Aus einer verrückten Idee wurden 40 Jahre Karneval in Steckby. Das erste Prinzenpaar ist heute noch mit dabei.

Steckby l "Es war eine Spleen-Idee", erinnert sich Margarete Schüler, wie damals Renate Finger und sie den Karneval in Steckby ins Leben riefen. Karneval an sich durfte es ja nicht geben, aber ein Programm unter dem Dach des DFD, dem Demokratischen Frauenbund in der DDR. Da wurde immer mal wieder etwas mit Kindern einstudiert. Nun wollte man sich an etwas "Verrücktes" wagen, um die Saure-Gurken-Zeit des Winters zu überbrücken. In Lindau holten sich die Frauen ein bisschen Anregung, und dann wurden die jungen Mädchen zusammengenommen...

Margarete Schüler kann viel erzählen, wenn sie an die Anfänge denkt. Die erste Veranstaltung? "Ganz Steckby war da", denkt sie zurück. Da sei was los gewesen. Am nächsten Tag war keiner auf der Straße. Aus der ersten Veranstaltung wurden mehr ... Inzwischen sind 40 Jahre vergangen. Mar-garete Schüler war bis zur 10. Session die Präsidentin in Steckby.

Die Zeiten waren nicht leicht. Es gab keine Kostüme, da mussten Stoffe zusammengesucht und selber genäht werden. Auch Noten fehlten, mit Tonband wurde gearbeitet, aber es gab eine Live-Kapelle. "Wir haben damals alles gemacht", so die Steckbyerin - die Tänze einstudiert, die Bütt, den Gesang. Heute üben die Gruppen individuell.

"Aber es war eine herrliche Zeit", schwärmt Margarete Schüler heute noch. "Waidmanns Heil" hieß das erste Programm, weiß sie noch ganz genau, das zweite "Hafenbar", das dritte "Bauernmarkt". Bis zu neun Veranstaltungen habe es in einer Session gegeben. Dreimal seien die Steckbyer als "Hervorragendes Volkskunstkollektiv" ausgezeichnet worden.

Nach den zehn Jahren als Präsidentin machte Margarete Schüler weiter mit dem Chor, heute ist die Rentnerin, die sich auch im Singekreis Steckby engagiert, noch Ehrenpräsidentin. Beim Rentnerkarneval lässt sie sich immer noch zu einer Bütt hinreißen und auch beim Umzug ist sie dabei.

Auch das Prinzenpaar der ersten Session, Sigrid und Manfred Laue, ist heute noch aktiv. Wie kam es vor 40 Jahren dazu? "Wir hatten am 3. Oktober 1975 geheiratet", erzählte Sigrid Laue, und dann seien sie gleich gefragt worden. Sie trug ihr Brautkleid, er den Anzug - Umhang, Krone und Kappe vervollständigten das Outfit des Prinzenpaares.

Nach der Regentschaft ging Sigrid Laue in den Narrenrat, Manfred Laue sattelte auf Männerballet um. 20 Jahre machte er da mit, bis sein großer Sohn ihn quasi ablöste. Bis heute sind die Buchhalterin und der Fleischer bei jeder Veranstaltung dabei, schauen sich das Treiben von ihren Ratsplätzen auf der Bühne an. Außerdem hat Sigrid Laue den Kartenverkauf unter ihrer Fittiche.

"Wir staunen selber, dass wir solange durchgehalten haben", erklären die beiden, "eigentlich könnte man auch zu Hause vor dem Fernseher sitzen..." Aber man treffe Leute und "wir machen es gern", sind sich die Laues einig. Viele andere haben sie in den Jahren kommen und gehen sehen.

In diesem Jahr zum Jubiläum wurde den beiden eine besondere Ehre zuteil. Der 62-Jährige und seine 58-jährige Gattin werden noch einmal als "Altersprinzenpaar" bei den Veranstaltungen auf den Thron geholt.

"Ich freue mich und bin stolz, dass es den Karneval in Steckby immer noch gibt", brachte es Margarete Schüler auf den Punkt. Und es habe nie eine Pause gegeben...

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