Die Zukunft der vom Abriss bedrohten Barbyer Elbbrücke ist nach wie vor ungewiss. Die gleichnamige Arbeitsgruppe plant in diesem Jahr unterschiedliche Aktionen.

Barby/Gödnitz l "Es muss unser Ziel sein, dass die Deutsche Bahn ihrer Verantwortung gerecht wird", fasste AG-Mitlied Uschi Käsebier am Ende des jüngsten Arbeitsgruppentreffens zusammen. Denn die 1879 gebaute und 756 Meter lange Brücke ist ein klassisches Verkehrsdenkmal. Zudem habe die Bahn auch eine gesellschaftspolitische Verantwortung, meint die stellvertretende Bauamtsleiterin der Einheitsgemeinde Barby.

Im Februar 2014 flatterte der Verwaltung ein sogenannter Vorverkaufsverzicht auf den Tisch. In diesem Zuge wurde bekannt, dass eine Dresdener Firma Teile der alten Kanonenbahn-Strecke zwischen Güterglück und Güsten von der Deutschen Bahn AG erworben hatte, in deren Verlauf auch die Barbyer Elbbrücke liegt. Nachdem die Gleise zwischen Calbe (West) und Güterglück bereits verschrottet wurden, klingelten in Barby alle Alarmglocken.

Kulturdenkmal von Rang

Die Eisenbahnbrücke bei Barby ist von besonderer geschichtlicher Bedeutung als Zeugnis der Militärgeschichte im Deutschen Kaiserreich. So steht es im Denkmalverzeichnis des Landesamtes für Denkmalpflege. Und weiter: Sie ist von besonderer Bedeutung für die Technik- und Wirtschaftsgeschichte als Zeugnis der Leistungsfähigkeit des Wasser-, Eisenbahn- und Ingenieurbaus im 19. und 20. Jahrhundert. Zudem sei das Bauwerk von besonderer städtebaulicher Bedeutungals weithin sichtbare Landmarke, die den gesamten Landschaftsraum eindrucksvoll beherrscht.

Der Seltenheits- und Symbolwert machen die Brücke laut Landesamt zu einem Denkmal von überörtlicher Bedeutung. Neben Barby hätte damit auch die Einheitsgemeinde Zerbst/Anhalt und das Land ein Vorkaufsrecht. Doch niemand möchte davon Gebrauch machen. Fest steht, so eine Brücke zu erhalten, kostet Geld. Die Erhaltungskosten seien laut Klaus Bittrich von der Arbeitsgruppe zum Erhalt der Brücke enorm.

Das Sächsische Institut für Regionalökonomie und Energiewirtschaft (Sire AG) will die alte Bahnbrücke bei Barby kaufen. Ein Unternehmen aus Hochschul-Mitarbeitern. Das Steckenpferd der Sire AG: Alte Bahntrassen in Radwege umbauen, den regionalen Tourismus fördern. Das Anliegen der Barbyer: Das hunderte Jahre alte Denkmal schützen, den Weg über die Elbe für Radler und Fußgänger absichern - den Tourismus in der Region halten.

Brückenfest am 4. Juli

Wie sehr sich die Barbyer und ostelbische Anrainer mit dem kunstvollen Industriebauwerk identifizieren, bewies eine Unterschriftensammlung im vergangenen Jahr. Dabei kamen 3500 handschriftliche und über 1200 Online-Unterschriften zusammen, die dem Petitionsausschuss des Landtages übergeben wurden.

"Was die Zukunft der Brücke betrifft, stochern wir noch mit der Lanze im Nebel", beklagte AG-Vorsitzender Klaus Bittrich am Donnerstag. Jetzt soll Barbys Bürgermeister Jens Strube beauftragt werden, "endlich ein Gespräch mit der sächsischen Firma, wie auch mit den Verantwortlichen der Bahn" zu organisieren. "Ich gebe zu, wir haben das bisher auch noch nicht fertig bekommen", gestand Bittrich. Grund sei aber auch die "beschränkte Gesprächsbereitschaft" des neuen Besitzers gewesen.

Um das Thema in eine breite Öffentlichkeit zu tragen, wird es in diesem Jahr erneut ein Brückenfest geben, das am 4. Juli auf den Barbyer Elbwiesen über die Bühne gehen soll. Vorher ist die Neuauflage des Brückenaufklebers (bisher blau, nun in rot) zu haben. In Vorbereitung sei eine Facebook-Aktion der Seite "Elbbrücke Barby", wo die Nutzer ihr persönliches Brückenfoto hochladen und Erinnerungen aufschreiben können. Ziel sei eine Bilder-Ausstellung, die originellsten sollen prämiert werden. Für das Fest am 4. Juli will die Arbeitsgruppe Vereine zur Mitwirkung ermuntern. Auch ein kreativer Kindermalwettbewerb sei geplant.

 

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