine Praktikerin, die andere Politikfelder besser vertreten kann. Beides würde sich gut ergänzen. Der von mir seit Anfang der Debatte gewünschte Kompromiss einer Doppelspitze stößt bei vielen Mitgliedern auf Zustimmung. Wir treffen uns im Kreisverband dazu nochmal, aber auf dem Parteitag in Bremen hat jeder eine Stimme.

Kritiker schätzen ein, dass die große Meinungsvielfalt innerhalb der Partei auch ihr Untergang sein könnte. Die Eurokritik als einendes Thema wird von anderen verdrängt. Wie sieht es beim Kreisverband Anhalt-Bitterfeld aus?

Richtig ist, dass die Kritik an der Einheitswährung Euro und der Euro-Rettungspolitik, die augenscheinlich zu großen Verwerfungen in Europa führt, ein sehr zentrales Thema war und ist. Aktuell gibt es eine bundesweite Urabstimmung dazu. Allerdings gab es von Anfang an weitere Themen, weshalb sich so viele Menschen der AfD angeschlossen haben. Zur Bundestagswahl lagen acht Kernthemen sowie weitere Positionspapiere, etwa zur Außenpolitik, vor. Kernthemen waren: Euro, Einwanderung, Volksentscheide, Steuerrecht, Bildungssystem, Energiewende, Gender, Frauenquote. Insofern war die AfD nie eine Ein-Themen-Partei auch wenn das in den Medien oft so dargestellt wurde.

Daraus folgt, dass wir in Anhalt-Bitterfeld selbstverständlich nicht nur über den Euro diskutieren - im Gegenteil. Wir haben 22 kommunale Mandate errungen und diskutieren auch deshalb zwangsläufig über andere Themen. Derzeit diskutieren wir zum Beispiel über die Folgen der inkonsequenten Asylpolitik und haben uns über Anfragen erstaunliches Zahlenmaterial besorgt. Mit diesen belastbaren Zahlen werden wir uns nun politisch einbringen und genau das macht uns langfristig zu einem politischen Faktor. Im Kreisverband kann ich feststellen, dass wir zu den wichtigen Politikfeldern Positionen erarbeitet haben und diese auch schon in den Gremien vertreten. Wenn wir dauerhaft zweistellig sein wollen, so wie in drei der zehn Kommunen des Kreises, dann brauchen wir diese breite Palette. Ganz oben steht dabei immer die Bürgerbeteiligung. Meinungsvielfalt innerhalb einer Partei ist nichts Schlimmes, solange die Grundausrichtung stimmt. Und die stimmt bei uns in Anhalt-Bitterfeld.