Einmal mehr warb im vorigen Jahr eine Zerbster Prinzessin als russische Zarin für die Stadt. Auf vielfältige Weise hat sich der Internationale Förderverein Katharina II. eingebracht. Auch 2015 gibt es Vorhaben. Über die Details unterhielt sich Redakteurin Daniela Apel mit der Vereinsvorsitzenden Tatyana Nindel.

Wie schätzen Sie das vergangene Vereinsjahr im Rückblick ein?

Tatyana Nindel: Ich hätte fast ganz spontan gesagt, es war eher ein ruhiges Jahr. Dann habe ich einen Ordner mit Bildern geöffnet, die unser Vorstandsmitglied Johanna Lüdecke mit dem geheimen Spitznamen Paparazzi akribisch und professionell das ganze Jahr geschossen und für die Geschichte abgespeichert hat, und konnte nur den Kopf schütteln. Kurz zusammengefasst, es war ein Vereinsjahr, wofür wir uns nicht schämen müssen.

Was waren die Höhepunkte?

Als Höhepunkte würde ich unsere zwei Ausstellungen im Schloss bezeichnen - die Ausstellung der Künstlerin Elena Orlova-Afinogenova aus St. Petersburg und die Ausstellung über Zarizyno. Die erste wurde über zwei Jahre geplant. Die zweite wurde uns angenehm unerwartet von einem Geschäftsmann - Jurij Korolkov aus Moskau - dank der Vermittlung vom Vereinsmitglied Wladimir Teslenko geschenkt.

Bei welchen Veranstaltungen präsentierte sich der Verein?

Natürlich haben wir an den Zerbster Kulturfesttagen teilgenommen. Ganz besonders interessant war die Ausstellung über die Geschichte der Deutschen aus Russland, gewidmet dem 250. Jubiläumsjahr seit Beginn der Einwanderung von Deutschen nach Russland, die damit dem Aufruf von Katharina II. folgten. Seit zwei Jahren pflegen wir intensive freundschaftliche Beziehungen zur Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, was auch beidseitiges Nutzen mit sich bringt. Die Landsmannschaft lädt unsere Katharina aus Zerbst zu all ihren Veranstaltungen ein. Dadurch machen wir unsere Stadt noch bekannter und haben schon einige Touristen aus ganz Deutschland so gewinnen können. Wir dürfen natürlich auch die Teilnahme an festlichen Umzügen nicht vergessen, denn es ist quasi die Basis, bei der wir uns und unser Anliegen präsentieren können. 2014 waren es der Sachsen-Anhalt-Tag, Luthers Hochzeit und der Zerbster Bollenmarkt.

Und dann gab es da ja noch den Russischen Abend im Zerbster Schloss ...

Genau. Der Russische Abend im Schloss war für mich eine unvergessliche Veranstaltung. Ich als frisch gebackene Mutter durfte meinen Schatz für ein paar Stunden in die Obhut des Opas übergeben und unter Begleitung der feurigen Zigeuner-Virtuosen wieder so richtig feiern - mit Tanzen und Singen und leckerem Essen. Für diese Möglichkeit, so einen tollen Abend mit zu veranstalten, möchte ich mich noch mal beim Schlossverein bedanken.

2015 jährt sich die Hochzeit von Katharina und Peter zum 270. Mal - wird das Jubiläum in irgendeiner Weise begangen?

Schön, dass Sie uns darauf hinweisen. Irgendwie haben wir dieses Jubiläum aus den Augen verloren. Wahrscheinlich, weil diese Ehe nicht so glücklich war und - sagen wir so - ein skurriles Ende hatte. Aber, wenn ich es mir gut überlege, hätten wir die Ausstellung aus Zarizyno nicht im letzten Jahr geöffnet, könnte man sie diesem Jubiläum widmen, denn sie schließt die Abbildungen aus der Hochzeitsalbum von Katharina und Peter ein.

Einen weiteren Anlass zum Feiern bietet die Katharina-Sammlung, die nun seit 20 Jahren besteht ...

... und seit der Aufstellung des Katharina-Denkmals sind ebenfalls schon fünf Jahre vergangen. Zusammen mit der Stadt planen wir, diese beiden Jubiläen in feierlichen Veranstaltungen zu würdigen. Ich darf noch nicht viel verraten, wir sind noch in der Planungsphase. Vorab nur so viel: Es werden ein schönes Wiesenfest mit der Wahl einer neuen Prinzessin für die Stadt und ein wunderbares Kirchenkonzert geplant. Alles Weitere teilen wir Ihnen sofort mit, wenn es spruchreif wird.

Welche weiteren Veranstaltungen plant der Katharina-Verein in diesem Jahr?

Am 24. April findet unsere Jahreshauptversammlung mit den Vorstandswahlen statt. Für die Zerbster Kulturfesttage haben wir uns dieses Jahr was ganz Neues ausgedacht und möchten die kleinsten Zerbster, aber natürlich auch alle anderen damit ansprechen. Unser Vereinsmitglied Patricia Teslenko hat ein Kindermärchen über Katharina II. geschrieben und liest es am 28. März um 15 Uhr unter Kerzenlicht und mit Barockmusik im Fasch-Saal der Stadthalle vor. Wir freuen uns auf viele kleine Prinzen und Prinzessinnen. Und natürlich bringt die Öffnung des Schlosses viel Planungsarbeit, aber auch Freude mit. Denn so haben wir die Möglichkeit des direkten Kontaktes mit den Besuchern, erhalten Kritik und bekommen Lob ausgesprochen.

Welche Vorhaben gibt es?

Wir versuchen, soweit die finanziellen Mittel es uns erlauben, die uns vom Schlossverein zur Verfügung gestellten Ausstellungsräume im Zerbster Schloss noch schmucker zu gestalten. Im vorigen Jahr konnten wir dank Spenden der Sparkassenstiftung die Folien an den Fenstern auswechseln. Jetzt sitzt unsere tapfere Schneiderin Marlies Kellpinski an ihrer Nähmaschine und kreiert aus den Kilometern von Stoff wunderschöne Vorhänge für alle Räumlichkeiten. Die Ausstellungen werden dieses Jahr auch neu konzipiert und wir freuen uns auf den neuen Sommer in unserem Schloss.

Wie hat sich die Mitgliederzahl im Verein entwickelt?

Die Mitgliederzahl bleibt leider mehr oder weniger konstant. Wir haben ein paar neue Mitglieder gewinnen können. Aber ich kann es auch verstehen. Unsere Stadt ist so kulturell aktiv. So viele interessante Vereine, so viele schöne Vorhaben, es ist nicht leicht, sich überall zu engagieren. Wobei ich mir noch mehr junge Menschen im Verein wünschen würde, denn sie beherrschen die neuesten Trends und Technologien, was selbst ich nicht mehr schaffe. Durch Facebook kann man innerhalb von ein paar Minuten tausende Menschen erreichen und zu den Veranstaltungen oder Projekten einladen. Das ist etwas, was wir noch vorhaben.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Vereins?

Ein Verein - das sind in erster Linie die Menschen, die darin mitwirken. Deswegen wünsche ich als erstes viel Gesundheit und Kraft allen unseren Mitgliedern. Und das Nächste, was mir Sorgen bereitet, ist die aktuelle politische Lage in Osteuropa, denn unser Verein ist durch bestimmte Gründe ganz eng mit Russland verbunden. Ich wünsche mir, dass sich die Situation beruhigt und es wieder Frieden gibt, und wir über die Kultur, Geschichte und gemeinsame Projekte sprechen können, ohne auf jedes Wort aufpassen zu müssen, um politisch korrekt zu bleiben. Alles andere schaffen wir dann von alleine - zusammen mit der Stadt und anderen Zerbster Vereinen.

Im Internet präsentiert sich der Verein unter www.ifv-katharinaii.de.