Zerbst l Rund 170 Seiten umfasst das Gutachten, das der Rettungsaktion des Daches der Bartholomäi-Kirche zu Grunde liegt. "Es ist eine statisch wirklich knifflige Sache", weiß auch Pfarrer Albrecht Lindemann.

Vor zwei Jahren war im Zuge einer Begehung aufgefallen, dass sich das Dach der Kirche wölbt. "Damit hatten wir gar nicht gerechnet. Schließlich werden Dachstühle von Kirchen eigentlich sehr alt und der unserer Kirche ist gerade mal 60 Jahre", berichtete er weiter.

Es wurde festgestellt, dass sich die Fuß- und die Mittelpfette - das sind die Balken, die parallel zur Wand verlaufen und die Dachbalken miteinander verbinden - nach außen verdreht haben. Darüber hinaus liege das Sprengwerk, also die Stützen der Balken, teilweise auf dem Mauerwerk auf.

Der Lösungsansatz soll keine Erneuerung des Dachstuhles sein, sondern eine Befestigung der Konstruktion. "Wir wollen den Zustand stabilisieren", erklärte der Pfarrer. Der Vorteil liege auf der Hand. "Die Kosten liegen bei 50 000 Euro." Müsste das Dach abgenommen werden, "lägen die Kosten bei einem Vielfachen. Das wäre in jedem Fall sechsstellig, und da steht dann auch keine Eins mehr davor", sagte Lindemann voller Dankbarkeit für die Lösung, die nun gefunden wurde.

Ringanker soll Statikproblem lösen

Er schiebt aber auch ein: "Es ist ein diffiziles Unterfangen." Schließlich herrschen in so einem Dachstuhl etliche Kräfte, die alle irgendwann über den Boden abgeleitet werden müssten. Dadurch, dass sich die Balken nun auch verdreht haben, sei eine erneute Schwierigkeit hinzugekommen. "Zahlreiche Dinge gibt es zu beachten, aber am Ende ist es den Mitarbeitern des Ingenieurbüros gelungen, eine Lösung zu finden." Teil dieser Lösung wird sein, dass ein Ringanker für die nötige Stabilität sorgen soll. Weil keine Außenfassade und keine schmückenden Elemente betroffen sind, seien die Bauarbeiten relativ problemlos mit dem Amt für Denkmalschutz abgestimmt worden.

"Das bedingt allerdings auch, dass es für solche Vorhaben kaum Fördertöpfe gibt", schob der Pfarrer ein.

Zu den 50 000 Euro Kosten schieße die Evangelische Landeskirche Anhalts immerhin 20 000 Euro hinzu. Allerdings müsse der Löwenanteil von der Gemeinde bestritten werden, so der Pastor.

"Noch haben wir Rücklagen, von denen wir das bezahlen können", sagte der Pfarrer und informierte: "Deswegen haben wir ja so um Spenden für den Dicken Turm geworben. Dass das Dach der Kirche dran ist, wussten wir, die notwendige Sanierung des Dicken Turms kam uns allerdings dazwischen. Beides hätten wir nicht bezahlen können."

Innerhalb von drei Monaten soll die Sicherungsmaßnahme abgeschlossen werden. "Der Kirchenbetrieb ist dabei nicht beeinflusst. Alle Veranstaltungen finden statt", betonte Pfarrer Albrecht Lindemann.