Beim Bombenangriff auf Zerbst 1945 wurde der Gasthof "Zum weißen Bär" zerstört. Dennoch erinnerten sich einige Leser an die Wirtschaft mit dem wunderbaren Sandstein-Eingangsportal, die einst auf der Heide zu finden war.

Zerbst l "Als Abc-Schütze führte mich mein täglicher Weg zur Schule an dem Gasthof vorbei", berichtet Klaus-Dieter Heringshausen. "Emil Dauch habe ich noch persönlich kennengelernt" und beschreibt ihn als "ruhigen, anständigen Vertreter". Zugleich erzählt er, dass es sich bei der Wirtschaft auf der Heide 14 um einen "Ausspann" handelte. "Während das Pferd gefüttert wurde, hat mein Vater drinnen ein Bier bestellt und wir durften rote Brause trinken", erinnert sich Anneliese Häusler. Zerbster Bitterbier wurde den Gästen ausgeschenkt.

Wenn Walter Specht mit seinen Eltern von Deetz nach Zerbst zum Einkaufen gefahren ist, stellten sie beim "Weißen Bären" die Räder ab. "Auf dem Hof gab es eine große Voliere mit Fasanen und Wellensittichen", erinnert er sich gut und ergänzt: "Zerbst hatte wunderbare Kneipen."

Der "Weiße Bär" zeichnete sich vor allem durch das Eingangsportal aus. "Das war wunderschön", sagt Monika Hoffmann, die - eine geborene Niemann - mit ihren Eltern nur drei Häuser weiter wohnte und den Gasthof öfter besuchte. "Ich habe als Kind dort gespielt", bemerkt sie mit Blick auf die Personen, die auf der historischen Schwarz-Weiß-Aufnahme vor dem Gebäude stehen. Noch nicht einmal fünf Jahre sei sie da gewesen, erzählt Monika Hoffmann, wie sie von Familie Dauch mit Kleinigkeiten zum Naschen verwöhnt wurde.

"Meine Tante hat dort als Dienstmädchen gearbeitet", berichtet Jürgen Kenzler. "Die Wirtschaft war die bevorzugte Gaststätte des Turnvereins Gut Heil Zerbst", weiß Jürgen Ludwig aus bester Quelle - seine Eltern waren im Vereinsvorstand. "Die Buchstaben DT auf dem Schild neben der Tür stehen für Deutsche Turnerschaft."

Beidseitig des Portals waren zudem steinerne Sitze an der Fassade angebracht. "Das findet man noch an vielen alten Häusern", entsinnt sich Dr. Jürgen Hartmann noch genau daran. "Unter uns Jungen gab es immer ein Wettrennen um die Sitzplätze", sagt Erwin Erbe. "Als Kinder haben wir dort drauf gesessen", blickt Klaus-Dieter Heringshausen zurück. Auch erinnert er sich noch an senkrecht angebrachte Pfeile und die Buchstaben LS für Luftschutz, die während des Zweiten Weltkrieges an einzelnen Häusern angebracht waren. Bei Fliegeralarm waren die Bewohner verpflichtet, gerade Vorbeikommende aufzunehmen. Beim Bombenangriff auf Zerbst am 16. April 1945 wurde der Gasthof von Emil Dauch völlig zerstört. "Nur die untere Fassade war als Ruine erhalten", entsinnt sich Klaus-Dieter Heringshausen.

Detlef Teßmann, Charlotte Sauer, Helmut Morbach, Siegfried Schellin und Annemarie Gründer haben ebenfalls gewusst, dass der "Weiße Bär" einst auf der Heide zum Verweilen einlud. Nicht zu vergessen ist Gertrud Lange, die ihren Opa oft auf den benachbarten Fischmarkt begleitete und als Kind auf die zu verkaufenden Ferkel aufpasste.

Den unter allen Anrufern verlosten Kaffeepot kann sich Monika Hoffmann in der Lokalredaktion abholen.

 

Bilder