Viele Leser erkannten in dieser Woche wieder die historische Aufnahme von Zerbst. Auf dem alten Foto sind bis heute stehende Gebäude in der jetzigen Norbert-Heßbrüggen-Straße zu sehen - der Zufahrt zur Werkzeugmaschinenfabrik (Wema).

Zerbst l "Auf dem Bild ist das Haus der jetzigen Norbert-Heßbrüggen Straße 7 zu sehen", erklärt Werner Rey. "Obwohl das Haus nie bewegt wurde, stand es schon in der Wilhelmstraße 7, in der Bahnhofstraße 45d und in der Maxim-Gorki-Straße 7", erläutert der Zerbster, der es ganz genau wissen muss. Denn Werner Rey stellte die historische Aufnahme für das wöchentliche Heimaträtsel der Volksstimme zur Verfügung. Er schätzt, dass das Foto zwischen 1950 und 1960 aufgenommen wurde - auf alle Fälle vor dem Neubau der Wema. Dass er das Motiv besitzt, kommt ebenfalls nicht von ungefähr. "Meine Eltern haben in dem Haus gewohnt und wir Kinder sind darin in sehr einfachen Verhältnissen aufgewachsen", nennt er die Außentoilette und das unbeheizte Kinderzimmer als Beispiele.

"Wir sind dort viel ein- und ausgegangen", berichtet Charlotte Sauer, dass sie mit Irmgard Rey befreundet war. "Meine Schulfreundin Annemarie wohnte da", meldet sich derweil Gisela Thiem zu Wort. Auch Birgit Herrmann erzählt von persönlichen Beziehungen. "Wir sind über ein paar Ecken mit den Reys verwandt. Der Vater von Werner Rey ist Maler gewesen", schildert die Nuthaerin.

"Das Haus gehörte unserer Oma", sagt Gerda Behrend. Ihre Großmutter hieß Pätzold, war Schneiderin, recht bekannt in Zerbst und die Eigentümerin des Gebäudes. "Herr Rey wohnte unten rechts und sie links oben", erklärt die Zerbsterin. Sie erzählt, dass das Objekt später in Volkseigentum überging. Ihrer Erinnerung nach ließ der damalige Kreisbaubetrieb das Haus modernisieren, im Inneren entstanden betriebseigene Wohnungen. "Die Haustür kenn` ich genau", fügt Gerda Behrend noch gedankenverloren hinzu. Drei Jahre lang hätte sie dort ihre Tochter morgens um halb Sieben abgegeben und abends wieder abgeholt.

Zum Nachbargebäude wiederum hat Barbara Markus eine besondere Verbindung. "Mein verstorbener Mann und ich haben das Haus 1994 gekauft, seit 1996 gehört es meinen Sohn und seiner Familie", erklärt sie mit Blick auf die Norbert-Heßbrüggen-Straße 5. "Mir hat die Fassade gleich gefallen", erzählt die Zerbsterin, wie sie sich sofort in das Gebäude mit den halbrunden Fenstern verliebte.

"Ich bin in der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße groß geworden und habe bis Ende des letzten Jahres in der Wema gearbeitet", erklärt Peter Möbes. Selbstverständlich erkannte er da ohne Probleme die gesuchte Gegend. Dort, wo sich jetzt der Parkplatz der Werkzeugmaschinenfabrik befindet, sei mal ein Baustofflager gewesen, entsinnt er sich.

Wolfgang Dompke ist ein Leben lang in der Wema beschäftigt gewesen - von der Lehre bis zur Rente. "Früher führte der Eingang noch von der Karl-Marx-Straße aus durch die Gießerei", entsinnt er sich. Und an noch etwas beziehungsweise besser gesagt noch jemanden erinnert er sich und zwar an einen Herrn Rose, der wohl in dem abgebildeten Haus gewohnt haben muss. "Er ist immer mit einer kurzen Lederhose Rad gefahren. So einer Seppl-Hose. Das hat mir imponiert", erzählt er schmunzelnd.

Als Lehrling sei er öfter in der Wema tätig gewesen, berichtet Harald Neupert, der von Beruf Klempnerinstallateur ist. Als er das alte Foto sah, fiel ihm die "Plastebude" ein, die "um die Ecke stand". Seine Tante arbeitete in der Kunststofffabrik,in der unter anderem Zahnbürsten und Stielkämme produziert wurden. An diese kann sich auch Hartmut Enke gut erinnern - genauso wie beispielsweise an den dortigen Friseur oder den Pilzberater.

Unterdessen macht Helmut Lehmannn auf die Gleise aufmerksam, die auf der Schwarz-Weiß-Aufnahme am unteren rechten Bildrand zu sehen sind. "Der Schienenstrang führte vor 1945 zur Firma Franz Braun und später zur Ausbildungsstätte der Wema in die Dessauer Straße." Zugleich berichtet er von einer Drehscheibe, über welche die Güterwaggons zur Ziegelstraße weiterfuhren. Gezogen wurden diese von einer Diesellok. "Die nannten wir ,Dackel`", lacht Peter Möbes.

"In direkter Hausnähe der abgebildeten Gebäude querte eine Eisenbahn-Nebenlinie die Bahnhofstraße", bezieht sich Jürgen Ludwig ebenfalls auf die inzwischen nicht mehr vorhandenen Gleise. Wie er schildert, führte der Schienenstrang einst vorbei am ehemaligen "Sitzenstockplatz" und "war Zubringer zur ZAGO", einer Verladestation für die Zerbster Gemüseanbauer. "Heute befindet sich dort die BHG-Raiffeisen", erläutert er. In der Dessauer Straße - wie schon erwähnt - endete die Gleisanlage schließlich.

Unter allen Anrufern wurde ein Regenschirm nebst Regencape verlost. Über den Preis darf sich Barbara Markus freuen. Der Gewinn kann täglich ab 10 Uhr in der Lokalredaktion auf der Alten Brücke 45 abgeholt werden.

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