Studenten der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität aus Weißrussland, der Ukraine und den USA waren auf Stippvisite in Zerbst. Die Exkursion fand statt, um die Historie Sachsen-Anhalts besser kennenzulernen.

Zerbst l Die historisch interessierte Zerbsterin Annegret Mainzer ist die Deutschdozentin der ausländischen Studenten und schlug als Exkursionsziel Zerbst vor. Trotz des zurzeit andauernden Konfliktes zwischen Russland und der Ukraine und trotz der Tatsache, dass die Mehrheit der ukrainischen Studierenden aus Donezk kommt, fiel das Votum mehrheitlich zugunsten der Thematik rund um Katharina II. aus. Denn das Interesse für die russische Zarin ist groß.

Die Studenten wurden im Rathaus von Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) begrüßt und zu einer Gesprächsrunde eingeladen. "Offen wurde über die derzeitige Situation in der Stadt Donezk gesprochen. Es wurde deutlich, dass viele Familien Donezk bereits verlassen haben und zahlreiche dies auch noch versuchen", berichtete Annegret Mainzer vom Aufeinandertreffen. "Außerdem brachten die jungen Ukrainer, die größtenteils russisch- und ukrainischsprachig aufgewachsen sind, zum Ausdruck, dass diese nach ihrem Dafürhalten künstlich entstandene Kriegssituation nicht in ihrem Interesse sei, denn sie wollten einfach nur ihre Ausbildung abschließen. Wie viele andere ihrer Landsleute und auf ukrainischem Territorium lebenden Russen wollen sie außerdem in Ruhe und Sicherheit leben, da es zwischen Ukrainern und Russen auch familiäre Bindungen gibt", so Annegret Mainzer weiter.

Der Zerbster Bürgermeister erklärte den Studenten, dass man in Zerbst versuche, die Informationen über den Konflikt nicht nur in eine vereinfachte Schwarz-Weiß-Schublade zu stecken, sondern in Hinblick auf die russische Städtepartnerschaft mit Puschkin genauer hinzusehen. Auch hiesige Unternehmer, die jahrelang gute Kontakte zu russischen und ukrainischen Firmen pflegen, seien zunehmend von den Auswirkungen des Konfliktes betroffen. "Nach dem Gespräch sagte mir eine Studentin, dass sie selten so tiefgründiges Interesse an der Situation ihrer Heimatstadt erleben würde", meinte Annegret Mainzer sichtlich beeindruckt.

Nach der Gesprächsrunde stand eine Führung durch die Sammlung Katharina II. an. Dann ging es weiter in den Schlossgarten, wo die Studenten Halt vor dem Schloss und dem Katharina-Denkmal machten. Daran schloss sich die Besichtigung der St. Bartholomäikirche an. Die Entdeckungstour endete auf dem Marktplatz vor dem Roland.