Unter dem Motto "Du bist spitze!" bewerben sich sechs Kandidaten um den Titel "Lokalmatador 2015". Den Sieger ermitteln einzig die Volksstimme-Leser mit dem abgedruckten Abstimmungscoupon. In den nächsten Wochen stellen wir alle Kandidaten mit ihren Geschichten vor. Heute: Matthias Krähe.

Zerbst l Matthias Krähe ist eine Ausnahme in den Reihen der Kandidaten der besonders engagierten Menschen 2014. Denn er ist kein Zerbster. Er ist Loburger. Dort hat der 41-Jährige auch seinen Kehrbezirk als Schornsteinfeger. Dass er sich dennoch im Rennen um den Zerbster Lokalmator wiederfindet, liegt daran, dass er viele Fürsprecher in der Nuthestadt hat. Und die hat er, weil sein Engagement in Zerbst weit über das normale Maß hinaus geht.

Seit Jahren hat Matthias Krähe eine Partnerin, die er in Zerbst besucht. Er sei daher jahrelang an der Trinitatiskirche vorbeigelaufen. Wie es innen aussieht, hat ihn schon lange interessiert. "Man kommt ja nur rein, wenn Gottesdienst ist", sagt er heute. So betritt er eines Tages die Kirche und hört eine Predigt von Pfarrer Thomas Meyer. Interessiert habe ihn das nicht, aber die Kirche habe ihn fasziniert, erzählt er. Eine Woche später besucht er wieder den Gottesdienst. Von da an besucht er regelmäßig die Andachten.

"Irgendwann merkst du: Der redet ja über Dinge, die mich betreffen", erklärt er und berichtet, wie er nach und nach die Menschen der Gemeinde kennenlernte, nach der Andacht noch auf einen Kaffee blieb und sich schließlich 2011 taufen ließ, knapp drei Jahre nach dem ersten Betreten von Sankt Trinitatis.

Dass er vor dem Gottesdienst schon bei den Vorbereitungen hilft, danach mit Kaffee kocht und abräumt, hat sich längst eingespielt. "Ganz normale Dinge eben, wie sie jeder macht", tut es Krähe ab. Pfarrer Meyer bittet ihn, Silke Schmidt, Marco Groebe und Anett Polzin dabei zu helfen, den Gemeindebrief zu gestalten. Eine Aufgabe, die sowohl verantwortungsvoll ist, aber auch sehr mühsam und umfangreich. "Ich habe zugesagt. Ich hatte Lust darauf", erzählt Krähe. Seine Art kommt an, er ist immer da, aufmerksam, zurückhaltend. Als er merkt, dass die Nachbarin seiner Freundin nicht mehr zum Gottesdienst kommt, besucht er sie. Die alte Dame ist erkrankt, zu schwach, um in die Kirche zu gehen. Also besucht er sie nun regelmäßig.

"Ich fand es nicht gut, dass ein Mitglied der Gemeinde nicht mehr kommt und es geht weiter wie sonst auch."

Matthias Krähe

"Ich fand das nicht gut, dass ein Mitglied der Gemeinde nicht mehr kommt und es geht weiter wie sonst auch", sagt er aus Überzeugung. Auch als die alte Dame schwächer wird, besucht er sie im Krankenhaus, sorgt für Abwechslung, hört ihr zu. Das kann er. Bei seiner Arbeit, so sagt er, höre er die vielfältigsten Geschichten. Auch schlimme Schicksale. "Als Schornsteinfeger besuche ich die Menschen ja zu Hause. Da erhält man viele Einblicke", erzählt er weiter. Das Zuhören mache ihm Spaß. Auch, weil er merkt, dass es hilft, wenn Menschen sich etwas von der Seele reden können. Aber auch aus echtem Interesse. "Wie es früher hier in Zerbst einmal war, finde ich sehr spannend", sagt er.

Dass ihn die Schicksale zu sehr belasten könnten, befürchte er nicht. "Ich darf sie nicht alle mit nach Hause nehmen, dann ginge ich kaputt", weiß er. Er lässt sich fortbilden, absolviert einen Kurs zum Seniorenbegleiter. Dort lernte er, auf welche Schwierigkeiten man beim Umgang mit Senioren stoßen kann und wie de, zu begegnen ist. Er wolle gern einen Besucherkreis einrichten. Ältere Gemeindemitglieder, die nicht mehr allein in die Kirche kommen können, wolle er besuchen. Auch zum Sterbebegleiter will er sich schulen lassen. Das traue er sich zu. Es sei wichtig, dass Menschen auch dann Hilfe erfahren, sagt er.

Seine Art zu Helfen bringt ihm viel Anerkennung ein. Er wird in den Gemeindekirchenrat gewählt und wird Fördervereinsmitglied der Grundschule Sankt Bartholomäi. Dort hat er zwar keine Kinder, aber durch seine Aufgabe im Schulverwaltungsausschuss, den er durch sein Gemeindekirchenratsamt ausfüllen soll, kenne er die Schule ganz gut und wolle sie unterstützen.

Dass er Mitglied im Förderverein Sankt Nicolai ist, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Ebenso im Tierschutzverein. Früher habe er dort noch Hunde ausgeführt, dafür bleibe aber immer weniger Zeit.

Daran habe oft der Gemeindebrief schuld, der viel Zeit in Anspruch nehme, erzählt er. Seinem Freund Marco, der einen Rollstuhl benötigt, helfe er einmal in der Woche beim Schwimmen und bringe sich natürlich auch zu den Tagen der offenen Tür der Bartholomäi-Grundschule ein, bereite gern die Gottesdienste vor und räume hinterher die Stühle weg. Kaffee koche er immernch, sagte er. "Aber nur, wenn es gebraucht wird. Wenn mich einer dafür ausnutzt, dann lasse ich es sein." Es sei auch schön, gebraucht zu werden, sagt er.

Sollten Sie, liebe Leser, finden, dass das Engagement von Matthias Krähe auszeichnungswürdig ist, setzen Sie ihr Kreuz an der richten Stelle und senden Sie den Coupon ein. Die anderen Kandidaten stellen wir Ihnen wöchentlich vor.