Zerbst l Die derzeit laufenden Tiefbauarbeiten im Bereich der Jüdenstraße ermöglichen Einblicke in die Zerbster Historie. Im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie begleitet Grabungstechniker Frank Besener die Maßnahme. Unterstützung erhält er von Zeichner André Benke. Sobald die Bagger interessante Strukturen freilegen, dokumentieren die Beiden den Befund.

Frank Besener erzählt von der barocken Bebauung, auf die sie im südlichen Bereich stießen und von einer gut zwei Meter starken Auffüllung des Geländes im Spätmittelalter. "Das kennen wir bereits vom Markt und der Alten Brücke", erklärt der Zerbster. "Und dabei handelt es sich vermutlich um eine Hypokaustheizung", zeigt er auf freigelegte Ziegelsteine im Klosterformat. "Das ist der letzte Rest eines Kanals", merkt Frank Besener an. Im 16./17. Jahrhundert wurde das an der Stelle stehende Gebäude mit Warmluft beheizt, denkt er. Auch die Befeuerungsstätte glaubt er ausgemacht zu haben. Schwarze Verfärbungen im Boden weisen auf Ruß und Asche hin und lassen diese Schlussfolgerung vermuten.

Weiter nördlich ist André Benke derweil mit der Aufnahme von Straßenhorizonten beschäftigt. Parallel zur Fahrbahn der Jüdenstraße finden momentan Kanalarbeiten statt. Der schmale Aushub förderte eine spätmittelalterliche Grube zu Tage. "Sie liegt mitten im Straßenbereich und das ist ungewöhnlich", sagt Frank Besener. Fakt ist, dass die Grube lose verfüllt, wohl mindestens zweimal mit Steinen abgedeckt wurde, da sie absackte. Erkennbar sind ebenfalls einzelne Schichten von Kieselsteinen. Diese deuten auf eine Art Schotterstraße hin. Auch dünne schwarze Schichten gibt es - ob sie auf einen Stadtbrand hinweisen, ist allerdings rein spekulativ.

Auch mehrere Bruchstücke von Keramiken sowie einzelne Knochen haben Frank Besener und André Benke bereits gefunden. Da bleibt anzuwarten, welche archäologischen Geheimnisse sie noch der Zerbster Erde entreißen. Auf alle Fälle wird alles sorgsam mittels Zeichnungen und Fotos festgehalten, vermessen und erfasst zur späteren Auswertung.

Der grundhafte Ausbau der Jüdenstraße soll Mitte September abgeschlossen sein. Beidseitig der neu asphaltierten Fahrbahn werden Gehwege in Betonrechteckpflaster angelegt. Neben dem Setzen moderner LED-Leuchten erfolgt die Verlegung des Regenwasserkanals. Für all diese Arbeiten zeichnet sich die Stadt Zerbst verantwortlich. Unterdessen werden durch die Erdgas Mittelsachsen und die Heidewasser GmbH neue Gas- und Wasserleitungen verlegt.

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