Bislang ist der Winter recht mild verlaufen. Vor allem die Landwirte der Region spüren die Auswirkungen. Raps und Gerste stehen schon recht üppig auf den Feldern. Zu starker Frost wäre jetzt ungünstig.

Zerbst l "Die Ackerfrüchte sind relativ weit entwickelt", konstatiert Dr. Ralf-Peter Weber. "Fast schon zu weit", bemerkt der neue Geschäftsführer des Bauernverbandes Anhalt. "Der Raps und die Gerste stehen schon recht üppig", bestätigt Rainer Bergt, Geschäftsführer der Agrargesellschaft Leps. Ursache für das vorzeitige Pflanzenwachstum sind der zunächst frühlingshafte Herbst und der nun folgende recht milde Winter.

Dies hat durchaus negative Auswirkungen. Rainer Bergt spricht vom "erhöhten Krankheitsdruck" durch die drohende Ausbreitung von Pilzen in den Beständen. "Das könnte im Frühjahr zu Problemen führen", sagt Ralf Weber. Zugleich bietet die wärmere Witterung optimale Überlebebensbedingungen für tierische Schädlinge, die dadurch ausreichend Nahrung finden. So könnte eine Mäuseplage folgen.

Extremer, anhaltender Frost wäre zum jetzigen Zeitpunkt allerdings ebenfalls ungünstig - das heißt, Temperaturen von minus zehn Grad und darunter. "Wenn es richtig frostig wird, könnten die Pflanzen erfrieren", sagt Mario Gaube. Zu viel Schnee wäre aber auch nicht vorteilhaft. "Dann verfaulen oder verschimmeln die Pflanzen", erläutert der Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Bornum. "Die momentane Witterung ist nicht wirklich richtig günstig." Für die Ackerfrüchte sei ein starker Wintereinbruch jetzt fast zu spät, ergänzt er.

Hinsichtlich von sinkenden Temperaturen erklärt Rainer Bergt: "Wir hoffen auf etwas Schnee, so dass die Pflanzen geschützt sind." Denn vereinzelte Sorten wie beispielsweise einige Weizensorten würden mit Frost nicht klarkommen, führt er aus.

Wieweit die Temperaturen in den nächsten Wochen hinabklettern, bleibt abzuwarten. "Vor zwei Jahren hatten wir im April noch dicken Frost", erinnert Ralf Weber.

Mario Brych vom Deutschen Wetterdienst gibt ebensowenig Entwarnung. Immerhin würde mit dem Februar ein Wintermonat nahen, in dem mit Minusgraden und Schnee zu rechnen sei. "Das kann ganz schnell gehen", sagt er, ohne jedoch eine genaue Prognose zu wagen.

Konkreter geht Mario Brych da schon auf die kommenden Tage ein. So soll es ab Sonntag im Flachland deutlich winterlicher werden. Vor allem den Nachwuchs wird es freuen, den Schlitten wieder hervorzuholen. Die Landwirte hingegen betrachten diese Entwicklung skeptischer. "Zwei bis drei Wochen etwas kälter und etwas Schnee" - damit könnte Rainer Bergt mit Blick auf die bereits bestellten Äcker durchaus leben.

Übrigens ruhen die Arbeiten auf den Feldern momentan trotz der milden Witterung in der Region weitgehend. "Wenn man kann, dann pflügt man", berichtet Ralf Weber. Allerdings sind die Böden meist zu feucht, um sie mit schwerem Gerät zu befahren. Das liegt an den hohen Grundwasserständen, die verschiedene Ursachen haben. Neben den fallenden Niederschlägen zählt der Geschäftsführer des Bauernverbandes die fehlende Abpumpung durch Industrie und Landwirtschaft sowie die mitunter mangelhafte Grabenräumung auf.