Zerbst l Wenn am heutigen Sonnabend die Kulturfesttage im Museum eröffnet werden, dann sind sie mit dabei. So, wie sie immer dabei waren in den vergangenen 50 Jahren. Die Philatelisten, die Briefmarkensammler aus Zerbst, werden an der gleichen Stelle wie in den vergangenen fünf Jahrzehnten ihre Sammlungen präsentieren. Doch eines wird anders sein: Die Briefmarken werden zum letzten Mal in diesem Rahmen gezeigt. Nach 50 Jahren Dauerpräsenz haben die Mitglieder des Zerbster Briefmarkenvereins während der vergangenen Tage zum letzten Mal ihre Schautafeln im Gewölbe des Museums aufgestellt. Und selbst das ist ein Zugeständnis. "Wären es nicht die 50. Festtage, hätten wir es nicht gemacht", erzählte Rudolf Preuß, der ehemalige Vorsitzende der Sammler. "Wir haben unseren Verein zum 31. Dezember aufgelöst", sagte er weiter. "Wir sind einfach zu alt." Als er den Verein übernommen habe, habe er sich das Ziel gestellt, nicht mehr länger der Jüngste zu sein. "Das ist fast drei Jahre her und ich bin es immer noch. Und ich bin 65", sagte er.

Die meisten der Mitglieder haben ihr 80. Lebensjahr schon passiert. "Viele sind noch fit, aber ihnen fehlt langsam die Lust", sagte der Briefmarkensammler. Es sei sehr schade um das ganze Wissen, dass da verloren gehen werde. Nachwuchs zu gewinnen sei ein Ding der Unmöglichkeit. "Es interessiert sich einfach keiner mehr dafür", erzählte Preuß. "Hätte mir einer in meinen Zwanzigern erzählt, dass ich mal Briefmarken sammeln würde, ich hätte ihn für verrückt erklärt", kann er die Jugendlichen auch ein Stück weit verstehen. Bei ihm habe das auch erst später eingesetzt.

Dass sich jedoch gar keiner findet, mache die Vereinsarbeit schwierig. "Viele ganz Alte können nicht mehr kommen." Für wen also sollte das Vereinsleben aufrecht gehalten werden, wenn doch die Perspektive fehlt?

So wurde das Jahr des 125-jährigen Bestehens des Vereins auch dessen letztes.