Viele Städte in Sachsen-Anhalt betreiben kein Stadtmarketing - vor allem die kleinen. Auch Zerbst hat kein eigenes Stadtmarketing - aber eine Geschichte, die es zu vermarkten wert ist.

Zerbst l Sie ist schon alt, aber nicht aus der Mode. Sie hat eine berühmte Tochter und zahlreiche Gönner und Förderer. Gemeint ist die Stadt Zerbst, eine Stadt, die dank ihrer einzigartigen Geschichte Jahr für Jahr viele Touristen anlockt.

Gerade für eine Stadt wie Zerbst kann ein professionelles Stadtmarketing von Vorteil sein. Doch Zerbst hat kein Stadtmarketing. Eine aktuelle Umfrage der Industrie und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) unter 96 Städten in Sachsen-Anhalt zeigt, dass viele Städte im Land kein Stadtmarketing betreiben. Je kleiner die Stadt, umso seltener gibt es entsprechende Aktivitäten. Der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) erklärt dazu: "Keine spezielle Marketing-Abteilung oder ähnliches namentlich oder strukturell aufzuweisen, bedeutet nicht, kein Stadtmarketing zu betreiben. Zerbst betreibt durchaus Stadtmarketing und zwar auf vielseitige Art und Weise."

"Es besteht Handlungsbedarf bei der Sicherung und Stärkung der Städte. Stadtmarketing kann dafür ein hilfreiches Instrument sein."

IHK-Geschäftsführerin Antje Bauer

Dafür nennt Dittmann auch einige Beispiele: "Die im vergangenen Jahr komplett neugestaltete, demnächst auch mehrsprachige Homepage www.stadt-zerbst.de sowie ein eigener städtischer Facebook-Account sind nur zwei Beispiele."

Weiter nennt er die Tätigkeit in der Tourist-Information mit eigenen Tourismusprodukten von Broschüren bis zum mehrsprachigen Imagefilm. "Auch die aktive Mitarbeit in den Gremien und Projekten des Verbandes Tourismusregion Anhalt-Dessau-Wittenberg ist wichtig für uns. Wir beteiligen uns auch an überregionalen Messen, wie derzeit auf der Grünen Woche. Zudem ist die Ausrichtung der Gewerbefachausstellung Zerbst als in der Region größte Messe ihrer Art zu sehen. Auch das ist Werbung für den Wirtschaftsstandort Zerbst", zählt Andreas Dittmann weiter auf.

Der Befragung der IHK zu Folge betreiben nur knapp 30 Prozent der größeren Städte Sachsen-Anhalts ein Stadtmarketing. Oftmals ist dieses in der kommunalen Verwaltung oder in einer eigenständigen Organisationseinheit angesiedelt. Zirka 70 Prozent der marketingaktiven Städte steht hierfür ein Jahresbudget zur Verfügung, die Höhe schwankt und reicht von 1 500 Euro bis zwei Millionen Euro.

"Wichtig ist doch nicht in erster Linie das Schild Stadtmarketing an einer Tür, sondern vielmehr das gelebte Marketing."

Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD)

"Demografischer Wandel, zu wenige oder kaum verweilende Touristen, Investitionsstaus und Qualitätsverluste an den Handelsplätzen in den Innenstädten, mangelnde Alleinstellungsmerkmale im zunehmenden Standortwettbewerb und das alles bei nur knapp gefüllten Kassen - dies macht deutlich: Es besteht Handlungsbedarf bei der Sicherung und Stärkung der Städte. Stadtmarketing kann dafür ein mögliches Instrument sein", so IHK-Geschäftsführerin Antje Bauer zum Hintergrund der Umfrage.

Bürgermeister Dittmann relativiert und sagt: "Wichtig ist doch nicht in erster Linie das Schild Stadtmarketing an einer Tür, sondern vielmehr das gelebte Marketing."

Diesen Aspekt bewertet auch die IHK-Geschäftsführerin als positiv: "So ernüchternd diese Ergebnisse sind, es gibt auch einen Hoffnungsschimmer: In fast allen Städten existieren andere beziehungsweise weitere Initiativen oder Einrichtungen zur Vermarktung - unabhängig davon, ob es ein Stadtmarketing gibt oder nicht. Und knapp 40 Prozent der Städte mit entsprechendem Marketing verfügt über zusätzliche Einnahmen, um dieses auch finanzieren zu können."

So wird Zerbst sich auch in Zukunft positiv vermarkten - ganz ohne ein Stadtmarketing im engen Sinne.

   

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