Marianne Sawall hat das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekommen. Die Brandenburgerin, die sich im Potsdamer Behindertenverband und im Landesbehindertenverband engagiert, ist gebürtige Zerbsterin.

Potsdam / Zerbst ( ar / maz / ch ). " Ich fühle mich besser, wenn ich Menschen helfen kann, denen es noch schlechter geht. Dann kommt man über die eigene Krankheit besser hinweg, als wenn man nur da sitzt und über die eigenen Wehwehchen nachdenkt. " So beschreibt Marianne Sawall gestern gegenüber der Zerbster Volksstimme die Motivation für ihr Engagement.

In Zerbst geboren, hat die heute 62-Jährige bis zu ihrem 20. Lebensjahr hier gelebt. Mit der Heirat zog sie 1968 ins Brandenburgische. Kontakte nach Zerbst gibt es aber nach wie vor. " Meine Geschwister wohnen dort ", erzählt sie, ist so immer mal wieder auch in der Stadt.

Seit Jahren betreut und berät Marianne Sawall Menschen mit Handicap. Die gelernte Buchhalterin engagiert sich als Schatzmeisterin des Potsdamer Behindertenverbandes und ist Vorstandsmitglied im Landesgremium Brandenburg. Als Anerkennung für diesen selbstlosen ehrenamtlichen Einsatz überreichte ihr Bildungsstaatssekretär Burkhard Jungkamp am Montag im Haus der Begegnung in Potsdam das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, das ihr auf Vorschlag von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck verliehen wurde.

Das eigene Schicksal hat Marianne Sawall für die Probleme anderer sensibilisiert. Seit Kindertagen selbst schwer körperbehindert, lautet ihre Erfahrung : Nicht durch fürsorgliche Belagerung, durch Ermutigung lassen sich Hürden nehmen. " Die Auszeichnung ist eine verdiente Anerkennung für eine mutige Frau – ihre selbstlose Hilfe, menschliche Integrität und zupackende Art hat den Alltag vieler Betroffener spürbar zum Besseren verändert ", lobt Staatssekretär Jungkamp, wohl wissend, dass allseitige Barrierefreiheit nach wie vor " eine Vision " ist. Marianne Sawall, die noch Auto fährt, besorgt Einkäufe, assistiert beim Anträgeschreiben und bei Behördengängen. Und sie fördert den " lebensnahen Dialog " mit Politikern und Verwaltung, so Jungkamp. " Der schönste Dank für mich ist ein Lächeln derer, denen durch mein Zutun die Teilhabe am Leben leichter fällt ", sagt sie, die mit ihrem Ehemann, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, in Geltow in der Gemeinde Schwielowsee lebt. Dort wird sie sich im April auch in das Goldene Buch der Gemeinde eintragen dürfen.

" Weil ich selbst behindert bin, weiß ich, wie es diesen Menschen geht ", sagt die gebürtige Zerbsterin, was ihr Engagement ebenfalls begründet. Sie selbst steht dabei nicht so gern im Mittelpunkt, sondern handelt lieber. So war sie vor dem " großen Tag " doch sehr aufgeregt, hat " schlecht geschlafen ". Nach all den offiziellen Ehrungen und mit einer weiteren Nacht dazwischen " geht es wieder besser, bin ich erleichtert ".