Acht Frauen absolvieren derzeit einen Stadtführer-Kurs an der Kreisvolkshochschule in Zerbst. Nach theoretischen Einweisungen in Rhetorik und Zerbster Geschichte stehen nun auch Ausflüge ins Umland im Seminarplan. Am Sonnabend erkundeten sie die Walternienburger Burganlage und das Nuthaer Kornmuseum.

Nutha / Walternienburg. Die zukünftigen Stadtführerinnen sollten auch über die Besonderheiten im Umland bescheid wissen, findet die Leiterin der Zerbster Tourist-Information Viola Tiepelmann. Aus diesem Grund brechen die acht Kursteilnehmerinnen am Sonnabendvormittag zu einem gemeinsamen Ausflug auf. Neben Viola Tiepelmann begleitet sie Martina Marczok-Stück vom Zerbster Standort der Kreisvolkshochschule.

Erste Station ist die Walternienburger Wasserburg, wo die Frauengruppe von Ortsbürgermeister Heinz Reifarth in Empfang genommen wird. Sie erklimmen den Bergfried und erfahren Interessantes über die Geschichte des Elbdorfs und der Burganlage, die bald um eine Attraktion reicher ist : die Markt- und Festscheune mit angegliederten Informationszentrum für den Naturpark Fläming und den Elberadweg, der ebenfalls Thema ist und jährlich zahlreiche Radtouristen in das historische Gemäuer lockt.

Beeindruckt verlässt die gut gelaunte Truppe Walternienburg und fährt weiter nach Nutha. Dort werden sie bereits von einem elfköpfigen Team erwartet. " Wir wollen uns richtig vermarkten, damit sie uns empfehlen können ", erklärt Erntekronenbinderin Roswitha Schrödter lächelnd und ergänzt, dass Nutha nicht nur Kornmuseum sei. Das merken auch die angehenden Stadtführerinnen rasch, die von Frank Wesenberg fröhlich ins Backhaus gelotst werden. Kurz darauf erhalten sie im Gerätehaus Einblicke in die Ortsfeuerwehr Nutha / Niederlepte, die ihnen Ortswehrleiter Thomas Mücke vorstellt. Ein Abstecher ins benachbarte Gotteshaus schließt sich an. Die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats Erika Ringel weiht ihre interessierten Zuhörerinnen in die Historie des Sakralbaus ein, bevor es nach einem Stopp im Gemeindehaus in das Kornmuseum geht.

Während Roswitha Schrödter die ausgeklügelte Einrichtung zum Trocknen des Getreides präsentiert, erläutert Hildegard Schunke, Vorsitzende des örtlichen Heimat- und Schützenvereins, einige ausgewählte Ausstellungsstücke : Eine normale Führung dauert durchschnittlich eine Stunde. Später stellt sie noch die vielfältigen Angebote der Aktivwerkstatt vor, in der alte Traditionen wie das Korbflechten und Federreißen am Leben gehalten werden.

Zuvor jedoch überraschen die Nuthaer ihre Gäste mit einem Mittagsimbiss. Bereits zwei Tage vorher hat Frank Wesenberg den Backofen angeheizt, um darin am Sonnabend Hühnerkeulen und Spanferkel nebst frischen Brötchen zuzubereiten. Genüsslich lässt sich die Seminargruppe das deftige Mahl an der österlich geschmückten Tafel schmecken.

" Wir sind gerührt und dankbar ", spricht Viola Tiepelmann für alle Frauen, die das mit ihrem Applaus bestätigen. Sie nutzt die Gelegenheit, um sich bei denen zu bedanken, die sich für die liebevolle Präsentation der Objekte engagiert haben. " Es ist schön, dass sie dafür ihre Freizeit opfern ", betont sie gegenüber der Volksstimme und bezieht dabei ausdrücklich die Walternienburger mit ein. Die Projektleiter und Ortsbürgermeister seien sehr kooperativ, weiß die Leiterin der Zerbster Tourist-Information die tolle Zusammenarbeit zu schätzen.

Im April setzen die Kursteilnehmerinnen ihre Erkundungstour fort. Dann stehen die Lindauer Burg, der Buhlendorfer Speicher und der Naturpark-Info-Punkt in Garitz auf dem Programm. In Nedlitz und Reuden wollen sie in den Fläming eintauchen. Zu den weiteren Ausflugszielen gehören ebenfalls Anhalts erste Radfahrerkirche in Steckby und die Steutzer Schauschmiede, deren Obergeschosses gerade ausgebaut wird. Überhaupt tat und tut sich viel in den Umlandorten, die seit Januar zu Zerbst gehören. Nicht zuletzt deshalb will Viola Tiepelmann ihre drei langjährigen ehrenamtlichen Stadtführerinnen zu den nächsten sicher ebenso eindrucksvollen wie wissenswerten Touren mit einladen.