An den "Musenhof Zerbst" entführen vom 15. bis 19. April die 13. Internationalen Fasch-Festtage. Liebhaber barocker Kompositionen erwartet ein vielfältiges Programm mit hochkarätigen Konzerten und neuzeitlichen Erstaufführungen.

Zerbst l "Wir freuen uns auf tolle Konzerte, viele Besucher und neue Erkenntnisse." Gut gelaunt blickt Bürgermeister Andreas Dittmann der 13. Auflage der Internationalen Fasch-Festtage entgegen. Vom 15. bis zum 19. April nimmt ein vielfältiges Programm Jung und Alt mit an den "Musenhof Zerbst". Denn das Wirken von Johann Friedrich Fasch (1688-1758) als Hofkapellmeister in Zerbst fällt in eine Epoche, in welcher der anhaltinische Fürstenhof Kunst und Kultur pflegte und förderte, wie Bert Siegmund erläutert. Er ist Präsident der Internationalen Fasch-Gesellschaft, die das Barockmusikfestival gemeinsam mit der Stadt Zerbst ausrichtet.

Insgesamt 14 Veranstaltungen sind geplant. Neben einer zweitägigen wissenschaftlichen Konferenz finden hochkarätige Konzerte statt, für die die Organisatoren renommierte Ensembles und Solisten gewinnen konnten. Als Beispiele seien La Ritirata aus Spanien, die Lautten Compagney Berlin und das Händelspielorchester Halle genannt.

Zu Gehör kommen ausgewählte Werke Faschs - darunter neuzeitliche Erstaufführungen. Bert Siegmund weist unter anderem auf die Kirchenkantate "Die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten", die beim Abschlussfestgottesdienst zu erleben ist. Und er nennt die Johannespassion, die beim Gedenkkonzert anlässlich des 70. Jahrestages der Zerstörung von Zerbst in St. Trinitatis erklingt. Die dramatischen Schilderung der letzten Tage Christi passt zum damaligen Leidensweg der Stadt, wie Bert Siegmund bemerkt. Die Erinnerung an die Bombardierung der Stadt am 16. April 1945 ist auch Grund für die Vorverlegung der Fasch-Festtage, deren Eröffnung sonst traditionell am Donnerstag erfolgt.

Die Johannispassion wird vom Mitteldeutschen Rundfunk (Mdr) live übertragen. Zudem zeichnet der Mdr das vom Ensemble Capell und Taffel-Music gestaltete Konzert "Die Hoboen thun eine treffliche Wirkung" in der Barockkirche Burgkemnitz auf - der einzigen Spielstätte außerhalb von Zerbst, das selbst mit ganz verschiedenen "Konzertsälen" aufwartet. Erstmals wird in den Tempelsaal der Freimaurerloge "Zu den drei Weltkugel", der heutigen evangelischen Bartholomäischule eingeladen.

Unter dem Titel "Touched - Lovesongs von Renaissance bis Pop" steht die Fasch-Midnight im Schloss, die Bert Siegmund hervorhebt. Das Vokalensemble Calmus verspricht unterhaltsames Cross-over durch die Musikepochen. Überhaupt beschränkt sich das Festival nicht auf Fasch. Stücke italienischer Komponisten wie beispielsweise von Antonio Vivaldi (1678-1741) werden ebenfalls gespielt.

"Ein solches Projekt könnten wir als Fasch-Gesellschaft allein nie stemmen", weiß Bert Siegmund. Auch Andreas Dittmann ist dankbar für die finanzielle Unterstützung, die fließt. Immerhin umfasst das Budget für die Festtage 144 000 Euro. Das Land steuert 70 000 Euro bei, beim Kreis Anhalt-Bitterfeld sind 6000 Euro beantragt. Die Stadt selbst trägt 29 000 Euro. Ein bewährter Partner ist ebenfalls die Sparkassenstiftung Anhalt-Zerbst. Gemeinsam mit Landrat und dem Stiftungsvorsitzenden Uwe Schulze ließ es sich Stiftungsvorstand Markus Klatte am Dienstag nicht nehmen, persönlich den Scheck über 10 000 Euro zu überreichen. Das Festival habe ein Niveau, das in Mitteldeutschland seinesgleichen suche, bezieht er sich auf das anspruchsvolle Programm. "Fasch ist in Zerbst nicht vergessen, sondern wird gewürdigt und publiziert", ergänzt Uwe Schulze.