Zerbst l Lea Handwerker liebt Hunde. Gern hätte sie selbst einen solch treuen Vierbeiner. Doch das geht im Moment leider nicht. "Wir haben bloß eine Wohnung. Dort halte ich zwei Meerschweinchen - Frieda und Friedolin", erzählt die 14-Jährige. Umso mehr genießt sie ihre regelmäßigen Ausflüge in das Zerbster Tierheim. Freitags nach der Schule ist sie meist dort und jeden Sonnabend und Sonntag, "wenn nichts dazwischen kommt".

Mit leuchtenden Augen schildert die Neuntklässlerin des Francisceums, wie sie dann jeweils mit zwei Hunden für ein bis zwei Stunden in der Natur Gassi geht - an der Kiesgrube entlang oder im Waldfrieden. "Es macht Spaß und man ist viel an der frischen Luft", begründet die Gymnasiastin schlicht ihren ehrenamtlichen Einsatz.

Zdenka Meinhardt weiß dieses keinesfalls selbstverständliche Engagement zu schätzen. "Allein schaffen wir es nicht", erklärt die Leiterin der vereinsgetragenen Einrichtung mit Blick auf die vielen herrenlosen Tiere, die hier betreut werden. Allein 17 Hunde warten derzeit in den Zwingern auf ein neues liebevolles Zuhause und sind zu umsorgen. Täglich benötigen sie Auslauf, mindestens 20 bis 30 Minuten sollen sie ausgeführt werden. Um dies zu realisieren, braucht es solche freiwilligen Helfer wie Lea, die eher zufällig diese verantwortungsbewusste Aufgabe übernommen hat.

"Jemand hat mich mal ins Tierheim mitgenommen." Lächelnd erzählt die 14-Jährige, wie sie damals zum ersten Mal mit bellenden Vierbeinern des Tierheims ihre Runden drehte. Seit Sommer 2010 gehört Lea inzwischen zum verlässlichen Stamm der durchschnittlich zehn bis 15 "Gassigeher" - übrigens genauso wie ihre Mutter und Oma.

"Jeder, der mit den Hunden spazieren gehen möchte, muss eine Gassigeherschulung absolvieren", berichtet sie. Diese werden in gewissen Abständen angeboten und durchgeführt. "Da erfährt man unter anderem, dass man die Hunde nicht von der Leine lässt, und was man mit ihnen üben kann, Befehle wie: Sitz! Platz!`", beschreibt Lea die dort vermittelten Inhalte.

"Katzen sind auch schön", bemerkt die Neuntklässlerin nachdenklich. Doch zu Hunden scheint sie einen speziellen Draht zu haben. "Ich komme gut mit ihnen klar." Dabei ist ihr bewusst, dass gerade die Fundtiere besondere Sensibilität erfordern. Entsprechend vorsichtig und ruhig geht sie mit ihnen um.

"Man muss sich langsam rantasten und Vertrauen aufbauen", erklärt die junge Zerbsterin und erzählt von Mischling Robby, ihrem persönlichen Liebling. "Er hat wohl schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht", vermutet sie. "Robby ist schon öfter vermittelt worden, kam aber immer wieder hierher zurück."

So kümmert sich eben Lea um ihn. Und das genauso gewissenhaft wie beispielsweise um Teddy, einem Schäferhund-Colly-Mischling, und all die anderen Fellnasen mit ihren ganz eigenen Schicksalen. "Das ist Fleischwurst", bemerkt das dunkelhaarige Mädchen mit Blick auf die kleingeschnittenen Leckerli, die sie in den Händen hält und den Hunden bei ihren Besuchen mitbringt.

Unterdessen darf sich das Team des Tierheims ab und zu über knusprige Kekse freuen. Und natürlich über die wirklich tatkräftige Unterstützung der 14-Jährigen, die in den Schulferien und sogar an Feiertagen in der Einrichtung an der Biaser Straße anzutreffen ist. Selbst an Weihnachten schaut Lea vorbei, um eifrig mit anzupacken.

Sie hilft emsig mit beim Säubern der Zwinger und Auffüllen der Näpfe mit frischem Wasser. Keine Frage, dass sie das Tierheim ebenfalls für ein Praktikum ausgewählt hat. Ob sie später auch beruflich einmal irgendetwas in dieser Richtung machen will, weiß die Neuntklässlerin allerdings jetzt noch nicht. Auf alle Fälle möchte Lea irgendwann wahnsinnig gern ihren eigenen Hund besitzen - das ist wohl der größte Traum der so engagierten Gymnasiastin.