Die Predigtreihe zu ausgewählten Holzschnitten der Zerbster Cranachbibel erlebte am Sonntag ihren Auftakt. Der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig widmete sich in St. Bartholomäi mit der Darstellung der Schöpfungsgeschichte der Macht der Bilder.

Zerbst l "Bilder sind nicht alles - alles sind Bilder", wandte sich Joachim Liebig an die Gottesdienstbesucher. Der anhaltische Kirchenpräsident eröffnete am Sonntag die Predigtreihe zu ausgewählten Holzschnitten der prunkvollen Zerbster Cranachbibel. Zum Auftakt bezog er sich auf die farbenfrohe Darstellung zur Schöpfungsgeschichte.

Vorab hatte Pfarrer Albrecht Lindemann die vielen, teils extra aus Magdeburg angereisten Besucher in der Bartholomäikirche begrüßt, die sich im 800. Jahr der Altarweihe befindet. Das Jubiläum bildet allerdings nur einen Anlass für das jetzt gestartete Projekt, bei dem die evangelische Kirchengemeinde mit der Landeskirche Anhalts und der Stadt Zerbst als Veranstalter agiert. Die Reihe fügt sich ein in das Cranachjahr 2015 und das Themenjahr "Bibel Bild" der Lutherdekade.

Nicht zuletzt steht jene in Verbindung mit dem 70. Jahrestag der Zerstörung von Zerbst am 16. April 1945 durch alliierte Luftangriffe, wie Kulturamtsleiterin Antje Rohm in ihrem Grußwort ausführte. Sie zitierte dazu aus dem Heimatkalender von 1999. In jenem schilderte Therese Leue die Geschehnisse in jenen letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges. Sie war Kanzleiangestellte im Zerbster Staatsarchiv, das im Schloss untergebracht war. Als am 12. April 1945 die Schließung des Archivs für den Publikumsverkehr bekannt gegeben wurde, fiel ihr bei Ordnungsarbeiten die Cranachbibel in die Hände, "die wegen Fotoarbeiten nicht im Panzerschrank deponiert war. Ich legte sie wieder dorthin zurück und schloss sie ein." Die Wand im großen Saal, an der sich der Tresor befand, sei bei der Bombardierung des Barockbaus wie durch ein Wunder unversehrt geblieben. "Die kostbare, dreibändige Prunkbibel konnte gerettet werden. Alles andere aber wurde vernichtet", berichtete Therese Leue. Noch immer hütet die Stadt diesen Schatz, dessen eindrucksvolle farbige Drucke nun Inhalt von vier Predigten sein werden.

Der erste Termin war mit dem Sonntag Invokavit, dem ersten Sonntag der Passionszeit, mit Bedacht gewählt. In acht Invokavitpredigten habe sich Martin Luther (1483-1546) nach seiner Rückkehr von der Wartburg gegen radikale Theologen gewandt, erinnerte Joachim Liebig an die umstürzlerische Wucht der Reformation, die zu jener Zeit in eine Revolution umschlug. Luther sprach damals ebenfalls über Bilder. "Sie sind ihm egal, so lange es Illustrationen sind", konstatierte der Kirchenpräsident. "Er eröffnet damit ein Bilderuniversum." Selbst das Unsichtbare, Gott und die Schöpfung wurde nun in Bilder gefasst - wie in Cranachs Werk für die Zerbster Prunkbibel.

Liebig ging in seiner Predigt ebenfalls auf die Macht der Bilder ein, die als Propagandawerkzeug genutzt werden und deren Botschaft mitunter tödliche Wirkung hat. Er erwähnte die Mohammed-Karikaturen und die Hinrichtungsvideos der IS-Terrormiliz. "Der Mensch ist als ,Augentier` auf Bilder fixiert", gab der Kirchenpräsident zu bedenken. Auch mit seinem Hinweis auf die tagtägliche Bilderflut und die heutigen Möglichkeiten zur Manipulation von Fotos wollte er zum Nachdenken über die Bedeutung von Bildern anregen.