Romantische wie sportliche Erinnerungen weckte das historische Heimatfoto in dieser Woche. Das Schwarz-Weiß-Foto zeigte die Gaststätte Volkspark, das frühere Schützenhaus, das mehrfach Opfer der Flammen wurde.

Zerbst l Viele Leser erkannten sofort in der historischen Aufnahme den Volkspark von Zerbst, das frühere traditionsreiche Schützenhaus. Zugegeben, knifflig war es dieses Mal nicht. Zumal es sich bei dem gesuchten Gebäude um eine äußerst beliebte Gaststätte handelte. "Hier haben wir in unserer Jugendzeit beim ,Jugendtanz` das Tanzbein geschwungen", erinnert sich Ilona Pflug.

"Hätte es das Haus nicht gegeben, hätte ich meinen Mann wohl nie kennengelernt", konstatiert Annegret Schulze aus Güterglück. 1975 begegnete sie ihm dort. "Er war bei der Armee in Kamenz, ein Freund hatte ihn mit nach Zerbst gebracht." Richtig gefunkt zwischen ihnen habe es dann beim Heimatfest. "Inzwischen sind wir 38 Jahre verheiratet."

Ähnliches berichtet Hans-Dieter Faust. Im Juli 1958 traf er im Schützenhaus auf eine "kleine hübsche blonde Frau", schildert er das erste Zusammentreffen mit seiner zukünftigen Braut. Bereits im November des gleichen Jahres ließen sich die beiden trauen, "weil wir eine Wohnung brauchten", wie er zugibt. "Inzwischen sind wir über 56 Jahre glücklich miteinander", betont der Steutzer.

Neben Angela Braune lernte ebenfalls Gisela Wehe in dem "beliebten Tanzlokal", in dem die Kapelle Schmidt aus Magdeburg aufspielte, ihren Ehemann kennen. "Wir sind oft dort gewesen", erzählt die Zerbsterin, wie sie damals im Petticoat frierend in der Warteschlange am Einlass stand.

Mit seinem Arbeitskollegen Manfred Höhne ist Lothar Platte aus Schora fast jedes Wochenende zum Volkspark geradelt. Wenn kein Tanz war, besuchten sie die Weinstube und nahmen das Herrengedeck - Porter und Piccolo. "Oben auf dem Rang ist ein Schießstand gewesen, da konnte man mit dem Luftgewehr schießen", erinnert er sich.

Fast alle Anrufer hatten noch den Saal mit der schmucken Empore vor Augen. So auch Harald Neupert, der 1965 hier als 14-Jähriger Tanzstundenball hatte und das gleich zweimal, "weil ein junger Mann gefehlt hat". Helmut Lehmann berichtet von Hertha "Herzchen" Woydt, die der Jugend den Walzerschritt beibrachte. Und Gerda Herrmann verrät, dass sie nur zuschaute. Da sie "keine schönen Kleider besaß", verzichtete sie auf Tanzstunden. "Tanzen kann ich trotzdem", bemerkt sie.

Allerdings wurde nicht nur viel getanzt im Volkspark. Im "Schuppen" wurde auch rege gefeiert. An die Jugendweihe von ihrem Sohn erinnert sich beispielsweise Jutta Strauß, an die Silvesterpartys Dietmar Randel aus Loburg. "Da habe ich in der Küche und Bar mitgeholfen", bemerkt er. Unterdessen erzählt Helmut Lehmann von den Karnevalsveranstaltungen vom Konsum mit Herbert Wagenführ, genannt "Stifte". "Er war Zeremonienmeister und brachte den Saal zum Beben." Gleichzeitig entsinnt er sich an die Weihnachtsfeiern der Wema. Und als Jugendlicher schaute sich Helmut Lehmann ab und zu die Boxkämpfe an, bei denen Annemarie Gründer mit dem Bauchladen Würstchen verkaufte. Unter anderen traten Paul Nickel und Ernst May in den Ring. "Auch ein Tischtennis-Ländervergleich zwischen der DDR und der Volksrepublik China fand hier mal statt. Die Chinesen haben gewonnen", schildert Helmut Lehmann eine weitere sportliche Episode.

Die vorhandene Kegelbahn erwähnt Klaus Stiehler. Und er erzählt, wie ihm während einer Feier im Volkspark das Minirad gestohlen wurde. Und noch etwas verbindet er mit der alten Aufnahme: "An der Nuthe stand einmal eine Betonmauer, die hat meine Tochter mit Zerbster Motiven bemalt." Die Mauer ist längst abgerissen genauso wie der Volkspark, der mehrfach ein Opfer der Flammen wurde. "1969 ist der Saal abgebrannt, 1973 die Bar und 1995 dann die Gaststätte", zählt Jürgen Kenzler auf. Der Zerbster stellte das Schwarz-Weiß-Foto von der so bekannten Örtlichkeit zur Verfügung, in der er selbst 1957 seiner späteren Ehefrau in die Arme tanzte.

Mitunter tagte hier auch die Kreisleitung, wie Klaus Göring aus Gommern weiß. Bei einer der Sitzungen brach ein Feuer aus. Hilde Biermann, damals erste Sekretärin, erklärte in dem Moment wohl resolut: "Bevor jeder rausgeht, nimmt er noch seinen Stuhl mit." So zündelte es leider immer wieder - zuletzt vor nunmehr 20 Jahren. Lange stand die Ruine als trauriger Zeuge der einst so blühenden Lokalität, wo man im Sommer im Garten sitzen konnte, wie sich Charlotte Sauer erinnert.

"Genau den gleichen Saal gibt es nochmal in Schönebeck", sagt Wolfgang Dompke. "Wir sind da von der EOS aus zur Schulspeisung rüber gegangen", erzählt Gudrun Reinbothe. Und Elke Pethke berichtet, dass sie dort, wo sie früher oft zur Disco ging, kurz nach der Wende eine berufliche Umschulung machte.

Jutta Grohn, Ingeborg Messerschmidt, Detlef Teßmann, Ingrid Platte, Siegfried Schellin, Heinz Stamann und Alfred Kroys lösten ebenfalls das Heimatfotorätsel. Einen Biber-Ticket-Gutschein gewonnen hat Annegret Schulze aus Güterglück.

   

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